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„Ich war verliebt in meine blonde Geigen-Lehrerin“

„Ich war verliebt in meine blonde Geigen-Lehrerin“

Am 11. Januar startet der Niederländer André Rieu seine Deutschlandtournee mit 24 Konzerten / Am 15. Februar macht er Station in Rostock

Im Zusammenhang mit dem Namen André Rieu fallen oft Superlative wie Weltstar, Walzerkönig oder Stargeiger. Macht Sie das verlegen?

Verlegen? Nein, ich freue mich! Das sind doch schöne Bezeichnungen. Wobei der einzig wahre Walzerkönig Johann Strauß war. Er hatte fünf Orchester!

Ihr Vater war Chefdirigent, Ihr Talent wurde Ihnen quasi in die Wiege gelegt. Stand es immer fest, dass Sie Musiker werden?

Ja, eigentlich war immer klar, dass meine Geschwister und ich Musiker werden. Wir haben alle mehrere Instrumente gespielt. Mit fünf Jahren war ich verliebt in meine 18-jährige blonde Geigen-Lehrerin.

Ich hab viel geübt, um sie zu beeindrucken (lacht). Nur als Student habe ich meine Geige mal drei Wochen in den Schrank gesperrt und den Schlüssel in die Maas geworfen. Meine Frau Marjorie und ich wollten eine Pizzeria eröffnen. Wir hatten schon das Gebäude in Maastricht ausgesucht und eine Speisekarte geschrieben. Die teuerste Pizza war die „Pizza Paganini“. Wenn die serviert würde, wollte ich spielen. Aber um Paganini zu spielen, muss man üben! Also habe ich die Geige wieder zur Hand genommen. Aus der Pizzeria ist bis heute nichts geworden.

Seit 1994 reisen Sie mit Ihrem eigenen Orchester durch die Welt: Sie haben 100 Festangestellte, alle Kostüme, Instrumente und Bühnenaufbauten sind vierfach vorhanden, um die Transportwege zwischen den Kontinenten zu erleichtern. Wie bewältigen Sie den Spagat als Musiker und Unternehmer?

Durch eine enge Zusammenarbeit mit meiner Familie und einem tollen Team. Ich bin zuallererst Musiker, aber ich entscheide alle unternehmerischen Fragen gemeinsam mit meiner Frau. Auch unser Sohn Pierre ist involviert in alles Organisatorische. Es gibt bei uns keinen Manager. Mir ist meine Freiheit unglaublich wichtig. Vielleicht sind wir sogar der einzige „Familienbetrieb“ in der Musikwelt, könnte sein.

Vor Jahren waren Sie hoch verschuldet, weil Sie sich mit dem logistischen Aufwand für eine Welttournee – darunter ein Nachbau von Schloss Schönbrunn als riesige Kulisse – übernommen hatten.

Wie sind Sie da wieder rausgekommen?

Das Schloss hat so viel Werbung gemacht, dass alle Konzerte ausverkauft waren. So haben wir es innerhalb eines Jahres geschafft, wieder positive Zahlen zu schreiben. Der Chef der Bank hat damals gesagt: „Lasst ihn weiterspielen, nur so bekommen wir unser Geld zurück!“. Die Konzerte mit der Kulisse des Schlosses Schönbrunn waren wirklich traumhaft schön, aber wir haben 500 Leute gebraucht, um sie aufzubauen. Ich habe meiner Frau danach versprochen, das nie wieder zu tun!

Als Walzerkönig sprechen Sie eher die ältere Generation an. Ist es schwer, junge Menschen für klassische Musik zu begeistern?

Ich glaube nicht, dass es schwer ist, wenn klassische Musik zugänglich präsentiert wird. Die Menschen müssen Spaß am Konzert haben, sonst kommen sie nicht wieder. Dafür braucht es eine Mischung aus Qualität, Gefühl und Entertainment.

Diese Mischung vermitteln Sie in Ihren Konzerten. Klassische Melodien werden durch Orchesterversionen von Schlagern und Popsongs sowie Showeffekte ergänzt. Im Gegenzug werfen Kritiker Ihnen vor, dass Ihre Produktionen musikalisch oberflächlich sind.

Wenn ein breites Publikum bei meinen Konzerten lachen, tanzen, weinen und einfach Spaß haben kann, dann freut mich das sehr, und ich bin stolz darauf. Es wird immer Menschen geben, die meine Produktionen für oberflächlich halten. Letztendlich ist alles Geschmackssache. Ich würde es aber schön finden, wenn die einmal kommen würden, um sich live einen Eindruck zu machen.

Sie sagen von sich, dass Sie ein sehr emotionaler Mensch sind. Wie beeinflusst das Ihre Musik?

Sehr! Ich wähle mein Konzertprogramm und auch die Stücke für meine CDs rein emotional aus. Von wem es komponiert wurde, in welcher Zeit oder wofür ist dabei zweitrangig. Wichtig ist die Musik an sich.

Am 11. Januar startet Ihre Deutschland-Tournee in München mit 24 Konzerten. Was erwartet die Fans?

Ein buntes Programm von fast drei Stunden mit vielen internationalen Solisten, meinem Orchester und Chor. Die schönsten Stücke aus Film, Musical, Oper, viele Hits und natürlich die schönsten Walzer. In Buenos Aires haben wir im September vor 35000 Menschen gespielt, in Australien waren es über 60000. Niemand kannte vorher das Programm. Die Leute kommen, weil sie wissen, es wird schön!

Muss ein Profi wie Sie noch regelmäßig üben?

Ja, absolut. Ich spiele jeden Tag.

Wie sieht es zu Weihnachten im Hause Rieu aus? Spielen Sie für Ihre Familie unterm Weihnachtsbaum?

Nein. Ich verbringe die Festtage mit meiner Frau, den Kindern und fünf Enkeln. Das wichtigste Fest in den Niederlanden ist für die Kinder aber Nikolaus am 5. Dezember. Da gibt es die meisten Geschenke. Heiligabend kennt man dort kaum. Interview: Stefanie Büssing

OZ

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