Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Ildikó Enyedi: Emotionale Achterbahnfahrt mit dem Publikum
Nachrichten Kultur Ildikó Enyedi: Emotionale Achterbahnfahrt mit dem Publikum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:42 19.02.2017
Ildikó Enyedi hat mit einem poetischen Liebesfilm den Goldenen Bären gewonnen. Quelle: Jens Kalaene
Anzeige
Berlin

Die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi ist bei der Berlinale für ihren poetischen Liebesfilm „Körper und Seele“ („Teströl és lélekröl“) mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden.

Nach der Preisverleihung sagte die 61-Jährige der Deutschen Presse-Agentur, was ihr bei der Geschichte besonders am Herzen liegt.

Frage: Können wir Deutsch reden?

Antwort: Ich kann verstehen, aber mein Deutsch ist ein Babydeutsch, das reicht nicht. (weiter auf Englisch)

Frage: Aber Sie haben doch hier gelebt?

Antwort: Nein, mein Mann ist Deutscher. Er kommt aus Nordrhein-Westfalen, aus dem Sauerland, und wir sind ziemlich oft in seinem Heimatort. Und ich war 2005 ein halbes Jahr mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin, das war wunderbar, eine wirklich wunderbare Erfahrung.

Frage: Sie haben gesagt, es war riskant, den Film zu machen. Warum?

Antwort: Weil es keinen zentralen Aufhänger gibt. Man kann zwei Wege gehen in einem Film. Entweder er ist ein starkes künstlerisches und stilistisches Statement des Autors, oder man erzählt etwas über die Gesellschaft, über die Welt. Und ich wollte sehr viel in diesem Film erzählen. Ich wollte erzählen, warum Menschen sich in sich selbst zurückziehen und wie sie es schaffen, dann doch aufeinander zuzugehen. Aber ich wollte uns als Autoren hinter dieser Geschichte verschwinden lassen. Und unsere Angst war, dass die Leute sagen: „Oh ja, eine nette Liebesgeschichte, danke herzlich!“ Und das wär's gewesen. 

Frage: Aber dann?

Antwort: Dann war ich total erleichtert, als der Film das erste Mal hier auf der Berlinale lief. Ich saß im Zuschauerraum und hörte das Lachen und die Reaktionen und mir wurde klar, dass die Leute den Film aus genau den Gründen mochten, warum wir ihn gemacht haben. Und das ist einfach das Allerschönste: Wenn das Publikum genau die emotionale Achterbahnfahrt erlebt, die du versteckt in dem Film angelegt hast. 

Frage: Eine Liebesgeschichte ausgerechnet im Schlachthaus ...

Antwort: Ich habe einen Ort gesucht, der ein bisschen die Gesellschaft widerspiegelt. Das Schlachthaus ist ein gut organisierter und funktionierender Ort, aber er nimmt keine Rücksicht auf das, was dort eigentlich passiert. Deshalb dachte ich, das wäre ein guter Anfang, um zu erklären, warum wir so in uns verschlossen sind. Das ist nicht einfach, weil wir so sind, sondern weil unsere Umgebung es uns schwer macht, offen und zugewandt zu sein.

Frage: In einer Szene zeigen Sie einen Polizisten, der sich mit einem Stück Fleisch bestechen lässt. Erzählt das etwas über Ungarn?

Antwort: Das ist bei uns seit 600 Jahren Alltag. Das ist nichts Besonderes, das ist die traurige Wahrheit. Korruption ist allgegenwärtig. Diese kleine miese Bestechlichkeit eines Polizisten, das gab es schon immer. Aber es geht weiter, und das macht Angst. Die Gesetze, die Regeln der Demokratie werden nicht einfach nur umgangen, sie werden zerstört. Es ist ein beängstigendes Land.

ZUR PERSON: Ildikó Enyedi, 1955 in Budapest geboren, gilt als eine der profiliertesten Filmemacherinnen Ungarns. International bekannt wurde sie 1989 mit ihrem in Cannes ausgezeichneten Debütfilm „Mein 20. Jahrhundert“. Sie ist Mutter von zwei Kindern, ihr Mann ist der im nordrhein-westfälischen Allendorf (Sundern) geborene Autor und Politologe Wilhelm Droste (63).

dpa

Mehr zum Thema

Elegant wie Catherine Deneuve oder kämpferisch wie Richard Gere. Die 67. Berlinale erfüllt Glamour-Träume - und gleichzeitig ihre Mission als Filmfestival mit politischer Botschaft. Nun werden die Bären verliehen.

18.02.2017

„Wolverine“ ist der Superheld mit blitzschnell ausfahrbaren Klingen an den Händen. Im letzten Teil der Comicverfilmung spielt Hugh Jackman ihn als gebrochenen und müden Mann. Der Schauspieler selbst freut sich auf neue Herausforderungen.

18.02.2017

Bei der 67. Berlinale sind 18 Filme aus aller Welt im Rennen um den Goldenen Bären gewesen. Am Samstagabend gibt die Jury ihr Urteil bekannt.

18.02.2017

Nach einem Jahr ohne Königspaar feierte die Grevesmühlener Schützenzunft wieder einen Königsball.

19.02.2017

Holger Albrecht aus Marlow

20.02.2017

Sängerin Kerstin Ott, DSDS-Teilnehmerin Franziska Kramer, ein leuchtender Riese, sowie DJ Geert Sager und DJane Yvonne heizten 1000 Partylustigen im Grimmener Stadtkulturhaus „Treffpunkt Europas“ (Vorpommern-Rügen) so richtig ein.

20.02.2017
Anzeige