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00:00 17.01.2018
Das Geburtshaus des Zeichners Paul Holz (1883-1938) in Riesenbrück bei Pasewalk. Quelle: Fotos: Wüstneck/dpa
London

Ihre Stimme ging durch Mark und Bein: Die Frontfrau der irischen Rockgruppe The Cranberries, Dolores O’Riordan, ist tot. Das teilte die Band am Montag mit. Sie starb demnach überraschend während eines Aufenthalts in London. O’Riordan wurde 46 Jahre alt. Angaben zur Todesursache gab es zunächst keine. Die Familie sei von der Nachricht „am Boden zerstört“ und bat um Beachtung der Privatsphäre, hieß es in der knappen Mitteilung. Die Polizei in London geht nicht von einem Verbrechen aus. Der Fall einer 46-Jährigen, die am Montag in einem Hotel in der britischen Hauptstadt leblos aufgefunden wurde, werde als „nicht verdächtig“ behandelt, teilte Scotland Yard gestern mit.

Cranberries- Sängerin Dolores O’Riordan (46) ist überraschend gestorben.

Die Cranberries aus der beschaulichen irischen Hafenstadt Limerick verkauften in den 90er Jahren weltweit Millionen Tonträger. Einen der größten Erfolge feierte die Band mit dem Song „Zombie“, der 1994 herauskam und 1995 auch in Deutschland ein Nummer-eins-Hit war. Für viele blieb das Lied vor allem wegen O’Riordans Gesang („In your head, in your head / zombie, zombie“) ein Ohrwurm.

In dem Song geht es um den jahrzehntelangen blutigen Nordirlandkonflikt, der erst ein Jahr davor mit einem Waffenstillstand ein vorläufiges Ende gefunden hatte. Die wehklagende Stimme O’

Riordans schien nicht nur auf der von der Gewalt zermürbten irischen Insel einen Nerv zu treffen.

„Viele Menschen finden, dass meine Stimme einzigartig ist. Als junger Mensch erkennt man das nicht“, sagte O’Riordan einmal in einem Interview. „Ich bin gesegnet damit.“

O’Riordan galt als impulsiv. Im Jahr 2014 wurde sie am Flughafen in ihrer Heimatstadt Limerick festgenommen, weil sie eine Stewardess auf einem Flug von New York angegriffen haben soll. Ein Jahr später teilte sie Medienberichten zufolge mit, an einer bipolaren Störung zu leiden.

Irlands Präsident Michael D. Higgins teilte mit, O’Riordans Tod sei ein „großer Verlust“ für alle, die „irische Musik, irische Musiker und die darstellenden Künste verfolgen und unterstützen“. „Sie hatte die erstaunlichste Stimme und Präsenz. Ich bin so traurig, zu hören, dass sie gestorben ist“, schrieb der aus Großbritannien stammende US-Talkshow-Moderator James Corden auf Twitter. „Wir sind bedrückt, die Nachrichten vom Tod Dolores O’Riordans zu hören. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie in dieser schrecklichen Zeit“, teilte die englische Pop- Band Duran Duran mit.

Die Karriere der Cranberries begann Anfang der 90er Jahre mit dem Song „Dreams“. Mit dem zweiten, mehrfach mit Platin ausgezeichneten Album „No need to argue“ und der Single-Auskopplung „Zombie“

gelang den vier Musikern der internationale Durchbruch. Im Jahr 2003 kündigten die Cranberries an, eine Pause einzulegen. O’Riordan verfolgte verschiedene Solo-Projekte, bevor sie sich 2009 wieder mit den anderen Mitgliedern zusammentat. 2012 erschien das Album „Roses“, im April vergangenen Jahres veröffentlichte die Band ihre jüngste Platte „Something Else“.

Eine geplante Tournee musste die Band aber wegen Rückenproblemen O’Riordans kurzfristig absagen. Die schien sich zu Ende des Jahres gelegt zu haben. Noch kurz vor Weihnachten teilte die Sängerin auf der Facebook-Seite der Band mit, wie sehr ihr das Auftreten Freude mache. „Fühle mich gut!“, schrieb sie. Sie hinterlässt drei Kinder.

