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Kultur Herman van Veen: „Ich kann es mir nicht leisten zu sterben“
Nachrichten Kultur Herman van Veen: „Ich kann es mir nicht leisten zu sterben“
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00:00 14.09.2016

Rostock. Esoterik, Bewusst leben, Partnerschaft. „Was sagt uns das?“, fragt Herman van Veen in die Runde. Drei Regale in der Rostocker Unibuchhandlung Thalia, auf die er an diesem Abend blickt, tragen diese Aufschriften. Der holländische Sänger, Dichter und Maler stellte am Montagabend im voll besetzten Obergeschoss seine Autobiografie „Erinnerte Tage“ vor und erntet mit seiner Frage Lacher.

Diese kleine Szene erzählt viel über den Künstler. Herman van Veen ist ständig auf Empfang. Mit allem, was er sieht, hört, liest oder fühlt, jongliert er in Gedanken, und irgendwann entsteht daraus ein Lied, ein Gedicht, ein Bild, ein Märchen oder ein Theaterstück. „Ich habe keinen Plan. Es entwickelt sich. So ist das.“ So ist das auch an diesem Abend. Keine übliche Lesung. Im Gespräch mit Edith Leerkes, seiner Musiker-Partnerin seit 25 Jahren, gibt der 71-Jährige muntere Einblicke in die wunderbare Welt des Herman van Veen: seinen Alltag („Ich esse früh zwei Toasts mit Käse, ein Ei, sechs Minuten, trinke zwei Cappuccino“), die Konzertvorbereitung („jeder Abend ist anders“), die Auftritte in Ostdeutschland („ich wollte einen Stein aus der Mauer singen“), Religion („Ich glaube, Gott ist eine Idee“).

Eine Collage aus unterschiedlichen Themen, Zeitebenen und Perspektiven ist auch die Autobiografie Herman van Veens, aus der er dann liest. Ein zärtlicher Brief an die Enkelin, liebevolle Erinnerungen an seine Eltern, Episoden über seine Musterung, die Trauer über seinen verstorbenen Musikerfreund Erik van der Wurff, der Pimmel während einer OP-Vorbereitung – wie in seinen Liedern balanciert van Veen in seinem Buch zwischen tiefem Ernst und schwebender Leichtigkeit. Auch gesungen wird an diesem Abend, auf der Gitarre von Edith Leerkes begleitet.

Zu erleben ist ein vitaler Entertainer, der gesegnet ist mit Humor, Herz und Verstand. Ein älterer Herr, der die Welt zugleich altersweise und kinderstaunend betrachtet und lange noch nicht müde ist, seine Erkenntnisse der Welt mitzuteilen und neue Projekte anzuschieben. Etwa in seinem Arts Center in Holland, einem Landsitz, in dem er seine Bilder präsentiert, Konzerte gibt und wo junge Künstler sich ausprobieren können. „Ich kann es mir nicht leisten, zu sterben. Es gibt noch so viel Schönes zu tun. Ich genieße es, glauben Sie mir!“ Wer ihn erlebt, hat daran keinen Zweifel.

Petra Haase

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