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Hopfen und Malz verloren

Beerland Hopfen und Malz verloren

Ein Amerikaner untersucht ein vermeintliches Mysterium und findet heraus: Die Deutschen trinken gerne Bier, sind gesellig und beim Trinken Traditionalisten. So what?

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Der Dokumentarfilm "Beerland" (2012) untersucht die deutschen Trinkgebräuche. Überraschendes kommt dabei nicht zum Vorschein.

Quelle: Movienet

Sich mit den Deutschen über Bier zu unterhalten und ihnen dabei Neues erzählen zu wollen, ist in etwa so originell, wie einem Vietnamesen vom Reis und einem Amerikaner von den Burgern zu berichten. Wenn der amerikanische Filmemacher Matt Sweetwood, der immerhin auch schon seit rund zehn Jahren in Deutschland lebt, in seinem Dokumentarfilm "Beerland" dann auch noch eher ernsthaft als augenzwinkernd von einem "Geheimnis" rund um die eigenwilligen Trink- und Geselligkeitstraditionen beim Gerstensaft-Genuss spricht, dann stößt dies sauer auf. Es ist ein Film, der liebenswürdig gemeint ist, aber eigentlich am Publikum hierzulande vorbeiprostet.

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Viele ausländische Gäste reagieren etwas befremdet über die deutschen Trinkgebräuche.

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Wie jeder erfahrene Besucher des Münchner Oktoberfests weiß, ist es keine wirklich gute Idee, einfach mal so abends auf die Wiesn zu spazieren und auf ein entspanntes Volksfesterlebnis zu spekulieren. Wer zu spät kommt, schafft es einfach nicht in die überfüllten Zelte. Das Jammern über den Reservierungswahn hat zwar Tradition, bringt aber vor verschlossenen Türen wenig. Und dass die von Matt Sweetwood fürs große Massenbesäufnis eingeladenen US-Eltern (schwerer Planungsfehler!) dann vor Ort reichlich befremdet reagieren, dürfte wenigstens Ortskundige wenig überraschen. Auch der Kölner Karneval wäre - das ist republikweit bekannt - im nüchternen Zustand kaum zu ertragen.

Natürlich ist es legitim und manchmal sogar sehr erhellend, einen Außenstehenden einen Blick auf vermeintlich sehr Vertrautes werfen zu lassen. Zu einem großartigen Resultat führte das etwa, als die südkoreanische Filmacherin Cho Sung-hyung 2006 Norddeutschlands größtes Metal-Festival in Wacken besuchte und dabei lakonisch und nüchtern einfing, wie sich ansonsten biedere Berufstätige im Schlamm wälzen sowie zu brachialen Klängen Unmengen von Bier vertilgen: "Full Metal Village" ist ein Meisterwerk des Kulturaustauschs - und ganz nebenbei ein schreiend komischer Film.

Bei "Beerland" funktioniert diese Herangehensweise weitaus weniger gut. Sie sah vermutlich auch auf dem Papier pfiffiger aus, als sie dann durchgeführt wurde. Immerhin hatte Matt Sweetwood mit den Dreharbeiten beginnen können, nachdem er 2009 mit einem entsprechenden Skript den Dokuwettbewerb von BR und Telepool gewann, der alljährlich im Rahmen des Münchner Filmfests veranstaltet wird. Der fertige Film ist doch etwas sehr betulich und überraschungsfrei geworden: Der Wahlberliner aus Missouri besucht Stammtischrunden, Brauereien, Hopfenpflücker und Schützenfeste. Was er dabei herausfindet: Die Deutschen trinken gerne, sie stoßen ritualisiert miteinander an, schätzen gesellige Runden und werden unter Alkoholeinfluss, wenn man Glück hat, freundlicher und enthemmter, als man sie aus dem Alltag kennt.

Was für eine Erkenntnis. Und was für ein "Geheimnis". Möglicherweise liegt das Problem des Films in der mangelnden Fallhöhe: Bierkonsum ist eben doch nicht Heavy-Metal-Verehrung und zudem keine wirklich eindeutig deutsche Erfindung, über die man als Ausländer nur staunend den Kopf schütteln kann. Es sagt zwar viel über das Land aus, dass Bier-Trinken in Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist, über die man sich nicht mehr wundern muss. Wenn man es aber trotzdem tut, wirkt das fast wie Heuchelei.

 

Homepage "Beerland"

Homepage Movienet

Homepage Matt Sweetwood

Infoseite zum Film

(WMV)

(Flash)

 

teleschau

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