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Hohe Kunst und Popkultur

Rostock Hohe Kunst und Popkultur

Mit bewährtem Ausstellungsmix will die Kunsthalle Rostock ihren Erfolg fortsetzen / Die erste Schau „Erich Kissing und Kerstin. Maler und Modell.“ läuft vom 4. Februar bis 1. Mai

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Ein Werk von Erich Kissing: „Das Urteil des E.K.“ ( 1998-2000, Ei-Tempera und Öl auf Leinwand, 160 x 225 cm) REPROS (3): KUNSTHALLE ROSTOCK

Rostock. „Sie ist ein Model und sie sieht gut aus . . .“ Das kann man über Kerstin Wentz, das Model der Bildenden Künste, nun wirklich sagen. Die 43-jährige Marketing-Angestellte aus Leipzig stand Aktmodell für zeitgenössische Künstler. Erich Kissing hat sie auf zahlreichen Werken verewigt. In mehr als 15 Bildern des Tübke-Schülers taucht Kerstin Wentz auf. Nicht nur dort. Akt-Fotograf Günter Rössler (1926-2012) und der Leipziger Fotokünstler Stefan Hoyer (43) haben sie fotografiert, Papstmaler Michael Triegel hat sie gemalt, ebenso wie der Leipziger Maler, Dietrich Wenzel (74), der mit Werner Tübke am Bauernkriegs-Panoramabild in Bad Frankenhausen gemalt hat, oder ihr Vater, der Leipziger Künstler Günther Wentz (79). Dieser Muse und ihren Künstlern widmet die Rostocker Kunsthalle vom 4. Februar bis 1. Mai ihre erste große Ausstellung des Jahres 2018.

OZ-Bild

Mit bewährtem Ausstellungsmix will die Kunsthalle Rostock ihren Erfolg fortsetzen / Die erste Schau „Erich Kissing und Kerstin. Maler und Modell.“ läuft vom 4. Februar bis 1. Mai

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Es geht also schön los im Museum am Schwanenteich. Und es hat auch schön aufgehört, das Jahr 2017. Mit 70000 Besuchern in 26 Ausstellungen, davon zwölf Sammlungsschauen, knüpft die Kunsthalle an das Erfolgsjahr 2015 mit der Olsenbande-Ausstellung an. Insgesamt zogen vor allem die mit der OZ organisierte Bürgerschau „Rostock kreativ“ (13000 Besucher) und die drei großen Schauen Wolfgang Mattheuer, „Sibylle“ und „Artige Kunst“ die meisten Besucher in die Halle am Rostocker Schwanenteich.

Kunsthallen-Direktor Jörg-Uwe Neumann sagt: „Es hat sich gezeigt, dass wir damit richtigliegen, wenn wir uns als einziger Museumsneubau der DDR dieser Vergangenheit stellen. Ausstellungen wie Mattheuer, Tübke und Triegel, Arno Rink, Olsenbande oder die um die DDR-Modezeitschrift Sibylle sind besucherstarke Kernmarken geworden, die uns als Haus ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen.“

In diesem Mix will Neumann in diesem Jahr auch weitermachen. Nach der ersten großen Ausstellung um das Aktmodell Kerstin mit dem Titel „Erich Kissing und Kerstin. Maler und Modell.“ (4. Februar bis 1. Mai) folgen am 29. März die Erfolgsschau „Rostock kreativ“ (18. März bis 8. April) und am 18. Mai die erste große internationale Schau. „Two Times“ zeigt Arbeiten des US-amerikanischen Künstlerpaares Ilya und Emilia Kabakov. Das sind zwei Künstler mit russischen Wurzeln, die seit mehr als 20 Jahren in den USA leben und derzeit als die museal am meisten ausgestellten zeitgenössischen Künstler gelten.

Zeitgleich zur Rostocker Schau stellen die Kabakovs in der Eremitage in St. Petersburg aus. Die Rostocker Ausstellung zeigt eine Auswahl von Gemälden beider Künstler aus verschiedenen Epochen und die kompletten Editionen, die in Rostock als Gesamtschau Weltpremiere feiern sollen.

Parallel dazu wird im Rostocker Stadthafen das Projekt „Ship of Tolerance“, ebenfalls von den Kabakovs, zu sehen sein. Neumann sagt dazu: „Das sind alles Ausstellungen, wie ich sie mag, weil sie nebenbei noch eine kleine Geschichte erzählen.“

Insgesamt 14 Ausstellungen plus 12 Mal Sammlungsschauen sind für 2018 in der Rostocker Kunsthalle geplant. Im Sommer beschäftigt sich Kunsthallenkurator Ulrich Ptak mit dem Thema „Die Schönheit der Dinge“. Ptak hat den Bestand der Sammlung nach Themen durchforstet, die unter ästhetischen Gesichtspunkten besonders sind. Weitere Höhepunkte sind Maix Mayer „Barosphere Teil 3“ – ein Projekt zwischen Fotografie, Film, Performance und Skulptur. Und vom 15. Juli bis 19. August die Ausstellung „Zeichnung und Skulptur“ des albanischen Ministerpräsidenten und Künstlers Edi Rama.

International, hochkarätig und pop-populär geht das Jahr zu Ende. Der niederländische Regisseur und Fotograf Anton Corbijn („Most Wanted Man“) zeigt vom 18. November bis 27. Januar 2019 sein Abc der Musikstars. Corbijn hat seit Anfang der 70er Jahre so gut wie alle Größen des modernen Musikbusiness vor seiner Kamera gehabt. Er porträtierte Musiker wie Mick Jagger, Tom Waits, Frank Sinatra, Bryan Adams, Jon Bon Jovi, Nick Cave, Herbert Grönemeyer oder Siouxsie Sue (von Siouxsie and the Banshees) und lieferte auch Bandporträts von den Stones bis Depeche Mode, Nirwana, U2, Metallica oder Joy Divison, über deren Frontmann Ian Curtis er 2008 den Musik-Kinofilm „Control“ drehte.

Von Corbijn stammen die weltberühmten Plattencover der U2-Alben „The Joshua Tree“ und „Rattle and Hum“, alle Depeche-Mode-Cover und Travis-Cover. Für sein Musikvideo zu Nirvanas „Heart Shaped Box“

erhielt er 1994 den MTV-Award und eine Grammy-Nominierung für den Konzertfilm „Devotional“ über die Depeche-Mode-Tour 1993. Jörg-Uwe Neumann sagt: „Die 800-Jahr-Feier der Stadt ist ja ein äußerst internationaler Ansatz 2018, daher sind wir ebenfalls sehr international aufgestellt mit Kabakov und Corbijn, um diesem Charakter gerecht zu werden.“

Michael Meyer

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