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Kultur „Ich habe diese Briefe 2001 wirklich geschrieben“
Nachrichten Kultur „Ich habe diese Briefe 2001 wirklich geschrieben“
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00:00 09.04.2016
Auch als Autor aktiv: Erwin Berner Quelle: Aufbau Verlag

Herr Berner, warum haben Sie Ihre persönlichen Erinnerungen in Briefform veröffentlicht?

Erwin Berner: Ich habe diese Briefe 2001 wirklich geschrieben. Sie sind an einen deutschen Maler in Zürich gerichtet, der selbst eine schlimme Kindheit hatte. Damals war das Missverhältnis mit meiner Mutter, Eva Strittmatter, akut. Ich fühlte mich ihr so entfremdet, dass ich mich manchmal nachts im Bett fragte: Was habe ich dieser Frau getan? Wir hatten zwar noch eine intellektuelle Nähe, aber das war alles im Vergleich zu den 1970er und 1980er Jahren stark reduziert.

1992 haben Sie und Ihre Mutter es Erwin Strittmatter als Opportunismus ausgelegt, dass er sich zur Sozialdemokratie bekannte?

Berner: Ja, ich war verwundert. Und bin später in meiner Verwunderung bestätigt worden, als ich seine Tagebücher las. Noch in den 1980er Jahren findet sich in ihnen ein deutlicher Hieb gegen die Sozialdemokraten. Aber ist doch klar: Wenn du dich für die SED entschieden hast, dann wird die Sozialdemokratie eher mit einem Schulterzucken abgetan. Dass mein Vater 1992 seine sozialdemokratische Vergangenheit hervorgeholt hat, ohne einen Gedanken darauf zu verschwenden, dass wir seine Haltung zu DDR-Zeiten miterlebt haben, das war für mich befremdlich.

Strittmatter hat gesagt: Ich bin drei Jahrzehnte in die falsche Richtung gegangen. Ich hätte mich damals nicht verrennen sollen.

Berner: Ja, er hat das immer begründet mit Schuld abtragen wollen nach dem Zweiten Weltkrieg. Sehr früh aber hat er im Tagebuch sinngemäß notiert: Was soll das alles! Die Russen mit ihren Stalin-Verbrechen, die sollen nur still sein. Also, die Kriegsschuld war für ihn das offizielle Motiv, in die Partei einzutreten. Vielleicht war‘s auch an dem. Aber andererseits war‘s auch eine gehörige Portion Pragmatismus.

Wie sehr verstellen eigentlich die persönlichen Erfahrungen den Blick auf das literarische Werk der Eltern?

Berner: Überhaupt nicht, hoffe ich. Die Gedichte meiner Mutter sind großartig. Ebenso Vaters Nachtigall-Geschichten oder zum Beispiel „Der Laden“, Band eins. All das hat zum Glück nichts mehr mit dem einst propagierten Sozialistischen Realismus zu tun.

Interview: Karim Saab

OZ

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