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00:00 09.08.2016
Die Geschäftsführerin des Klatschmohn Verlages Angelika Kleinfeldt in ihrem Büro in Rostock Bentwisch. Quelle: Dietmar Lilienthal

1990 war sie eine der Ersten, die abgewickelt wurden. Als Ingenieurin für technische Kybernetik und Automatisierungstechnik – also technische Elektronik – war Angelika Kleinfeldt (62) in Warnemünde bei der Seefahrtschule als Programmiererin angestellt. Dann kam das Aus. Und sie ging eigene, selbstständige Wege. „Für mich war das nicht so schlimm. Weil ich nicht die Ingenieurin war, die bis an ihr Lebensende programmieren wollte. Ich hab’ mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Das Hobby, die Triebfeder ihres Handelns: Kultur und Veranstaltungen aller Art.

Ich war keine Ingenieurin, die bis an ihr Lebensende programmieren wollte. Ich hab’ mein Hobby zum Beruf gemacht.“

Angelika Kleinfeldt

Mit 35 Jahren ging sie zum Rostocker Gewerbeamt und meldete ihr Gewerbe an, mit und von dem sie künftig leben wollte. Heute lacht sie, wenn sie sich erinnert: „Die haben mich mit großen Augen angeschaut und wussten gar nicht, was ich will.“ Desktop Publishing hieß das, was Angelika Kleinfeldt mit einem Werbeservice in Warnemünde damals auf bescheidene Beine stellen wollte:

Druckvorlagenherstellung per Computer. Im Herbst 1990 wusste auf dem Amt niemand so recht, in welche Schublade man diese resolute junge Frau stecken sollte.

Und diesem Credo blieb sie treu. Schubladen sind nicht ihr Ding. Nachdem sie 1992 in Rövershagen bereits ihre Druckerei aufgebaut hatte, gründete sie 1995 einen Verlag, und weil gerade im Frühsommer der rote Klatschmohn gut gelaunt vor sich hin blühte, hieß das Unternehmen „Klatschmohn Verlag“. Damals war eine Grafikerin mit einer Buchidee in ihren Werbeservice gekommen. Sie wollte ein Buch mit und für Schulkinder herausgeben. So entstand „Die Sache mit dem Müllmärchen“ gemeinsam mit Grundschülern der vierten Klasse aus Cammin bei Tessin.

Nicht viel später tauchte Christiane Freuck im Verlag auf und fragte, ob Angelika Kleinfeldt nicht Lust hätte, eine Kulturzeitschrift herauszugeben. Sie hatte Lust. So entstand der „Kulturkalender“, damals noch für die Region zwischen Rostock und Zingst. „Wir wollten erst ein Klatschblatt machen – wegen Klatschmohn Verlag – haben uns aber schnell für den Kulturkalender entschieden“, erinnert sie sich. Freuck blieb bis 2003, war Chefredakteurin und Akquisiteurin zugleich. Seit 2004 produziert Kleinfeldt den Kulturkalender im kleinen Team selbst. Die Auflage lag immer bei 15000 Exemplaren.

20 Jahre Kulturkalender. 21 Jahre Klatschmohn Verlag. Seit Anfang 2000 erscheint der Kalender monatlich für ganz MV unter dem Untertitel „Unterwegs in Mecklenburg-Vorpommern“ mit bis zu 70 Seiten.

„Angefangen haben wir mal mit 16 Seiten.“ 220 Ausgaben Kulturkalender hat sie produziert.

Der Kalender bildet die Kulturlandschaft in MV ab, dazu kleine Geschichtchen und Porträts. 1999 hat sie das Abo für Leser eingeführt und den Verlag beim Pressevertrieb angemeldet. Die Terminbeiträge sind kostenpflichtig. Dafür liegt der Kalender öffentlich aus – in Theatern, Museen, Galerien, Hotels, bei Touristikern, Kulturanbietern aller Art. „Das Gute ist, dass die Veranstalter sich irgendwann von selbst gemeldet haben. Die möchten im Kulturkalender stehen.“

Die Druckerei hat Kleinfeld 2012 geschlossen. Ihr Verlag, der sich mittlerweile mit vier Mitarbeiterinnen plus Chefin auf die Produktion des Kalenders konzentriert, hat über Jahre auch Literarisches herausgegeben. „Früher haben wir kulinarische Art geschrieben: Regionalia – essen, trinken, lieben, lachen – war immer mein Motto.“

Das meist verkaufte Buch des Verlags war „Liebe, Lust und Leckereien“, gefolgt von „Die nostalgischen Gaumenfreuden“. Und gestern nun hatte ihre Lieblingsautorin, die sie über Jahre verlegt hat, einen hübschen unrunden Geburtstag „Am 8.8. feierte Ursula Winnington in Wandlitz ihren 88. Geburtstag“, sagt sie, von ihr stammt „Liebe, Lust und Leckereien.“

Seit einer Erkrankung vor einigen Jahren wollte Angelika Kleinfeldt – Mutter zweier erwachsener Kinder und Oma zweier Enkelkinder – kürzer treten. Leicht gesagt, wenn man erstmal vom Kulturvirus erwischt wurde. „Ich war früher in der Schule schon der Kulturfunktionär. Es hat mir schon immer Spaß gemacht, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen.“ Und so sitzt die Unternehmern, die aus einem Dorf zwischen Tribsees und Franzburg in Nordvorpommern stammt, in Fördervereinen und kulturellen Gremien: der Festspiele MV, des Rostocker Volkstheaters, des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, der Kulturstiftung Rostock, der Mecklenburger Anstiftung und der Wirtschaftlichen Vereinigung Bentwisch. Kultur als Triebfeder – des wirtschaftlichen Handelns und gesellschaftlichen Engagements in der Region.

Michael Meyer

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