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Im Käfer auf der Suche nach Freundschaft

Hamburg Im Käfer auf der Suche nach Freundschaft

„Tabaluga und die Freundschaft“ hat umjubelte Premiere in Hamburg gefeiert / Platin für Peter Maffay

Hamburg. „Was ist heute eigentlich noch Freundschaft? Heute wird man doch eher geliked als geliebt!“ Mit einer Breitseite gegen das Internet führt 'Magier' Rufus Beck, auf einer von fünf Bühnen dozierend, in das Thema des Abends ein. Wenig später kreucht und fleucht in der Hamburger Barclay Arena ein wahres Pandemonium zweibeiniger Wesen in tierischen Ganzkörperkostümen.

Da robben singende Schnecken benebelt zu Rastafarimusik und zanken sich mit Hasen in Sportklamotten. Da pesen Schweine auf Rollschuhen durch die Gegend, mäandern gigantische Quallen mit Tintenfischen um die Wette, wackeln bajuwarische Wesen mit Weißwürsten aus Stoff in den Klauen mit dem Po und machen Witze über Uli Hoeness. Finstere Tanzroboter, halbnackte Orienttänzer und eine Ameisenarmee buhlen im Wettstreit um den Preis für das originellste Kostüm mit Samba tanzenden Bienen und einer Armee von Eiswesen um die Gunst des Publikums.

„Es lebe die Freundschaft“, heißt die vierte und bislang aufwendigste Bühnenversion des Rockmärchens, die jetzt in Hamburg mit mehreren Shows Premieren-Marathon feierte. 1984 hatten sich Peter Maffay, sein langjähriger Texter Gregor Rottschalk und Kinderbuchguru Rolf Zuckowski die Geschichte um den Drachen, der nicht erwachsen werden möchte, als einmaliges Projekt ausgedacht. Jetzt reisen bis Dezember 180 Crewmitglieder – davon 50 auf der Bühne zu sehen – für 64 Shows durch 19 deutsche Städte. Rufus Beck ist nicht nur Regisseur des Spektakels, sondern tritt auch als Magier und Glückskäfer in Erscheinung.

Schließlich gilt es, den von seinem Widersacher Arktos (im Schneemannskostüm : Heinz Hoenig) eingefrorenen Tabaluga mit loyaler Insektenhilfe aufzutauen und ihm neuen Lebensmut zu verschaffen.

Tabaluga verliert nach der heimtückischen Attacke vorrübergehend das Gedächtnis und weiß weder, dass kleine Drachen Feuer spucken und fliegen können noch, was man unter wahrer Freundschaft versteht.

Als Arktos und die Armee um den herzlosen Eisgeneral (in Rammstein-Manier: Alex Wesselsky) Tabalugas Heimat Grünland in Schutt und Asche legen wollen, gilt es zu handeln. In der Rolle als Kameliendame im Tütu sorgt Uwe Ochsenknecht für Lacher.

Maffay selbst gibt zum Thema Respekt und Freundschaft Nachhilfe in musikalischer Form. Mal leger in Lederjacke, mal im Goldmantel oder im Eiskostüm am Piano, singt der 67-Jährige Tabaluga-Klassiker, wie das swingende „Kleine Drachen wollen eigene Wege gehen“ oder das nachdenkliche „Wo komm ich her?“ Zu Beginn braust er im Minicabrio durch den Innenraum. Einmal spielt er Tabalugas Vater, den Riesen Tyrion – angesichts von Maffays Statur nicht ohne unfreiwillige Komik. Eine LED-Leinwand bildet die Kulisse für Vulkane, den Meeresboden oder blühende Wiesen.

Bei „Tabaluga und die Freundschaft“ wird gekleckert und nicht geklotzt. Das wirkt zuweilen überfrachtet. Als gelte es, im Sinne eines „Höher, schneller weiter“ in schnellstmöglicher Abfolge ein Arsenal immer neuer Tiergruppen und Special Effects zur Stimulation der Sinne hervorzuzaubern. Da darf auch ein Wiedersehen mit Freundin Lilli (Ex-DSDS-Sternchen Linda Teodosiu) nicht fehlen.

Erst im zweiten Teil wird die Geschichte narrativ stringenter zu Ende erzählt. Standing Ovations zur unverzichtbaren Zugabe von „Nessaja“ gibt es trotzdem. Auf der Aftershowparty kann sich Peter Maffay gleich noch mal freuen. Für das Album „Es lebe die Freundschaft“ gibt es Platin und von Altrocker Udo Lindenberg ein Ständchen.

Alexander Bösch

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