Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Im Abendkreis: Jazz zum Hören und Diskutieren
Nachrichten Kultur Im Abendkreis: Jazz zum Hören und Diskutieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 19.10.2017
Die Band Nachtfarben bei „Peter und der Jazz“ Quelle: Foto: Nils Nedel
Rostock

Angegraute Herren in schwarzen Anzügen, die in schummrigen Bars Klassiker zum Besten geben und ein ebenso altes Publikum, das dazu mit den Füßen im Takt wippt:

Dass die reiche Jazz-Szene in MV diesem Klischee nicht entspricht, wollen Cornelius Rauch und Julian Fuchs unterstreichen und ihr noch eine weitere Facette hinzufügen: In dieser Woche begann die zweite Saison ihrer Konzertreihe „Peter und der Jazz“ mit jungen Bands für ein überwiegend junges Publikum im Rostocker Peter-Weiss-Haus.

„Wir haben in Rostock eine Straßenumfrage zu dem Thema gemacht, was sich Leute unter Jazz vorstellen“, sagt Rauch. „Viele hatten einen sehr altmodischen Jazzbegriff und verbanden damit Fahrstuhlmusik, Swing oder die Musik von Helge Schneider.“ Doch die beiden Studenten der Hochschule für Musik und Theater interessieren sich eher für experimentelle und alternative Musik: „Wir wollen die Bandbreite des Jazz-Angebots in Rostock erweitern“, erklärt Rauch. Der Experimentierfreudigkeit seien dabei keine Grenzen gesetzt. „Derzeit passiert im Jazz so viel, es gibt Einflüsse von Hip-Hop, von Weltmusik oder auch von neuer klassischer Musik“, sagt Rauch.

Offen sind die beiden auch bei der Zusammensetzung der einzelnen Bands. „Es gibt die unterschiedlichsten Instrumentierungen“, erklärt Fuchs. Im ersten Jahr der Reihe trat bei „Peter und der Jazz“

unter anderem die belgische Band Castus auf: „Das sind sechs Gitarristen und ein Schlagzeuger.“ Auch die Kölner Formation Malstrom hatte ein interessantes Line-up: „Sie spielten Metal Jazz mit Saxofon, Schlagzeug und elektrischer Gitarre.“ Ein zentraler Aspekt für die Veranstalter bei der Auswahl der Musiker ist das Element der Improvisation. „Bands, die bei uns spielen, müssen den Willen haben, auf der Bühne etwas zu machen, was vorher so nicht geplant war“, erklärt Fuchs, „die Musiker sollen sich von sich selbst überraschen lassen.“

Die zehn Konzerte der ersten Saison zogen im Schnitt etwa 50 Besucher an – für Jazzkonzerte durchaus ein guter Schnitt. Dabei setzen Rauch und Fuchs auf eine ungewöhnliche kreisförmige Anordnung: „Die Musiker sitzen in der Mitte und sind einander zugewandt, so wie auch im Probenraum“, erklärt Fuchs. „Das Publikum sitzt um sie herum.“ So entstehe eine ganz besondere Atmosphäre. „Die Zuhörer sehen die Band und dahinter wieder Publikum. So können sie beobachten, wie andere auf die Musik reagieren.“

Nach den Konzerten können die Besucher mit den Musikern noch über das Gehörte diskutieren. „Manche Bands wollten das zuerst nicht, waren dann aber anschließend ganz begeistert, weil sich oft spannende Gespräche ergaben“, sagt Rauch. Gefragt wurde unter anderem nach der Entstehungsgeschichte einzelner Titel oder welcher Teil der Songs improvisiert und welcher nach Noten gespielt worden war.

In der zweiten Saison stehen 14 Konzerte auf dem Spielplan, der in mehrere Blöcke von drei oder vier Konzerten unterteilt ist. Der erste Block startete am 9. Oktober mit der Band Pull aus Amsterdam. So wie mit Pull, die mit Fuchs bereits eine gemeinsame Platte aufgenommen haben, sind die meisten bisherigen Konzerte über persönliche Bekanntschaften entstanden. Doch „Peter und der Jazz“

hat sich offenbar in der Szene herumgesprochen, sagt Rauch nicht ohne Stolz: „Inzwischen erhalten wir auch Anfragen von Bands aus Leipzig oder Berlin, die bei uns spielen wollen.“

Das zweite Konzert am 20. Oktober gibt das Philipp Rücker Quartett rund um den namensgebenden Saxofonisten und Komponisten Philipp Rücker. Die Band hat unter anderem deutsche Volkslieder in ihrem ganz eigenen Stil überarbeitet. „Die Grundintention ist, den Inhalt und das Gefühl, das in den Liedern steckt, herauszukitzeln und neu zu beleuchten“, erklärt Fuchs.

„Peter und der Jazz“: 20. Oktober:

Philipp Rücker Quartett (Rostock/Leipzig); 31. 10. Asch (Hannover);

Einlass jeweils 20 Uhr, Eintritt 8 Euro

Axel Büssem

Stadtbibliothek bietet neue Veranstaltungsreihe / Ausleihe wird um Gesellschaftsspiele erweitert

19.10.2017

Zum Tourauftakt des neuen Albums „Yours“ spielten die Beatsteaks vor 1500 Fans im ausverkauften Rostocker Moya

19.10.2017

Viel Musik gibt’s an diesem Wochenende in Stralsund und Umgebung

19.10.2017