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Kultur Her mit den jungen Kerlen!
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00:00 26.07.2018
Putbus

Wenn Frauen in die Jahre kommen, kann es im Alltag ziemlich trist zugehen. Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann nörgelt und sucht was „Frisches“, im Beruf gehen die besten Jobs an jüngere Damen oder eben an Männer. Falten, erste Zipperlein – soweit, so bekannt. Auf der Bühne in Putbus ist mit „Cougar“, Untertitel: „Auf der Jagd nach jungen Männern“, nun ein Top-Stück zu sehen, das zu diesem alltäglichen Drama großartige Alternativen zeigt. Drei etwas desillusionierte Frauen entfesseln bei diversen Treffen mit jüngeren Männern ihren „inneren Löwen“ und finden dadurch zu mehr Selbstliebe und Stärke.

Drei Frauen, ein Mann: Im erfrischenden Stück Cougar reißen sich die Damen um junge Kerle. Quelle: Foto: Theater Vorpommern
„„Endlich ein Stück, wo wir Frauen uns komplett wieder- finden. Jede von uns hat von Zeit zu Zeit solche Phasen. Zudem inhaltlich und schauspiele- risch sehr gut gemacht.“ June Ohta-Kelling , aus Lübeck
„„Es ist fantastisch, abseits von Großproduktionen ein Musical zu sehen, bei dem alles stimmt, von der Besetzung über die Musik bis hin zur Ausstattung.“Sabine Reese , Besucherin aus Lübeck

Besetzt ist das Stück mit vier unglaublich talentierten Künstlern, drei Frauen und einem Mann, die wunderbar singen, fetzig tanzen, richtig gut schauspielern und sich bestens kleiden können. Den Anfang macht Lilli (Constanze Priester), frisch geschieden, etwas spießig, verschämt, unendlich traurig und einsam. Sie wird schnell von der sich feministisch gebenden Maria-Marie (Anne Roetmeth) eingefangen, die auf ihrem emanzipierten Befreiungstrip die Cougar-Bar gegründet hat, junge Kerle und einsame Frauen um sich schart und es sehr schnell schafft, Lili in eine sexhungrige, super gekleidete Frau zu verwandeln. Die Dritte im Bunde ist Clara (Barbara Ferun), eine streng daher kommende Wissenschaftlerin, die sich mehr mit Statistiken über das Sexualleben älterer Frauen mit jüngeren Männern als mit diesen selbst beschäftigt.

Das ganze Stück hat ein rasantes Tempo, angetrieben vor allem von Dick (Florian Bruno Kondur), dem einzigen Mann auf der Bühne, der in Windeseile in gefühlt zehn Rollen schlüpft – Callboy, Barkeeper, Frauentröster, Ersatz-Ehemann, unterwürfiges Sexobjekt, abgemilderter Sadist, leicht transsexuell angehauchter Nagelstudio-Besitzer und viele Rollen mehr. Blitzschnelles Umziehen gelingt übrigens allen vier Schauspielern hinterm Vorhang, blitzschnelles Umräumen der „Kulissen“ auch – einfache verwandelbare Obstkisten, die mal ein Grab, mal einen Sessel, ein Sofa, ein Bett und natürlich immer wieder den Cougar-Bar-Tresen darstellen. Spezialität dort: Der Cougartini, ein Martini speziell für die ältere Frau auf der Jagd nach jungen Männern, gemixt aus verjüngend wirkendem Granatapfelsaft und Vanille-Wodka. „Er hilft den weiblichen Wesen, ihr wirkliches Alter zu vergessen“, heißt es. Applaus, Gelächter – Pointen wie diese gibt es in „Cougar“ massenweise, ein Grund, warum bei der ersten Putbus-Aufführung vergangene Woche ein spontaner Beifall den anderen ablöste.

Das Stück, von der Amerikanerin Donna Moore geschrieben und sechs Jahre am New Yorker Broadway gespielt, hat noch andere Stärken: die Live-Musik, genial! Die Darsteller singen und tanzen sich durch Songs von Blues über „doo wop“ und Pop bis hin zu „Julio“, eine in einen Vibrator gesungene romantische Ballade. Begleitet werden sie von Piano, Drums und Bass. Handys und ihre phantasievollen, individuellen Klingeltöne spielen wegen der zahlreichen Verabredungen der Damen natürlich auch keine unwesentliche Rolle.

Neben dem köstlichen Inhalt und der Musik halten Gags und großartige Ideen das Musical in Schwung – und das war keine leichte Aufgabe. Florian Bruno Kondur, Schauspieler, Produzent und Gründer des Freien Ensembles Berlin mit dem Namen „Flow Circus“ zeichnet für „Cougar“ verantwortlich: „Es war natürlich sehr schwierig, aus der US-Fassung eine deutsche Version zu machen, die ebenso witzig ist.“ Geschafft! Ebenso geschafft: Als „Frischling“ im Produzentengeschäft das Stück sowohl in Berlin im vergangenen Herbst als auch jetzt in Putbus auf die Bühne zu bringen. Kondur: „Ich habe mir das zugetraut, weil ich von dem Musical total überzeugt war, ein Bauchgefühl, dass das Stück das Zeug hat, zum Kultstück zu werden.“ Der Weg ist geebnet!

„Cougar“ ist morgen um 19.30 Uhr zu sehen, dann jeweils zur selben Uhrzeit, noch sieben Mal bis zum 27. August.

Sinnbild für die Jagd nach Partnern

Cougar ist eine englische Slang-Bezeichnung für Frauen, die einen wesentlich jüngeren Mann für eine Beziehung oder als Sexualpartner suchen. Im normalen Sprachgebrauch bedeutet das Wort in den Vereinigten Staaten Puma (Silberlöwe). Das Wort spielt einerseits auf die schon etwas verblasste Haarfarbe der älteren Damen an, andererseits auf das Bild der „Jagd“ nach Partnern.

Lena Roosen

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