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Kultur „Ich führe mit meinen Texten nur Gedanken zu Ende“
Nachrichten Kultur „Ich führe mit meinen Texten nur Gedanken zu Ende“
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09:30 08.03.2016

Am Donnerstag stand er im viertägigen Koggenzieher-Programm als Erster auf der Bühne 602. Und auch am Ende hatte Michael Feindler die Nase vorn. Der 26-jährige Kabarettist aus Berlin war der erste Tagessieger, auch am Finalabend am Sonntag überzeugte er die Jury und das Publikum. Dafür gab‘s schließlich den Goldenen Koggenzieher und den Publikumspreis noch dazu.

Schon bei Feindlers erstem Auftritt war der Unterschied zu den anderen Koggenzieher-Kandidaten aufgefallen. Michael Feindler präsentierte als Einziger ein stark literarisch geprägtes Programm, das zu dem in der Setzung der Themen sehr politisch gehalten war. Und: „Das Lachen der Ohnmächtigen“ enthielt nicht nur Texte, sondern — sehr ungewöhnlich heutzutage — auch Gedichte.

Michael Feindler, geboren 1989 in Münster, wuchs in Wuppertal auf. Dort begann auch seine Liebe zum Kabarett. „An der Schule haben wir 2005 unser erstes Gruppenprogramm auf die Bühne gebracht“, sagt Feindler über die Anfänge, in jedem Jahr folgte ein neues Programm. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Begegnung mit den Gedichten von Erich Kästner. „Das war 2003, da schenkten mir meine Eltern eine Kästner-Biografie“, blickt Michael Feindler zurück.

Das Interesse für die Kästner-Lyrik war geweckt, es sprang dann über zu anderen Dichtern — Ringelnatz, Tucholsky, Morgenstern. „Auch Wilhelm Busch, Heinz Erhardt und Loriot haben mich als Kabarettist beeinflusst“, sagt Michael Feindler. Er veröffentlichte neben seiner kabarettistischen Arbeit 2009 den Gedichtband „Lektora“, 2013 erschien zum gleichnamigen Soloprogramm das Buch „Dumm nickt gut“, das Gedichte und einen Essay enthielt.Michael Feindler lebt seit 2009 in Berlin. „Die Stadt hat mich schon immer angezogen“, sagt er, „es gibt hier so viele Möglichkeiten.“ Feindler nutzte den Großstadtdschungel, um mit Auftritten sein Publikum zu finden, daneben absolvierte er ein Politikstudium an der Freien Universität. Seit 2013 kann er von seiner Kunst leben.

„Das Lachen der Ohnmächtigen“, aus dem Michael Feindler beim Rostocker Koggenzieher Ausschnitte aufführte, ist sein drittes Soloprogramm. Feindler schafft es, dass dem Publikum das Lachen im Halse stecken bleibt. Seine Gedankenkette zum Beispiel, die die Effektivität des Menschen bis zu einer tödlichen Konsequenz führt, wirkt schockierend. Das ist Absicht. „Ich führe mit meinen Texten nur Gedanken zu Ende, die es bereits gibt“, sagt Feindler. Das kann er auch aktuell begründen. „Wenn man sich bei den Flüchtlingen derzeit Gedanken um eine Obergrenze macht, dann ist das inhuman.“

In dieser Haltung setzt der Kabarettist eine aufklärerische Mission auf subtile Weise um. Michael Feindler ist auf der Bühne ein schmaler lächelnder Mann, der sein Publikum mit seinen Texten manchmal brutal zu Erkenntnissen führt, aber am Ende fängt er die Vorstellung wieder mit Humor auf. „Ich möchte ja nicht, dass die Leute hier mit schlechter Laune rausgehen“, sagt er.

Für den Finalabend am Sonntag hatte Michael Feindler sein Programm extra umgestellt, um eine größere Bandbreite zu zeigen. Er setzte sich gegen die acht Mitbewerber durch, der Silberne Koggenzieher ging an Fee Badenius, die ihre feinsinnigen Lieder an der Gitarre präsentierte und damit Jury und Publikum für sich gewinnen konnte. Den Bronzenen Koggenzieher erhielt der Kölner Torsten Schlosser, der mit einem urkomischen Comedy-Programm überzeugte, das viele Lacher produzierte.

Von Thorsten Czarkowski

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