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„Ich bin mit dem Ostrock vertraut“

„Ich bin mit dem Ostrock vertraut“

Auf seiner neuen CD verarbeitet Heinz Rudolf Kunze 50 Jahre deutsche Musikgeschichte.

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Heinz Rudolf Kunze: „Ich bin mit Ostrock vertraut“

Umgeben von Meisterwerken: Heinz Rudolf Kunze hat aus 50 Jahren deutscher Popgeschichte seine Auswahl getroffen.

Quelle: Jim Rakete

Rostock Im November wird Deutschrocker Heinz Rudolf Kunze 60. In diesem Jahr hat er zwei CDs veröffentlicht und am Sonntag tritt er in Rostock auf.

Ihre neue CD heißt „Meisterwerke: Verbeugungen“, Sie singen darauf Songs von anderen deutschen Künstlern. Wie kam es zu diesem Coverprojekt?

Heinz Rudolf Kunze: Als die Idee aufkam, habe ich meine Favoriten sofort auf einen Zettel geschrieben. Mein Impuls war dabei: Nur nicht zu lange drüber nachdenken, einfach aufschreiben. So kamen schnell meine deutschen Lieblingssongs zusammen, zum Beispiel von DAF oder von den Einstürzenden Neubauten, aber auch von Udo Jürgens oder Hildegard Knef.

Und wie viele standen am Ende auf dem Zettel?

Kunze: Nur die absoluten Highlights, rund 20 Songs.

Wie sehen denn Ihre ersten musikalischen Erinnerungen aus?

Kunze: Meine ersten Erinnerungen waren Freddy Quinn, Peter Alexander oder Vico Torriani. Das war in den Sechzigern ganz normal, im Radio stand der deutsche Schlager ganz vorn. Wir Deutschen hinkten damals sowieso ein bisschen hinterher – als Jimi Hendrix auf seinem Karrierehöhepunkt war, stand bei uns Roy Black ganz oben in der Hitparade. Das darf man auch nicht vergessen.

Sie haben auf dieser CD eine große musikalische Bandbreite verwirklicht, eben von Freddy Quinn über Udo Jürgens oder Ideal bis hin zu Thees Uhlmann. Welche Songs waren denn besonders schwierig zu singen?

Kunze: Also zum Beispiel bei Casper, das sind komplizierte Metren, das ist ja manchmal mehr ein Gestammel, das war für mich schwierig aufzunehmen. Und bei der Münchner Freiheit war es Sänger Stefan Zauner, der damals mit sich selbst im Chor gesungen hat. Jetzt hab ich wieder gemerkt, was Stefan Zauner für eine tolle Stimme hat. Schwierig, da ranzukommen.

Mit „Blumen aus Eis“ von Karat und „Wenn ein Mensch lebt“ von den Puhdys sind ja auch zwei Ostrock-Nummern vertreten. Das ist ja ungewöhnlich.

Kunze: Wieso?

Weil Ostrock in der medialen Wahrnehmung heute kaum noch vorkommt. Welche Rolle hat denn die Musik aus der DDR für Sie gespielt?

Kunze: Bei uns im Westen – ich bin in Osnabrück aufgewachsen – konnte man kein DDR-Radio hören. Aber dann war ich mit meinen Eltern im Urlaub im Harz, also in Grenznähe. Dort hab ich im Radio zum ersten Mal Renft gehört, zu der Zeit waren die noch nicht verboten. Diese Texte waren rätselhaft, die Sprache hat mich fasziniert. Später war ich oft in der DDR, weil meine Verwandtschaft dort wohnte. Dadurch bin ich natürlich mit dem Ostrock sehr vertraut. Ich hab später unter anderem Songs für Toni Krahl geschrieben und mit Tobias Künzel und Dieter Birr zusammengearbeitet. Mich hat auch immer geärgert, dass bei uns im Westen die Musiker immer so auf die DDR-Musiker herabgeblickt haben. Dabei waren sie auch nur Kopien der britischen oder amerikanischen Originale.

Sehen Sie heute interessante junge deutsche Musiker?

Kunze: Uhlmann habe ich in einer TV-Show entdeckt und es könnte mein Schüler sein. Casper finde ich sehr interessant, sonst hätten sie es ja auch nicht auf das Album geschafft.

Am Sonntag sind Sie in Rostock zu Gast. Spielen Sie diese Coversongs jetzt auch live?

Kunze: Nein, die jetzige Tour läuft erstmal zu meinem Album „Deutschland“, das im letzten Februar erschienen ist, daraus wird es einige Songs geben. Die „Meisterwerke“-Tour kommt erst 2017.

Sänger, Liedermacher, Übersetzer

Heinz Rudolf Kunze wurde am 30. November 1956 geboren. Nach dem Studium der Germanistik und der Philosophie wandte er sich der Musik zu, als frühen musikalischen Einfluss nennt Kunze die britische Rockband The Who. 1981 erschien seine erste LP „Reine Nervensache“. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen, unter anderem „Dein ist mein ganzes Herz“ (1985), „Brille“ (1991) oder „Klare Verhältnisse“ (2007). Längst hat sich Heinz Rudolf Kunze als vielseitiger Künstler etabliert, er ist Rocksänger, Schriftsteller, Liedermacher, Musicaltexter und auch Übersetzer. Zudem war Kunze als Dozent an diversen Hochschulen aktiv und engagiert sich auch für gemeinnützige Zwecke.

Heinz Rudolf Kunze spielt am 9. Oktober um 20 Uhr in der Kulturbühne Moya in Rostock

Interview von Thorsten Czarkowski

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