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„Heute Nacht oder nie“ — Zeitreise in die 1920er in Berlin

Berlin „Heute Nacht oder nie“ — Zeitreise in die 1920er in Berlin

. Das Berliner Nachtleben in den 1920ern! Der Schampus, die Freizügigkeit, die künstlerische Avantgarde. Vieles aus der Zeit gilt heute als legendär.

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Die Geschwister Pfister Andreja Schneider (l.) als Hure, Christoph Marti als Lesbe (r.) und Tobias Bonn als Bonze

Quelle: Soeren Stache/dpa

Berlin. . Das Berliner Nachtleben in den 1920ern! Der Schampus, die Freizügigkeit, die künstlerische Avantgarde. Vieles aus der Zeit gilt heute als legendär.

Und manche entdecken die Zeit (mal wieder) für sich. Die Komische Oper lässt mit ihrem neuen Stück „Heute Nacht oder nie“ die Revue der Weimarer Republik aufleben. Die Rollen sind plakativ — und die Show ist leicht und unterhaltsam.

Da räkelt sich „die Lesbe“ — gespielt von einem Mann — im schwarzen Samtkleid. Seine Haare hat er in Wasserwellen gelegt, die Augenbrauen überzeichnet. „Der Bonze“ schiebt im aufgeplusterten Anzug „der Hure“ Geld zu. Und „der Beamte“ wünscht sich, „einmal möcht‘ ich keine Sorgen haben“. Die exzentrischen Charaktere singen Lieder des jüdisch-russischen Komponisten Mischa Spoliansky (1898-1985).

Regisseur Stefan Huber hat die Figuren fast expressionistisch angelegt. Sie stünden stellvertretend für gesellschaftliche Gruppen dieser Zeit, sagt Huber. Er inszenierte für die Berliner Bühne auch schon die Operette „Clivia“, ebenfalls im Stil der Vergangenheit. Er sieht Parallelen von den 20ern und frühen 30ern zu heute.

Diese Zeit erlebe immer mal wieder eine Renaissance. „Ich glaube nur, dass wir heute politisch näher dran sind“, sagt er. Auch heute gebe es Umwälzungen und Veränderungen, die politische Überforderung und eine große Vergnügungssucht mit sich brächten. „Ich glaube, da braucht man ein Ventil.“ Man dürfe nicht nur das negative Ergebnis der Weimarer Republik sehen, sondern auch die Kreativität der Szene.

In der Kultur wird immer wieder auf die Epoche zurückgegriffen. Auch momentan. In der U-Bahn haben manche wieder Christopher Isherwoods „Leb wohl, Berlin“ in der Hand, das Buch war Vorlage für den Film „Cabaret“. In den Läden sieht man den wiederentdeckten Roman „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ von Gabriele Tergit (1931). Und Studenten der Universität der Künste entwickelten gerade einen Spaziergang, mit dem man alten Cafés der Berliner Bohème nachspüren kann.

Die Komische Oper liefert mit der neuen Revue einen leichten Abend zum Abschalten. Wo es an echter Handlung fehlt, halten einen die Figuren bei der Stange. Auf der Bühne stehen etwa das Kabarett-Trio „Geschwister Pfister“ und Schauspieler Stefan Kurt. Dirigent Kai Tietje sitzt mit dem Orchester direkt auf der Bühne. Wenn sich „die Hure“ mit ihrem Hinterteil dann etwas ulkig gegen „den Beamten“ schiebt, giggeln vor allem die älteren Zuschauer.

OZ

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