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Hinter den Kulissen – der Glanz des Bolschoi

Moskau Hinter den Kulissen – der Glanz des Bolschoi

Dort, wo sonst Ballerinas des Moskauer Bolschoi-Theaters grazil tanzen, hämmert es im Sekundentakt. Ein Techniker schlägt die letzten Bolzen in die Hebebühne.

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Ein Besuch im Bolschoi-Theater gehört zum Pflichtprogramm bei einer Reise nach Moskau, selbst für Staatsgäste.

Quelle: Foto: Dpa

Moskau. Dort, wo sonst Ballerinas des Moskauer Bolschoi-Theaters grazil tanzen, hämmert es im Sekundentakt. Ein Techniker schlägt die letzten Bolzen in die Hebebühne. So elegant und prunkvoll der mit Stuck und Blattgold verzierte Zuschauersaal ist, auf der Bühne herrschen graue Bretter vor. „Eigentlich ist es zu gefährlich hier“, sagt Katerina Nowikowa, die durch das renommierte Theater der russischen Hauptstadt führt.

Das Traditions-Haus wurde vor sechs Jahren wiedereröffnet, nachdem das auf sumpfigem Gelände gebaute Haus über Jahrzehnte Risse bekommen hatte und fast eingestürzt wäre. Jetzt ist zwar alles nach Originalskizzen renoviert, die Sowjetsymbole Hammer und Sichel wurden von den Wänden entfernt. Zugleich ist aus dem ehrwürdigen Theater ein Hochsicherheitstrakt geworden. Wie am Flughafen werden Gäste und Mitarbeiter durchleuchtet, Sicherheitspersonal bewacht die Eingänge.

Von der Sinnlichkeit, die in den Stücken vom Publikum so sehr bewundert wird, ist wenige Stunden vor der Vorstellung von Modest Mussorgskis Oper „Boris Godunow“ wenig zu spüren. In Nebenräumen proben Balletttänzer. Über 200 Tänzer zählen zum Ensemble des Bolschoi, das schon unter den Zaren und Sowjets als Aushängeschild galt. In dem Haus arbeiten 3000 Menschen. Traum vieler ist es, über die Staatliche Akademie für Choreografie in Moskau, die Talentschmiede des Bolschoi, einen Platz in der Truppe zu ergattern. Sollten sie es schaffen, kommen 20 Jahre harte körperliche Arbeit. „Wer gut ist, geht mit 35 oder 38 in Rente“, so Bolschoi-Sprecherin Nowikowa.

Zum Saisonstart im September läuft im Bolschoi-Theater das Tagesgeschäft an. Theaterdirektor Wladimir Urin versammelt Ensemble und Mitarbeiter, um auf die neue Spielzeit einzustimmen. Denn das Ballett steht in den internationalen Schlagzeilen – und an der Frontlinie der Kulturpolitik. Zum Saisonende hatte Urin zum Entsetzen der Beteiligten das Ballett „Nurejew“ des Regisseurs Kirill Serebrennikow aus dem Programm gestrichen. Später wurde dieser wegen Betrugsverdachts bei einem anderen Theaterprojekt festgenommen, er steht nun unter Hausarrest. Die Moskauer Kulturszene sieht das Vorgehen als Versuch, einen kritischen Künstler mundtot zu machen.

Claudia Thaler

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