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00:00 08.10.2018
Wittenhagen

Bildhauer arbeiten mit Stein, Maler mit Farben, Monika Ortmann arbeitet am liebsten mit Nylon. Die Liebe zu dem Strumpfhosen-Material war früh geboren. Schon die Mutter der Künstlerin bastelte ihr Püppchen aus dem Stoff und spätestens in den 70er Jahren, als die Frauen zu Miniröcken sexy Strümpfe trugen, stand für die Frau aus Wittenhagen fest, dass sie aus Nylon Kunst machen kann. Das tut sie nun seit mehr als 40 Jahren. Strümpfe trägt sie auch oft. „Am liebsten welche, die zu meinen aktuellen Ausstellungen passen.“

Monika Ortmann aus Wittenhagen stellte schon in Havanna, Chile und Argentinien aus. Aktuell plant sie ein weiteres Projekt, das sie nach Brasilien führen könnte.

Sexy sind ihre Installationen oft. Aber nicht unanständig – obwohl sie sich genau dieses Wort von einem Mann gefallen lassen musste, der sich im Bundespresseamt in Bonn weigerte, an einer ihrer Installationen vorbeizugehen. Monika Ortmann drückt auf ihre Weise und mit ihrer Objektkunst sehr viel mehr als ein Begehren aus. Nicht nur, dass das Material sie aufgrund der Dehnbarkeit und Flexibilität zu immer neuen Formen inspiriert. Monika Ortmann versteht sich auch als Frauenkünstlerin, die die starren Konstrukte der Kunst aufbrechen möchte. Es ist eine eigene Form der Emanzipation. Und das tut sie, indem sie Nylon in Räumen spannt, den Stoff mit anderen Objekten – beispielsweise Schuhen, Kleidern oder Puppen – kombiniert. Sie zeichnet aber auch und fertigt aus alten Zeitungen und Büchern Garne. Das Papier wird zerrissen und gesponnen, aus denen dann Kugeln oder Kleider entstehen. Monika Ortmanns Fantasie kennt keine Grenzen.

Am liebsten arbeitet die ursprüngliche Bochumerin von morgens bis abends. Tageslicht sei wichtig, um mit den Farbschattierungen arbeiten zu können, sagt sie. Unzählige Ausstellungen hat sie gestaltet. Acht Mal stellte sie in Havanna aus. „Dort müssen Frauen, die ein öffentliches Amt bekleiden schwarze Strumpfhosen tragen, die sie von ihrem Arbeitgeber gestellt bekommen. Vielleicht haben sie mich aufgrund ihrer Nähe zum Nylon so oft eingeladen“, vermutet sie. Zu ihren Highlights gehören aber auch die Schauen in Chile und Argentinien. Aktuell bereitet sie eine Projekt in Brasilien vor.

Für ihre Kunst nutzt sie ausschließlich getragene Strümpfe. Die bekommt sie aus verschiedenen Theatern in Deutschland. Unter Künstlern kennt man sich und außerdem haben auch beide Töchter eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen. Eine Tochter studierte Dramaturgie an der Hochschule in Rostock. Und so lernten auch Monika Ortmann und ihr Mann die Gegend kennen. „Wunderschön“, fand sie es:

„Und die Mieten für ein Atelier in Bochum kann sich ja kaum noch einer leisten.“ So kaufte das Ehepaar die ehemalige Dorfschule in Wittenhagen und lebt seitdem darin.

Auf ihrem Dachboden probt sie ihre Installationen und erfindet immer neue Arrangements. Manchmal reicht ihr ein Foto von dem Raum, in dem die nächste Ausstellung stattfinden soll. Vier Schauen von ihr laufen derzeit parallel: im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus, im Stralsunder Kornspeicher, im Kunstmuseum in Hamm und im Kunstverein Hattingen. Letztere wurde gerade verlängert, ein Zeichen dafür, dass ihre Kunst beim Betrachter viel Zuspruch findet. Zwölf Meter hoch, 20 Meter lang und zehn Meter breit, so groß ist die nächste Ausstellungsfläche, die in Essen bespielt werden muss.

Meistens reist Monika Ortmann mit kleinem Gepäck im Zug an. Im Zug könne sie gut nachdenken und habe viele Ideen und ihr Nylonmaterial sei eben auch sehr einfach und unkompliziert zu transportieren.

Monika Ortmann studierte Kunst und Visuelle Kommunikation in Berlin und Dortmund und hielt sich während dieser Zeit zu Studienzwecken im Orient auf. Ihr Diplom legte sie 1979 bei Professor Pit Moog ab. „Nach dem Studium habe ich sofort angefangen zu arbeiten“, sagt sie. Und das, obwohl ihre Eltern, ein Postbeamter und eine Verkäuferin, gar nicht begeistert vom Berufswunsch ihrer Tochter waren.

„Wenn Frauen zu dieser Zeit Kunst aus Stoffen oder Garn machten, war das teilweise noch verpönt.“ Erstmals habe sie sich und ihre Arbeit im „Frauenmuseum“ in Bonn ernst genommen gefühlt. Heutzutage sei das einfacher. „Viele junge Künstler, auch Männer, arbeiten mit Textil.“

Und diese Arbeiten sind haltbarer als der Beobachter vielleicht denken mag. Acht Jahre lang hielt beispielsweise eine Installation, die im Innenhof des Bundespresseamtes ausgestellt wurde.

Unzählige Ausstellungen und viele Preise

Nach dem Studium in Berlin und Dortmund gründete und leitete Monika Ortmann die

Galerie K.L.E.C.K.S. in Herne. Seit 2012 lebt und arbeitet sie freischaffend in Witten-

hagen.

Viele Preise wurden der Künstlerin verliehen: 2002 Kunstpreis Wasser; 2003 Alfred- Rethel-Preis; 2004 Otzenrath-Stipendium; 2008 Kunstpreis vom Kunstverein Langenfeld; 2010 Kunstpreis OWL;

2013 Kunstpreis Hohenloher Kunstverein

Ausgestellt hat Monika Ortmann auch im Max-Planck-Institut

für Plasmaphysik in Greifswald.

Carolin Riemer

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