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Im Biotop der ausgewilderten Kunst

Im Biotop der ausgewilderten Kunst

Vor zehn Jahren pflanzten Ulf Müller und Dorle Petzinna die ersten Skulpturen auf ihre Wiese in Groß Grönau bei Lübeck. Daraus ist eine Kunst-Landschaft geworden – ab Sonntag wieder zu besichtigen.

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Hingucker: Frauentorso von Uschi Koch und eine bunte Fantasie-Gesellschaft von Michael Fischer-Art in Sumpflandschaft.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Groß Grönau. Moos wächst auf dem Frauentorso von Claus Lindner, auf das Ohr der weißen Frauen-Skulptur von Bettina Thierig hat ein Vogel gekackt und durch die Installation aus Stahl und Stein von Uwe Jonas wächst ein kleiner Pflaumenbaum. Renaturierung von Kunst, könnte man sagen. Auf einem Hektar Wiese in Groß Grönau bei Lübeck haben Dorle Petzinna und Ulf Müller in den vergangenen Jahren Skulpturen unterschiedlicher Art angesiedelt, ein buntes Biotop der schönen Dinge, das ab Sonntag mit neuen Arbeiten aufwartet.

OZ-Bild

Vor zehn Jahren pflanzten Ulf Müller und Dorle Petzinna die ersten Skulpturen auf ihre Wiese in Groß Grönau bei Lübeck. Daraus ist eine Kunst-Landschaft geworden – ab Sonntag wieder zu besichtigen.

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140 Skulpturen wurden inzwischen ausgewildert

Wie kommen Steuerberater dazu, im Nebenjob das Feld der Kunst zu beackern? Zunächst war es das persönliche Interesse an Kunst, unter dem Motto „Bier bei Müller“ liefen schon vor 15 Jahren wechselnde Ausstellungen in den Räumen des Lübecker Steuerbüros. Viele Beziehungen zu aktuellen Künstlern seien auf diesem Wege entstanden. Und so plante das Ehepaar beim Ausbau eines ehemaligen Stallgebäudes die Kombination aus Wohnhaus und Galerie.

„2006 begannen wir mit einer Ausstellung von zwölf Malern. Aber wir brauchten ein Alleinstellungsmerkmal, und das waren dann die Skulpturen.“ Im Herbst 2006 machte der Lübecker Maler und Bildhauer Gunther Fritz den Anfang. Seitdem präsentieren Müller & Petzinna jährlich vier Ausstellungen mit Malerei und kleinen Plastiken in der 200 Quadratmeter großen Galerie sowie den jährlich wachsenden Skulpturenpark hinterm Haus. Die freilebenden Kunstwerke bieten einen Querschnitt zeitgenössischer norddeutscher Künstler, aber auch namhafte deutsche und internationale Bildhauer haben ihre Werke hier ausgewildert. Teilweise wurden sie mit Schwerlastkränen angeliefert, wie die Fünf-Tonnen-Steine von Ilse Schrottenbach oder Thomas Reifferscheid. „Bis zu zwei Tonnen bewegt unser Nachbar mit seinem Trecker“, verrät Müller. Zwischen Gras, Schilf, Weiden, Buchen und Obstbäumen warten die Leihgaben dann auf Käufer.

War das Ehepaar anfangs noch auf Messen und Ausstellungen auf Suche nach Künstlern, stapeln sich inzwischen die Anfragen. Auswahlkriterium bei Bildern ist: „Sie sollten großformatig sein. Außerdem nicht realistisch, aber auch nicht zu abstrakt. Man sollte sich etwas darunter vorstellen können“, sagt Ulf Müller. Die Skulpturen sollen eine möglichst große Bandbreite der Bildhauerei zeigen. „Wenn ein neuer Künstler dazukommt, sollte er etwas anderes bieten als das, was wir schon haben.“

Zum Jubiläum wurden alle Künstler, die bereits einmal in Groß Grönau ausgestellt haben, wieder eingeladen. 40 Ehemalige präsentieren nun neue Arbeiten, darunter die Maler Claudia Bormann, Gunther Fritz, Thomas Klemann, Miriam Jarrs, Cora Korte, Hanne Kühner, Maria Moser und Susanne Tack. Im Park haben 140 Skulpturen und Kleinplastiken Platz gefunden. Wenn sich etliche Künstler zum Zehnjährigen einfinden werden, erfolgt dies sehr zur Freude der Gastgeber. Denn dieser freundschaftliche Kontakt sei der Antrieb, neben ihrer Arbeit viel Zeit und Kraft in die Galerie zu stecken. „Es macht immer noch Spaß“, sagt Ulf Müller. „Wir lernen dadurch immer wieder viele nette Menschen kennen, unser Umgang ist von Sympathie getragen“, ergänzt Dorle Petzinna. Und außerdem würden die Künstler „ein bisschen Lockerheit“ in den Alltag bringen.

Ausstellung & Musik

Skulpturen10 heißt die neue Ausstellung, die am 22. Mai eröffnet wurde. Sie ist bis zum 19. Juni immer freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet in 23627 Groß Grönau, Hauptstraße 49a, Schleswig-Holstein.

Horn to be wild heißt es am Freitag, 10. Juni, ab 20 Uhr in der Galerie Müller&Petzinna (bei schönem Wetter draußen). Das Trio „Hansehorns“ spielt in der Reihe Musikerkennen, das junge Talente an ungewöhnliche Auftrittsorte bringt. Die Galerie in Groß Grönau beteiligt sich seit zwei Jahren an dieser Reihe.

Weitere Infos im Internet unter www.skulptur.com

Petra Haase

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