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Kultur Ikonen der Kunst machen in Pop Art
Nachrichten Kultur Ikonen der Kunst machen in Pop Art
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00:00 20.05.2017

Dass Martin Luther im 500. Reformationsjahr in aller Munde ist, ist klar – beim schnöden Glücksspiel lässig an einen Flipperautomaten gelehnt, dürfte man den Reformator weit weniger häufig antreffen: Zu sehen ist er in der aktuellen Ausstellung „Superstar 2.0: Deutsche Bilder – Martin Luther bis Friedrich II“ in der Kulturkirche St. Jakobi Stralsund, wo bis Ende Oktober rund 150 Arbeiten von Moritz Götze gezeigt werden.

Es sind Ikonen der Kunstgeschichte, die Pop-Art-Künstler Götze auf surreal-heitere Weise ins Heute holt: Adam und Eva auf einer zugemüllten Insel oder das Bildmotiv „Luther im Kreise seiner Familie musizierend“ (1866) von Gustav Spangenberg, das Götze kurzerhand durch die Rolling Stones – die „Superstars 2.0.“– ersetzt. „Die Reformation war der Beginn unserer modernen Epoche, damit war Luther quasi Superstar 1.0.“, erklärt der 52-Jährige und lacht. „Ein weiterer radikaler Umbruch war in den 60ern“ – als Symbol für Internetzeitalter und Popkultur hat der Künstler die Rockband gewählt und sie in Götze-typischer Manier farbintensiv in Szene gesetzt.

Um Ikonen wie Martin Luther und Lucas Cranach – die zum Reformationsjubiläum einen der Schwerpunkte der Ausstellung bilden – in eine Moderne Sprache zu übersetzen und inhaltlich neue Kontexte zu schaffen, bedient sich Götze verschiedener Techniken und Medien: Zu sehen sind unter anderem große Installationen – darunter besagter Flipperautomat – große Emaillearbeiten und diverse Altäre sowie zwei Filme. An acht Plattenspielern können Besucher auf Vinyl einer Neuinterpretation vertonter Gedichte aus dem 19. Jahrhundert lauschen, für die Götze befreundete Musiker, wie die legendäre Punkband „Müllstation“ aus Eisleben ins Boot geholt hat.

Einen Ausstellungsort wie die Kulturkirche zu bespielen, ist auch für den erfahrenen Künstler nicht alltäglich: „Es war schon ein Kraftakt, solche Dimensionen zu füllen“, verrät er. Und das meint der Künstler durchaus wörtlich. Drei Meter Höhe und drei Meter Breite misst der größte Altar, den Götze nach einem Entwurf Cranachs geschaffen hat. „Er wiegt 600 Kilo, allein beim Gerüst wurde mehr als eine halbe Tonne Stahl verbaut“, so der Künstler. Gigantisch ist auch sein größtes Werk – eine sechs Meter hohe und zehn Meter breite Emaillearbeit aus rund 1000 Einzelteilen, die er nach einem Gemälde des deutschen Malers Anton von Werner geschaffen hat – eine Art Wimmelbild, das eine Vielzahl historischer Personen zeigt, die von Jesus bis Stalin reichen.

„Es war eine richtige Materialschlacht, wir mussten mit zwei Lkw kommen“, sagt Götze der neben Sachsen-Anhalt auch in Mecklenburg-Vorpommern Zuhause ist und zwischen Halle und Laage pendelt. Mit dem Ergebnis ist der Künstler mehr als zufrieden. „Dadurch dass wir riesige Holzwände eingezogen haben, ist ein völlig neuer Raum entstanden. Ich freue mich, dass es eine so gelungene Symbiose zwischen Architektur und Kunst geworden ist“, sagt Götze zufrieden. Ähnlich sieht es auch Gerd Triebenecker vom Kreisdiakonischen Werk Stralsund, das die Kulturkirche betreibt. „Wer in die Kirche geht, erlebt den Raum als einzigartige Inszenierung. Dazu kommt die bildliche Vielfalt, mit ihren zahlreichen Bedeutungshorizonten.“ Entstanden ist die Ausstellung durch einen glücklichen Zufall, wie der Kulturkirchenleiter verrät. „Moritz Götze hat Freunde in Stralsund, die haben uns vor ein paar Jahren bekannt gemacht.“

Stefanie Büssing

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