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Kultur „Ich habe das letzte Wort“
Nachrichten Kultur „Ich habe das letzte Wort“
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16:09 16.02.2018

Ihr Album „Regenbogen“ ist dank einer neuen „Gold-Edition“ wieder auf Platz drei der Schlager-Hitliste vorgerückt. 2017 war Vanessa Mai sogar die jüngste Künstlerin an der Spitze der allgemeinen Charts. Bevor die 25-Jährige auf Tour geht, spricht sie über die Entstehung der Platte, Haltung im Unterhaltungsgeschäft und wie eine TV-Show ihr Selbstbild verändert hat.

Für Ihr aktuelles Album „Regenbogen“ haben Sie sich wieder unter die Fittiche Dieter Bohlens begeben. Er ist mehr als doppelt so alt und ungefähr sieben Mal so lang im Musikgeschäft wie Sie. Hatten Sie da im Studio eine Chance, eigene Vorstellungen durchzusetzen, wenn Bohlen anderer Meinung war?

Vanessa Mai: Nur. Ich habe grundsätzlich das letzte Wort – zusammen mit meinem Mann und Manager Andreas. Für diese Freiheit bin ich sehr dankbar. Natürlich vertrauen wir auch auf Ratschläge, auf die Erfahrung im Team. Aber am Ende geht jeder Song über meinen Tisch, und wenn ich sage, nee, das fühle ich so nicht, das möchte ich anders, mach mal hier, mach mal da – dann wird das auch von Dieter genauso gemacht.

Ihre Stiefschwiegermutter Andrea Berg hat ebenfalls mit Bohlen gearbeitet. Hat Sie Ihnen zu dieser resoluten Haltung geraten?

Nein, gar nicht. Ich werde oft nach Andrea gefragt, aber ehrlich gesagt reden wir nie über den Job.

Auf dem Album haben Sie an zwei Texten mitgeschrieben. Ist das ein Modell für die Zukunft: dass noch mehr aus Ihrer eigenen Feder stammt?

Mal gucken. Ich hatte anfangs nie den Drang zum Texten und Schreiben. Wenn was kommt, kommt es, wenn nicht, dann nicht. Aber natürlich ist es ein gutes Gefühl, das, was man spürt, erlebt, fühlt vor den Fans im Song auszudrücken.

Die Fotos zur Platte hat die Leipziger Fotografin Sandra Ludewig geschossen. Ist so ein Shooting einfach Teil des Geschäfts oder entsteht irgendein Verhältnis zwischen den Menschen vor und hinter der Kamera?

Kommt immer drauf an. Bei Sandra ist tatsächlich eine Freundschaft daraus geworden ist. Wir arbeiten sehr viel zusammen.

Sie hat einen super Blick für mich, und ich kann darauf vertrauen, dass sie genau weiß, was ich will. Es ist wunderbar, wenn man sich so fallen lassen kann. Natürlich gibt es aber auch andere Fotografen, mit denen das nicht so toll klappt.

Und andere Produzenten: Auch Lukas Loules alias Lukas Hilbert gehörte bei dem Album zum Team. Wie kam es dazu?

Wenn ich früher Musik von ihm hörte, dachte ich immer: Wow, genau so muss es sein. Er hat eine ganz tolle Sprache. Als die Plattenfirma eine Zusammenarbeit vorschlug und er sofort Lust hatte, habe ich mich riesig gefreut. Die Facette tut dem Album auch echt gut, oder? Es ist natürlich nicht der klassische Schlager, aber etwas, das einem 25-jährigen Mädel wie mir gefällt. Auch bei den Fans kommen Lukas’ Lieder zum Glück sehr gut an.

Hilbert lebt ja in den USA. Haben Sie dort aufgenommen?

Nein, in Mannheim. Aber ich glaube nicht, dass es sich anders anhören würde, wenn wir zu Lukas ins Studio nach L.A. gereist wären. Ich finde einerseits schon, dass man seine Erfahrung von dort aus den Songs heraushört. Immerhin hat er in L.A. mit Max Martin zusammengearbeitet, und das ist einer der einflussreichsten Produzenten überhaupt. Andererseits halte ich es aber auch immer für ein bisschen lächerlich, mit sowas zu prahlen. Nach dem Motto: Ich kling jetzt ganz international. Das hat ja nicht unbedingt was mit Qualität zu tun. Es gibt bestimmt auch in Los Angeles Produzenten, die das gar nicht können.

