Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Im Namen der Freiheit

Gressow Im Namen der Freiheit

Der Genre-Mix „Ritter, Tod und Teufel“ feierte in Gressow vor 350 Gästen umjubelte Uraufführung

Voriger Artikel
Volkmar Förster stellt im Baumhaus aus
Nächster Artikel
Ein No-Go: Blanke Knöchel sind nicht schön

Jacqueline Boulanger als Anna und Florian Hacke als Thomas Aderpul in Gressow. Im Hintergrund Sänger des Schönberger Laurentius-Chores.

Gressow. „Wo euch jemand nicht annehmen wird noch eure Rede hören, so geht heraus von demselben Haus oder der Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen.“

OZ-Bild

Der Genre-Mix „Ritter, Tod und Teufel“ feierte in Gressow vor 350 Gästen umjubelte Uraufführung

Zur Bildergalerie

Verhaftet mich, werft mich in den Kerker! Ist die neue Wahrheit so groß, dass sie hinter Schloss und

Riegel muss?“ Florian Hacke als Reformator Thomas Aderpul in der Oper „Ritter, Tod und Teufel“

Spätestens als „Ritter, Tod und Teufel“ mit dem 14. Vers im zehnten Kapitel des Matthäus-Evangeliums – musikalisch nahe an „Jesus Christ Superstar“ – endet, dem Kapitel, in dem Jesus seine Jünger ausschickt, Gottes Wort zu verkünden, gibt es in der backsteingotischen Kirche von Gressow (Nordwestmecklenburg) kaum Halten mehr. Begeisterung bei den 350 Zuschauern, stehender Applaus.

Aber was war das? Oper greift daneben. Rockoper zu kurz. Für Musiktheater wurde zu wenig gespielt. Allen jungen Popbands, die gerne betonen, dass sie aber so was von crossover sind und in keine Schublade passen, sei eine Hospitanz bei Wolfgang Schmiedt (57), Musiker, Komponist und künstlerischer Leiter von „Ritter, Tod und Teufel“, empfohlen. Schmiedt und sein Team nannten das Stück etwas nebulös „szenisch-musikalische Erneuerung – 500 Jahre Reformation.“ Aber der Begriff trifft’s ganz gut. 2017 feiert Luthers sanfte Kirchenrevolution 500. Geburtstag. Dass große Teile der lutherischen Bewegung von Mecklenburg ausgingen, ist nicht so bekannt. Vor vier Jahren entschied sich der Kreis Nordwestmecklenburg, das Jubiläum mit einem Musiktheaterwerk zu Ehren des Martinsmanns Thomas Aderpul (ca. 1499-1557) zu würdigen. An Originalschauplätzen in Gressow, Klütz, Schönberg, Wismar, Ratzeburg und Lübeck, wo Aderpul gewirkt hat. Aus Lübeck wurde er vertrieben, in Ratzeburg eingekerkert.

Ein Glücksgriff der Verantwortlichen um Landrätin Kerstin Weiss aus Dassow sind Schmiedt, Martin Pollok und Susi Koch als Composer. Sie ließen den Roman „Der Angstmann“ von Fritz Meyer-Scharffenberg (1912-1975) um Thomas Aderpul im Libretto von Janny Fuchs auf ein einfaches Geschichtchen komprimieren und erzählen die Geschichte der Reformation von der Musik aus. Bei Luther geht es um die Rede, das Wort Gottes und die Freiheit des Wortes.

Schmiedt, Pollok, Koch nehmen dafür eine musikalische Endlosschleife vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Gregorianische Gesänge, lithurgische Musik, Choräle, Oper des 19. Jahrhunderts, Jazz, Rock, Plattverse, Hip Hop, Musicalstandards. Da klingen Bach, Verdi, Pink Floyd, Lloyd Webber, Supertramp gleichberechtigt durch. Was wie musikalischer Eklektizismus anmuten mag, ist vielmehr Fortführung des Intertexts im gesungenen Wort. Botschaft: Das Wort Gottes, die Lithurgie, ist ein unendlicher Text, der sich jeder Sprache, jeder Erzählform und jedes Genres in jeder Zeit bedient. Ob Platt, Sopran, Rock, Gospel, Hip Hop, New-Orleans-Jazz oder Facebook. Das ist Gott egal, der ist so cool!

Andreas von Maltzahn (55), in der Nordkirche Bischof für Mecklenburg und Pommern, erklärt die Reformation so: „Reformation heißt: Auszug aus der Angst. Luthers Frage war, wie kann ich bestehen vor Gott. Er fand die Antwort in Gott und Gottes Güte, in der alle Angst zu versagen grundlos ist.“ Schmiedt tat gut daran, sich mit musikalischen Profis zu umgeben. Die sparsame Inszenierung von Wolfgang Bordel funktioniert in der kleinen Kirche erstaunlich gut. Der starke Chor der Laurentius-Gemeinde Schönberg unter Leitung von Christoph D. Minke fungiert als Ankläger, Echoraum, Erzähler, Volkes Stimme, Volkes Zorn oder einfach nur Chor, der Gänsehaut schafft. In einem homogen agierenden Ensemble mit starken Musikern, den Schauspielern und Sängern Claudia Graue und Marcus Melzwig („Muttis Kinder“) stachen Florian Hacke als Aderpul mit seiner Bühnenpräsenz und Jacqueline Boulanger als dessen Frau mit ihrer Stimmpräsenz ins Auge und ins Ohr.

Gestern der Auftritt in Lübeck. Es folgen Gastspiele in der Klützer Kirche (9.9.), Laurentius-Kirche Schönberg (13.9.), Ratzeburger Dom (15.9.) und Georgenkirche Wismar (18.9.).

Tickets: OZ-Service-Center,

unter shop.ostsee-zeitung.de oder ☎ 0381/38303017

Michael Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Stralsund

Christdemokraten nur bei Direktmandaten stark

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.