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Kultur Heroischer Beethoven zum Saisonauftakt in Schwerin
Nachrichten Kultur Heroischer Beethoven zum Saisonauftakt in Schwerin
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00:00 19.10.2016
Heinz-Jürgen Staszak über das erste Sinfoniekonzert in Schwerin

Programmatisch mit Beethoven eröffnete die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin die neue Konzertsaison, mit dem „heroischen“ Beethoven, der noch vom optimistischen Glauben an die Möglichkeit von Menschlichkeit geprägt ist, mit seiner Egmont-Ouvertüre (1810) und seiner dritten Sinfonie, der „Eroica“. Von ihnen eingeschlossen das nachgelassene Viola-Konzert (1945) von Béla Bartók, das diese Kraft – nach doppelter Weltkriegs- und Faschismuserfahrung – nicht mehr ungebrochen aufbringt.

Die junge Solistin Lydia Rinecker (27), Solobratscherin im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, bot eine respektable Leistung, im Technischen wie im Gestalterischen. Sie ließ die latente Melancholie, die anklingende zarte Klage um unwiederbringliche Verluste berührend erlebbar werden, im angemessen abgeklärten Gestus, unterstützt vom Orchester unter Daniel Huppert, dem dies nicht immer in der gleichen Intensität gelang.

Bei Beethoven entfaltete das Orchester beeindruckend seine Leistungskraft. Besonders in der krönenden Eroica, in der Moderation leicht flapsig als „Evergreen der Klassik“ bezeichnet. Aber Huppert setzte sich mit ihr, die das komplexeste Orchesterwerk Beethovens ist und in Form und Ideengehalt nur von seiner „Neunten“ überboten wird, ernsthaft auseinander und befeuerte die Staatskapelle zu einer schlüssigen Gestaltung von mitreißend authentischer Erlebniskraft. Nur den ersten Satz, möglicherweise in einer grundlosen Furcht vor dem Pathos des Heroischen, ließ er zu flott durchspielen, entwickelt aus dem Gegensatz von sanfter Lieblichkeit und energischen Tatkraftgesten, der nicht der wirklich den Satz treibende Gegensatz ist: die zerschmetternde Gewalt der Synkopen und Dissonanzen schien zurückgenommen. Ganz anders die folgenden Sätze, der Trauermarsch etwa, den er von zeremonieller Gefasstheit zu entfesselter Schmerzlichkeit steigerte, bis in das Finale, das er in sieghafte tänzerische und marschartige Beschwingtheit münden ließ.

OZ

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