Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Im 11. Kinderdorf fit gemacht - die Meister von morgen
Nachrichten Kultur Im 11. Kinderdorf fit gemacht - die Meister von morgen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:47 28.07.2018
OZ-Reportage aus dem 11. Kinderdorf in Steinhagen. Quelle: Ines Sommer
Niepars/Steinhagen

Es duftet überall nach frisch Gebackenem. In Küche und Restaurant des 11.<TH>Kinderdorfes in Steinhagen herrscht um die Mittagszeit Hochbetrieb. Auf dem einen Blech liegen Haferflockenkekse, gleich daneben stapeln sich American Cookies. Die achtjährige Nele Sievert aus Zimkendorf und die 11 Jahre alte Syrerin Shahed Balhous, die in Stralsund lebt, ziehen eine Form aus dem Ofen. „Das ist Ruck-Zuck-Brot“, erzählen sie stolz, den Ofenhandschuh noch in der Hand. Und sie beteuern, dass das ganz leicht zu machen ist. Mehl, Milch, Backpulver, Salz – mehr ist nicht drin in dem Teig, der dann 20 Minuten gebacken wird. „Kinderleicht“, sind sich die Beiden einig.

Ob Erste-Hilfe-Kurs, Restaurant-Fach oder Trommel-Schule, wer im 11. Kinderdorf in Steinhagen (Vorpommern-Rügen) richtig loslegt, kann es bis zur Meisterprüfung bringen.

Hier wirbeln die Küchenfeen

Die Küchenfeen Maja und Laura Schubert aus Negast zeigen stolz die selbst gemachte Tomatenbutter und verführen die OZ-Reporterin, hier und da zu naschen. Hmmmm. Pia Dettmann rührt derweil in einer großen Schüssel. „Das ist unser Müsli“, sagt sie und schwingt die Kelle. Denn die süße Verführung aus Haferflocken und Honig ist heiß begehrt. „Das ist in diesem Jahr unserer Renner im Kinderdorf, viele kommen und geben dafür ihre Kidos aus“, sagt Betreuerin Peggy Dettmann, die ihre beiden Kinder Pia und Pascal (der muss als einzig männlicher Restaurant-Vertreter gerade beim Fußballturnier mitmachen) gleich mitgebracht hat. „Ich koche und backe gern, probiere viel aus. Und die Arbeit zwischen Backofen und Mixer macht mir Spaß“, so die junge Frau aus Pantelitz, die extra Urlaub genommen hat, um als Ehrenamtliche hier dabei sein zu können.Nebenan arbeiten die Betreuerinnen Laura Zühr und Julia Dietz an einem Kinderdorf-Koch- und Rezeptebuch. Außerdem laufen die letzten Vorbereitungen fürs Büfett, das am Nachmittag mit Spießen, Keksen, Cookies, Kuchen, Müsli und Schokobrunnen aufgebaut wird. „Das ist unser Beitrag zur Gala heute“, stellen die Beiden klar. Doch die leckeren Sachen sollen den Kinderdorfbewohnern nicht nur das Geld, sprich die bei der Arbeit hart verdienten Kidos aus der Tasche locken, für einige Mädchen der Station ist das nämlich auch gleichzeitig die Meisterprüfung.

Schuften für die Meisterprüfung

„Das ist etwas Besonderes für Kinder, die sich für ein Fachgebiet besonders interessieren und engagieren“, erklärt Julia Meiser, was es mit der Meisterprüfung auf sich hat. Die 35-Jährige, die auch schon das erste Kinderdorf – damals noch in Niepars – erlebt hat, ist Chefin des Ganzen. Die Sozialpädagogin, ebenso wie ihre festangestellten Kollegen des KDW für die Jugendarbeit im Amt Niepars zuständig, kann auf 60 Betreuer an über 30 Stationen zurückgreifen. „Ohne diese ehrenamtlich Engagierten wäre so ein Projekt gar nicht zu stemmen“, sagt Julia Meiser, die sich schon auf die Show freut. „Da zeigen alle Gewerke etwas Besonderes. Das wird eine Talente-Showgala mit Oscarverleihung, unser Highlight in dieser Woche. Letzte Woche hatten wir Fasching als Höhepunkt.“

Bezahlt wird mit Kidos

Die Gewerke, oder auch Stationen genannt, bieten den über 100 Mädchen und Jungen jeweils für ein oder zwei Stunden Arbeit, die man sich natürlich beim Arbeitsamt besorgt. Diese Arbeit wird mit Kidos bezahlt, wofür man sich dann Essen, Trinken, Leckereien und Freizeitvergnügen kaufen kann. Aber auch Ausflüge werden im Reisebüro gern gebucht. So ging es in diesem Jahr zur Post. Auch der Polizei und der Deutschen Bank konnte man einen Besuch abstatten. „Besonders toll war der Ausflug zum Obstgut Lüssow. Wir haben dort Himbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und Kirschen gepflückt. Super. Und dann haben wir das alles in unserer Küche verarbeitet, da gab es auch selbst gemachtes Fruchteis“, sagt Peggy Dettmann im Restaurant.

