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„Ich kann endlich singen und tanzen“

„Ich kann endlich singen und tanzen“

Interview von Thorsten Czarkowski Sie sind eher als Liedermacher bekannt, man kennt Sie als Kabarettisten am Klavier.

Interview von Thorsten Czarkowski

Sie sind eher als Liedermacher bekannt, man kennt Sie als Kabarettisten am Klavier. Warum jetzt ein Swing-Projekt?

Bodo Wartke: Unter anderem weil man danach so gut tanzen kann.

Tanzen Sie denn auch?

Wartke: Ja, sehr gerne, es gibt zwei Backgroundsängerinnen im Orchester, die auch gut tanzen können. So machen wir das in unserer Show, ich singe und tanze mit den beiden auf der Bühne und sitze während des Konzerts nur selten am Klavier.

„Swingende Notwendigkeit“ heißt das Programm, wie kam es überhaupt zu diesem Projekt?

Wartke: Auslöser war die Begegnung mit dem musikalischen Leiter meines Orchesters, David Canisius. Wir sind uns 2011 auf dem Wiener Flughafen begegnet und haben uns sehr gut verstanden.

Daraufhin hab ich David zu meinem Konzert eingeladen. Erst viel später sagte er mir, dass er beim Anhören meiner Stücke festgestellt hat, dass sich viele Lieder für einen Big-Band-Sound eignen würden. So ist die Idee für „Swingende Notwendigkeit“ entstanden, zunächst nur in Kopf von David Canisius.

Wie ging‘s weiter, wann haben Sie sich das Orchester angehört?

Wartke: Wir haben uns in Berlin wiedergetroffen, wo David Canisius mit dem Capital Dance Orchestra spielte und ich zum Tanzen da war. Erst dann, nach diesem Berliner Konzert, ist David Canisius zu mir gekommen und hat von seiner Idee erzählt, aus der später die „Swingende Notwendigkeit“ wurde.

Wie sind Sie bei der Songauswahl vorgegangen?

Wartke: Wir haben gemeinsam überlegt, welche Songs sich eignen. Die ersten drei Stücke für die neuen Swing-Arrangements waren im Jahr 2012 „Claudia“, „Logik“ und „Das Letzte Stück“. Die wurden bei einem Konzert zu den Berliner Festspielen aufgeführt, wir haben gemerkt, dass es funktioniert. Arrangiert hat die Stücke Jonas Schoen-Philbert, der das Orchester gut kennt. Er sitzt während der Konzerte übrigens am Klavier.

Und Sie singen und tanzen unterdessen?

Wartke: Ja, ich erfülle mir damit übrigens einen Traum, tanzen zu können und andere Menschen zum Tanzen zu bringen. Sonst sitze ich am Klavier, da geht das nicht. Ein Beispiel: In meinem Soloprogramm spiele ich in dem Lied „Bettina“ sonst im Sitzen drei Instrumente — Klavier, Mundharmonika und Schütteleier. Jetzt habe ich Hände und Füße frei und kann mit meinen Tanzpartnerinnen loslegen.

Was fasziniert Sie an der Big-Band-Ära?

Wartke: Ich wusste lange gar nicht, dass es zu dieser Musik auch Tänze und eine ganze Kultur drumherum gibt. Das hab ich jetzt erst richtig entdeckt. Die Big-Band-Ära hatte ihre große Zeit von den Zwanzigern bis in die Vierziger, danach war sie schon wieder vorbei, leider.

Sie stehen mit dem Capital Dance Orchestra auf der Bühne. Wie groß ist das eigentlich?

Wartke: Auf der Bühne sind 16 Musikerinnen und Musiker, ich habe da einen richtig großen Klangkörper im Rücken.

Wird nicht alles komplizierter mit einem Orchester?

Wartke: Bei meinem Programmen kann ich das Tempo selber bestimmen, jetzt muss ich mich mit dem Dirigenten und dem Orchester abstimmen, das passiert sozusagen im Dreieck. Das ist auch eine große Herausforderung, aber wir sind mittlerweile sehr gut eingespielt.

Und was hat es mit dem Polizeiorchester-Sound auf sich, von dem Sie manchmal reden?

Wartke: Diesen Sound kann man zum Beispiel hören, wenn der Song „Architektur in Deutschland“ ertönt, mit dieser Rhythmik geht das Orchester in Richtung Blaskapelle. Die hatte ich bereits beim Schreiben des Songs vor dem inneren Auge. Jetzt klingt der Song so, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe.

„Swingende Notwendigkeit“ ist nicht das einzige Programm mit dem Sie unterwegs sind oder?

Wartke: Nein, denn es gibt ja weiterhin mein Klavierkabarett, zurzeit das Programm „Was, wenn doch?“, daneben spiele ich noch mein Solo-Theater „König Ödipus“ und dann gibt es eben die „Swingende Notwendigkeit“. Mit dem Orchester gibt es immer eine Handvoll Termine im Jahr, das sind in diesem Frühjahr acht Termine und im Herbst noch mal eine Zehn- Städte-Tour!

Und was ist als Nächstes in Arbeit?

Wartke: Ich plane eine Verarbeitung des „Antigone“-Stoffs, der 2018 auf die Bühne kommen soll.

OZ

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