Pasewalker Museum erinnert an Paul Holz

. „Der Zeichner Paul Holz (1883-1938) war ein Chronist seiner Zeit“, sagt Anke Holstein. Die Kunsthistorikerin und Leiterin des Pasewalker Stadtmuseums hat einen 160 Seiten starken Katalog in der Hand, der das Schaffen des von den Nationalsozialisten denunzierten Künstlers wieder in das entsprechende Licht rücken soll. „Darin sind sämtliche Originalzeichnungen und Dokumente, die wir von ihm haben“, erläutert Holstein. Der Katalog wird an diesem Freitag, dem 80. Todestag von Holz, in Riesenbrück bei Pasewalk vorgestellt. In dem kleinen Dorf mitten im Wald steht noch das Haus der Familie, ein restaurierter Bauernhof. Etwas weiter in Uhlenkrug befindet sich das Grab des Künstlers.

In Berlin spielt Holz auch eine Rolle: In der Salongalerie Möwe wird eine Schau über die Breslauer Kunstakademie eröffnet, die von den Nazis geschlossen worden war. Sie heißt „Gerhart Hein und seine Begleiter“, wozu Holz gehörte.

„Holz ist auch aus heutiger Sicht einer der wichtigsten Zeichner seiner Zeit, obwohl er nach 1945 in Vergessenheit geraten war“, sagt Kunsthistorikerin Elke Pretzel von der Neubrandenburger Kunstsammlung. Seine Arbeiten seien vergleichbar mit denen von Käthe Kollwitz (1867-1945). Tatsächlich finden sich viele Grafiken von Holz in Regensburg, den Staatlichen Kunstsammlungen Schwerin, der Münchner Pinakothek, der Berliner Akademie der Künste und in Schloss Gottorf (Schleswig-Holstein). Auch das Pommersche Landesmuseum in Greifswald hat einen Nachlass-Teil bekommen.

„Das Problem ist, dass keiner das Ganze bisher gebündelt hat“, sagt Holstein. Das will die Museumsleiterin mit der Paul-Holz-Gedenkstätte nun mit dem Katalog intensiv angehen. Holz wuchs in Riesenbrück auf. Das Leben auf dem Land war hart. Seine Mutter bekam 16 Kinder, wovon nur sieben überlebten. Der Zeichner war Autodidakt und arbeitete als Lehrer zuletzt an einem Gymnasium in Breslau (Wroclaw). Sein Credo war: Der Maler sieht mit dem einen Auge die Dinge und mit dem anderen Auge, was dahinter ist – das Gleichnis, das Fliehende, das Nichtwiederzurückkehrende.

Sein Werk wird zu den Bedeutendsten der deutschen Zeichenkunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerechnet.

Holz war später Fachberater für Zeichenunterricht im damaligen Schlesien und Pommern und wurde an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau berufen, wo Künstler wie Alexander Kanoldt, Carlo Mense, Otto Mueller, Hans Scharoun und Oskar Schlemmer lehrten. Holz’ erste Ausstellung gab es dort 1926.

Seines Prüfungsamtes wurde der Zeichner aber 1933 von den Nationalsozialisten enthoben, seine Werke als „entartete Kunst“ eingestuft. Er musste 1934 nach Schleswig ziehen, wo er bis 1938 an einer Domschule lehrte. Das Haus der Eltern war schon früher verkauft worden. Der Hof Riesenbrück wurde von den jetzigen Eigentümern liebevoll wiederhergerichtet.

In der Region Pasewalk sei Holz eher als „Chronist des schweren Landlebens“ bekannt. „Aber er hatte viel mehr drauf, wie die anderen Sammlungen zeigen“, erklärt Holstein. Am Grab in Uhlenkrug wird ein Kranz zu seinem 80. Todestag niedergelegt und der Katalog in seinem Geburtshaus vorgestellt.

Winfried Wagner Christoph Meyer

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