Schwitzen im Zirkuszelt

Im Zirkuszelt steht die Luft, trotzdem üben die Mädels unermüdlich. Anrike Reißmann, Klara und Sina Kraatz aus Martensdorf wirbeln durch die Luft, glänzen mit Spagat, Überschlägen und Hebefiguren. Das sieht nach Profis aus. „Naja, ich bin Cheerleader bei Blau-Weiß Stralsund“, gesteht Anrike, dass sie nicht ganz unbeleckt ist. Das gilt auch für die Zwillinge. „Wir sind Tanzmariechen im Richtenberger Carnevalsclub. Wir haben uns zu dritt eine Akrobatik-Nummer ausgedacht, die wir bei der Talente-Show zeigen wollen.“ Denn auch die drei Artistinnen sind scharf auf den Meister-Brief.

Giff in nagelneue Sani-Tasche

Das sieht dramatisch aus: Ein Mädchen liegt regungslos auf der Kinderdorf-Wiese des Schulhofes Steinhagen. Doch schnell wird klar, das ist eine Übung. Nämlich für Mia Hinz aus Niepars und Simon Kühnle aus Negast. Die Achtjährige und ihr 10-jähriger Sanitäter-Kollege haben in einem Erste-Hilfe-Kurs gelernt, was zu tun ist. Aus einer nagelneuen Sani-Tasche nehmen sie Verbandsmaterial und versorgen die Verletzte. Das ist Mira Grape. Die Achtjährige aus Negast mimt brav das Unfallopfer eines Verkehrsunfalls. Die Betreuer Lisa Strohmeyer und Nils Grape sind ganz zufrieden mir der Zwischenprüfung – nur die Handschuhe hätten die Helfer beinahe vergessen. Nach einem kleinen Tipp, fällt ihnen ihr Fehler auf. Uppps. Noch mal gut gegangen. „Das sind zwei Meisterschüler, die heute Abend bei der Gala dann die letzte Hürde nehmen müssen, um den ,Schein’ zu bekommen“, so Nils Grape und zeigt schon mal überzeugt ein „Daumen hoch“.

Was ist das Kinderdorf?

Das Kinderdorf ist ein Jugendprojekt der Gemeinswesenarbeit des Amtes Niepars. Den Hut dafür hat das Kreisdiakonsiches Werk (KDW) in Stralsund auf.

50 000 Euro kostet die besondere Ferienmaßnahme, die in zwei Durchgängen jeweils für eine Ferienwoche stattfindet. Der Landkreis fördert das Ganze mit 12 000 Euro. Der Rest wird über Teilnehmerbeiträge, Sponsoren, Spenden und Ansparungen aus den Vorjahren finanziert. 60 Betreuer sorgen an über 30 Stationen dafür, dass alles läuft. Dazu zählen u.a.: Müllabfuhr, Ordnungsamt, Post, Krankenstation, Zuckerfabrik, Zirkus, Spielefabrik, Trommelkurs, Restaurant, Zoll, Lager oder Radiosender.

Die Jugendarbeit im Amtsbereich wird neu strukturiert. Da sich nur fünf Gemeinden für eine weitere Zusammenarbeit mit dem KDW entschieden haben, weiß Projektleiterin Julia Meiser nicht, ob es das Kinderdorf 2019 noch geben wird. „Wenn, dann sicher in anderer Form.“

Lieblingsrezept für Kido-Müsli: 350 Gramm Haferflocken, 100 g Mandelblätter, 50 g Nüsse und zwei Teelöffel Zimt mischen. 100 g Honig und vier Esslöffel Öl dazugeben und wieder gut vermischen. Dann wird alles gleichmäßig auf ein Blech verteilt, auf die zweite Backofenschiene geschoben und bei 175 Grad im vorgeheizten Ofen 20 Minuten gebacken (zwischendurch wenden).

Sommer Ines

Die erfolgreiche Miniserie „Big Little Lies“ geht bald in die zweite Runde. Auch bei dem nächsten Projekt von Autorin Liane Moriarty wird Nicole Kidman dabei sein - als Darstellerin und Ko-Produzentin.

28.07.2018

Der Musiksender Viva wird zum 25-jährigen Jubiläum abgeschafft. Das ist wie die Scheidung zur Silberhochzeit. Aber Viva war ja immer schon erfrischend anders.

28.07.2018

Auf Stralsunds ältester Kirche, St. Nikolai, laufen die Sanierungsarbeiten des Daches weiter. Bis zum Ende des Jahres sollen die Arbeiten am achten und neunten Joch beendet sein.

28.07.2018