Hat Hilbert als Udo Lindenbergs musikalischer Ziehsohn keinen Drang verspürt, mal etwas politische Haltung ins Schlagerfach zu bringen – so wie es Lindenberg vor einiger Zeit von Helene Fischer forderte?

Nein. Ich finde auch, dass das jeder für sich selbst entscheiden muss. Und man darf den Schlager nicht vorschnell in eine Schublade stecken, selbst wenn ich nachvollziehen kann, dass das Bild, das er nach außen abgibt, vielleicht manchmal wie die heile Welt erscheint.

Nicht in jedem Fall. Ihr Kollege Roland Kaiser hat vor drei Jahren klare Worte in Richtung Pegida gefunden.

Nur weil ich mich vielleicht nicht so oft zu irgendwas äußere, heißt das nicht, dass ich mich nicht damit beschäftige oder keine Meinung dazu habe. Wenn ich etwas fühle oder etwas für richtig halte, dann bin ich ein Mensch, der das klar äußert. Ich finde, dass man eine Position, in der man für manche ein Vorbild darstellt, nutzen sollte. Für mich ist das ziemlich neu, ich stehe ja erst am Anfang. Es muss dabei auch nicht unbedingt um Politik gehen. Vielleicht eher um den sozialen Bereich.

Ihre Platte war in den Schlager- und den allgemeinen Pop-Charts auf Platz eins. Was bedeutet Ihnen der Erfolg?

Das ist natürlich schon krass, total schön. Es ist mein erstes Nummer-eins-Album, und so fühlt es sich auch an: wie etwas sehr Besonderes. Normalerweise stimmen mich solche Zahlen oder irgendwelche Preise nicht sonderlich glücklich. Da gibt es Wichtigeres, die Live-Auftritte etwa und den Kontakt zu den Fans. Aber so ein Chartserfolg ist dann doch eine Auszeichnung.

Vor knapp einem Jahr bei „Let's Dance“ haben die Juroren Sie immer wieder aufgefordert, mehr Schwäche zuzulassen. Passt ein solcher Ratschlag zu so einer professionellen Produktion, mit der Sie nun durch die großen Hallen touren?

Meine Zeit bei „Let’s Dance“ möchte ich nicht missen. Ich hätte nie gedacht, dass so ein TV-Format so prägend und tiefgründig sein kann und mich auch persönlich so sehr weiterbringt. Dass ich manchmal emotionslos rüberkomme, war mir vorher nicht bewusst. Ich will immer das Beste geben, auch für das Publikum, und es war neu für mich, dass das verbissen und unsympathisch wirken kann.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass es niemanden stört, wenn ich einfach mal loslasse – sogar, wenn irgendwas total daneben geht. Gestern lief’s nicht so gut? Hey, was soll’s! Es ist noch alles dran, und alles ist gut. Das ändert natürlich nichts daran, dass ich trotzdem noch immer sehr perfektionistisch bin und alles geben will.

Warum hat das Publikum ein Recht darauf zu erfahren, wie es Ihnen persönlich geht? Die Show muss ja sowieso immer weitergehen, egal, wie es in Ihrem Privatlaben aussieht.

Wenn man in so ein Format wie „Let’s Dance“ geht, gehört es dazu, dass man sich öffnet. Davon lebt das Ganze. Ansonsten ist es natürlich auch bei mir so, dass ich manchmal keinen Bock habe, ins Rampenlicht zu gehen, irgendein Interview zu geben oder in einer Talkshow zu sitzen. Aber erstaunlicherweise spielt das überhaupt keine Rolle mehr, sobald ich auf der Bühne bin. Dann hab ich wirklich sofort wieder Spaß und tanke extrem auf. Da merke ich jedes Mal: Dafür lebst du, dafür machst du das alles. The Show must go on – das Prinzip hat auch seine Schattenseite, klar. Aber so lange ich nicht umfalle, bin ich Fan davon durchzuziehen. Schon, weil ich die Leute nicht enttäuschen möchte.

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