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Kultur Heinz-Rudolf Kunze: „Ich dachte, ich wäre zu langweilig alleine“
Nachrichten Kultur Heinz-Rudolf Kunze: „Ich dachte, ich wäre zu langweilig alleine“
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14:39 12.10.2018
Heinz-Rudolf Kunze tourt derzeit durch Deutschland. Am 10. November ist er in Trinwillershagen. Quelle: Martin Huch
Trinwillershagen

OZ:In diesem Jahr ist ihr Album „Schöne Grüße vom Schicksal“ erschienen. Worauf können sich die Konzertbesucher in Trinwillershagen musikalisch einstellen?

Heinz-Rudolf Kunze: Einiges muss ich mir noch vorbehalten und aufheben für die große Bandtour im Januar, Februar. Da stellen wir das Album sehr ausführlich vor. Bei dem Solokonzert sind es vier Lieder von den 15, weil ich eben einen ganz besonderen Bogen spannen will, von Anfang an bis heute. Da ist das neue Album nicht Schwerpunkt, sondern nur Teil einer Zeitreise von 1981 bis heute.

OZ:Über 400 Lieder haben Sie schon herausgebracht. Wie kommen Sie immer wieder auf neue Ideen? Das ist ja Wahnsinn!

Heinz-Rudolf Kunze: Wieso? Was ist denn daran Wahnsinn? Das Leben geht doch weiter und schreiben ist mein Beruf. Ich tue seit fast vier Jahrzehnten nichts anders beruflich und seit noch längerer Zeit privat und da das Leben jeden Tag was Neues zu bieten hat, gehen einem doch die Ideen nicht aus, wenn man ein bisschen Übung darin hat, zu beobachten, was so um einen herum geschieht.

OZ: Sie treten bei Ihrer Tour in München, Berlin und Hamburg auf. Warum Trinwillershagen?

Heinz-Rudolf Kunze: Da komme nicht ich drauf, sondern dort meldet sich jemand bei unserem Management und möchte mich haben und dann versuchen wir, das einzubauen. Wir haben schon so ein Art Plan, dass wir auch gerne in kleine Städte gehen und Säle bespielen, die man mit der Band gar nicht machen kann, weil das viel zu aufwendig wäre und viel zu teuer. Insofern habe ich solo die Möglichkeit, das Land flächendeckend zu bereisen und überall hinzukommen. Und die Leute dort abzuholen, wo sie stehen, damit sie nicht in eine Großstadt fahren müssen, um mich zu sehen.

OZ: Was ist das Schöne an Ihren Solokonzerten in kleineren Hallen?

Heinz-Rudolf Kunze: Es ist ganz anderes Arbeiten, wenn man alleine auf der Bühne die Verantwortung hat, wenn man keinen Mitmusiker hat, deswegen mache ich das ja auch erst seit drei Jahren. Vorher habe ich mich nicht getraut. Ich dachte, ich pack das nicht alleine, ich wäre zu langweilig alleine. Und seitdem ich vor drei Jahren im August 2015 gemerkt habe, dass die Leute das lieben, habe ich erst das Zutrauen gefunden, damit nicht mehr aufzuhören.

OZ: Waren Sie schon mal in der Region, vielleicht auf dem Fischland-Darß-Zingst?

Heinz-Rudolf Kunze: Ja, da war ich schon. Ich bin ein Meeresmensch. Ich hab nichts gegen Berge, aber Meer ist mir lieber. Am Meer könnte ich auch leben. Berge könnte ich nur touristisch ertragen.

OZ: „Mein ist dein ganzes Herz“ ist ein Klassiker und häufig werden Sie auf dieses Lied reduziert. Können Sie es selber überhaupt noch hören?

Heinz-Rudolf Kunze: Ach, das klingt immer so negativ. Es gibt viele Kollegen, die wären dankbar, wenn sie so ein Lied hätten, auf das sie reduziert würden. Das ist eine Hausnummer, die wirklich jeder kennt. Das ist ein Evergreen, ein Gassenhauer, ein Dauerbrenner in Deutschland seit jetzt 33 Jahren. Ich bin froh, dass es so eine Nummer gegeben hat, wo jeder sagt, ach das war doch der. Ich reduziere mich nicht auf diese Nummer. Ich hab 450, glaube ich, andere veröffentlicht. Das wissen dann die Leute, die sich gut bei mir auskennen. Aber es gibt auch Leute, die sich nur im Vorbeigehen für einen Sänger interessieren, und die kennen dann zumindest das.

OZ: Sie haben Lehramt studiert. Sie wollten also eigentlich Lehrer werden?

Heinz-Rudolf Kunze: Ich wollte Germanist an der Uni werden. Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft war mein normales Lebensziel und da kam dann die Musik dazwischen - zum Glück. Lehrer wäre ich nie geworden.

OZ: Sie haben auch einige politische Lieder herausgebracht. Was ist Ihre Intention?

Heinz-Rudolf Kunze: Auch diese Lieder mache ich nur, um die Leute gut zu unterhalten. Was sie dann daraus machen, ist ihre Sache. Ich finde nur zu meiner Vorstellung von guter Unterhaltung gehört, dass alles darin vorkommt. Auch die Dinge, die uns beschäftigen und ärgern auf der Welt. Denn es gibt genug Kollegen, die nur durch die rosarote Brille säuseln, dann muss ich das nicht auch noch machen.

OZ: Ihr politisches Lied „Willkommen liebe Mörder“ wurde häufig missverstanden. Sie sagen, sie meinen die NSU-Mörder, andere sehen es als Islamkritik. Sind sie seitdem vorsichtiger geworden?

Heinz-Rudolf Kunze: Selbstverständlich bleibe ich dabei. Ich spiele auch das Lied. Ich erkläre es nur ein bisschen. Nur die Dämlichkeit dieser Leute ist eine Erklärung dafür. Denn außer dem Titel, den man vielleicht missverstehen kann, wenn man sich den zurechtlügt, gibt es in dem Lied keine einzige Zeile, die Fremdenfeindlichkeit erkennen lässt. Es gibt die sehr deutliche Zeile in diesem Lied ’Denn man erkennt sie nicht’. Also kann ich schon kaum irgendwie anders aussehende Menschen damit gemeint haben. Und die Zeile ’Sie pflegen fremde Bräuche’ – nun Nazis pflegen auch fremde Bräuche aus meiner Sicht.

Freikarten zu gewinnen

Die OZ verlost drei Mal zwei Karten für das Konzert von Heinz Rudolf Kunze am 10. November um 20 Uhr in Trinwillershagen. Wer zwei Karten gewinnen möchte, muss heute zwischen 10 und 12 Uhr unter der Telefonnummer 0137/9880886 anrufen und folgende Frage beantworten: Wie heißt das aktuelle Album von Heinz Rudolf Kunze? Der Anruf kostet 50 Cent aus dem deutschen Festnetz, abweichende Preise für Mobilfunkteilnehmer. Die Gewinner werden in der OZ bekannt gegeben.

Karten gibt es auch im OZ-Servicecenter, Lange Straße 43/45 in Ribnitz-Damgarten. Ebenfalls verkauft werden hier Karten für ein weiteres Konzert in Trinwillershagen, Zu den Linden. Am 1. Dezember treten ab 18 Uhr Michael Hirte & Band und Simone Oberstein auf.

Anika Wenning

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