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Musik, Akrobatik, Puppenspiel: Der „Jahrmarkt der Sensationen“ verzauberte die Gäste im Kloster Rehna / Heute ist das musikalische Wandertheater der Festspiele MV in Rostock zu erleben

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Jacques Ammon (l.) und Eckart Runge berühren die Besucher mit argentinischen Tangos.

Rehna . Clara will nicht übers Seil balancieren, Clara möchte Rollschuh laufen. Doch der Rollschuh wartet am anderen Ende des Seils auf sie. Clara zögert, hat Angst, schwingt sich hoch, torkelt, tänzelt, bekommt den Schuh – und dreht am Ende glücklich Pirouetten auf Rollen. Clara hängt an 21 Fäden, und der Spanier Raimon Ruiz del Rio versteht es, der Puppe durch fließende Bewegungen und Gesten Leben einzuhauchen, so dass man mit Clara bangt, leidet und sich freut.

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Musik, Akrobatik, Puppenspiel: Der „Jahrmarkt der Sensationen“ verzauberte die Gäste im Kloster Rehna / Heute ist das musikalische Wandertheater der Festspiele MV in Rostock zu erleben

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Von solcher Magie lebt der gute alte Zirkus, und Illusionen wollen auch die Festspiele Mecklenburg- Vorpommern mit ihrem „Jahrmarkt der Sensationen“ heraufbeschwören. Bereits vor zwei Jahren zog ein musikalisches Wandertheater durchs Land. Nun gibt es eine Neuauflage, die in der alten Klosteranlage in Rehna in Nordwestmecklenburg eine umjubelte Premiere feierte.

Also hereinspaziert: Drehorgelmusik, Seifenblasen und eine Stelzenläuferin mit Träumen im Gepäck sorgen vor der mittelalterlichen Klosteranlage bei perfektem Open-Air-Wetter für Jahrmarktfeeling. Zum Zirkus gehört Musik, natürlich. Dafür treten Weltklassekünstler in die Manege, die an diesem Abend im Klosterinnenhof, dem sogenannten Nonnengarten, steht. Die jungen, ambitionierten Musiker des vision string quartets geben mit einem verjazzten Franz Schubert einen furiosen Einstieg, am Cello unterstützt von Eckart Runge, der auch als Jahrmarktdirektor charmant durch den Abend führt. „Hier ist alles live, ohne Netz und doppelten Boden“, moderiert er ganz in Schwarz, mit Glitzerweste und Zylinder. Und er zitiert Charlie Chaplin: „Nur wer ein Kind bleiben kann, wird erwachsen.“

Für die Musiker, die in diesem Programm zu erleben sind, trifft das mit Sicherheit zu. Die vier Streicher des vision string quartets haben ihr Zusammenspiel schon als Jazzensemble ausprobiert, es mit klassischem Repertoire bei Lehrern vom Alban Berg und Artemis Quartett weiter ausgefeilt und damit viele Preise abgesahnt. Der litauische Akkordeonvirtuose Martynas Levickis ist ein guter Bekannter bei den Festspielen und hat 2014 bereits den Publikumspreis gewonnen. Eckart Runge, der Cellist und Gründer des Artemis Quartetts, ist auf großen Bühnen der Welt präsent und hat mit dem deutsch-chilenischen Pianisten Jacques Ammon einen exzellenten und leidenschaftlichen Partner an seiner Seite. Aus Wien kommt Georg Breinschmid, einer der führenden österreichischen Jazzmusiker. Sie alle sind Virtuosen auf ihren Instrumenten und versierte Bühnen-Arbeiter, dennoch merkt man ihnen immer noch die kindliche Freude am Musizieren an. Besonders, wenn sie zusammen auf der Bühne stehen und zeitweise improvisieren. Erst einen Tag vor der Premiere haben sie sich getroffen und zusammen am Programm gefeilt. Diese Lust an der Musik überträgt sich auf die Zuschauer, eine Stunde lang erleben sie die Magie der Musik.

Dann wandert das Publikum – in drei Gruppen getrennt – zu verschiedenen Spielstätten. Auf der großen Bühne spielen Eckart Runge und Jacques Ammon Filmmusik von Nino Rota, Carlos Gardel, Dick Dale und Georges Meliés, während auf einer Leinwand Filmausschnitte laufen. Und beim „Schwarzen Teufel“ schleicht sich doch tatsächlich der Leibhaftige in den Nonnengarten.

In der Klosterkirche verzaubert der spanische Puppenspieler Raimon Ruiz del Rio mit seiner Marionette Clara die Besucher, und im Probsteihof lässt der belgische Akrobatenclown Bart van Dyk alias Barto die Gäste staunen und lachen, pustet Toilettenpapier durch die Luft, gaukelt mit kleinen Bällen und zwängt sich mit lustigen Verrenkungen durch einen Kleiderbügel aus dünnem Metall. Das hat dann tatsächlich Zirkusqualität. Am Ende treten noch einmal die Illusionisten an den Instrumenten auf die große Bühne und lassen, in unterschiedlichen Formationen, Vivaldi, Palmer-Hughes und Piazzolla in die laue Nacht klingen. Die gut 500 Besucher sind entzückt, klatschen und jubeln.

Die Künstler sind in den kommenden Tagen an weiteren ungewöhnlichen Spielstätten des Landes zu erleben und werden ihr Publikum vermutlich immer wieder mit kleinen Variationen im Zusammenspiel und der Improvisation überraschen. Jahrmarkt eben.

Der musikalische Wanderzirkus on tour

Heute ist der „Jahrmarkt der Sensationen“ im Rostocker Zoo zu erleben. Die bereits vor mehr als 100 Jahren angelegte Parklandschaft bietet ein passendes Ambiente für die Vorstellungen. Um 19 Uhr heißt es: Manege frei.

Am morgigen Sonnabend macht der Wanderzirkus Station in der Gutsanlage Stolpe bei Anklam. Bei einem Picknick im Park kann man vorher unter alten Bäumen sitzen. Es gibt auch ein Restaurant. Beginn ist um 18 Uhr.

Am Sonntag , 24. Juli, bietet der ehemalige Lokschuppen in Pasewalk die passende Bühne für Musik und Spiel. Er wurde 1997 stillgelegt und dient nun als Museum und Veranstaltungsort. Um 15 Uhr geht es schon los.

Petra Haase

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