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00:05 07.02.2017
Barbara Buck bemuttert als herrische Mrs. Danvers das Ballett der untoten Rebeccas. FOTOS (2): VINCENT LEIFER

Im Zentrum allen Tuns steht das Ich. Sein Begehren, sein Handeln, sein Unterlassen. Ralf Dörnen hat sich für sein aktuelles Ballett am Theater Vorpommern einen Stoff ausgesucht, der Filmkennern als düsterer Thriller in Erinnerung ist, der jedoch die Untiefen der menschlichen Psyche auszuloten versucht. „Rebeccas Schatten“ ist die Uraufführung des Romans „Rebecca“ von Daphne du Maurier (1938) als Ballett. Für das Schauspiel existieren Versuche, für den Bildschirm ebenso – zwischen blassen Kostümverfilmungen und Hitchcocks Psychothriller (1940) mit Laurence Olivier, Joan Fontaine und Judith Anderson, der mit elf Oscars dekoriert wurde.

Ralf Dörnen inszeniert am Theater Vorpommern „Rebeccas Schatten“ als Psycho-Ballett.

Welcher Preis Dörnen für seine Tanzversion zusteht, sei mal dahingestellt, sein Intendant Dirk Löschner wollte ihm den Oscar widmen. Zumindest ist er wieder weit von der reinen Oberfläche des Erzählens à la TV-Serien entfernt. Dörnen interessiert sich wie Hitchcock für die psychologische Ebene.

Und er überrascht – wieder mal. Denn mittlerweile erwartet man vom Vorpommern Ballett immer ganz großes Kino, sobald der Vorhang sich hebt. In dieser Inszenierung mutet er dem Publikum einen dramaturgischen Bruch zu. Bis zur Pause erzählt er die Handlung knasch durch – ohne große Höhepunkte mit Ausnahme des Auftritts der Grande Dame des Vorpommern Balletts. Barbara Buck (40), die vor zwei Jahren ihre Karriere beendet hat, feiert ein glanzvolles Comeback. „Buck is back“, so Dörnen trocken. Und das Publikum feiert sie mit begeistertem Applaus.

Dörnen hat mal wieder ganz tief in die musikalische Schatzkiste gegriffen. Das Philharmonische Orchester Vorpommern spielt in der ersten Hälfte Teile der 3. und 4. Symphonie von Arnold Bax (1883-1953) als recht possierliche Begleitmusik der Erzählung. Es geht um Maxim (Stefano Fossat) und Rebecca de Winter (Zoe Ash-Browne), die das Idealbild einer tollen Ehefrau verkörpert, ihn jedoch offen betrügt. Der Gehörnte erschießt seine Frau und tarnt den Mord als Segelunfall. In Monte Carlo lernt der Witwer dann eine junge schüchterne Gesellschaftsdame kennen, heiratet sie und bringt sie als zweite Mrs. de Winter (Emilia Lakic) auf seinen Landsitz Manderley. Dort regiert seine Haushälterin, die herrische Mrs. Danvers (Barbara Buck) über Personal, Anwesen und vor allem Andenken an Rebecca, die sie verehrt. Mit einer Intrige treibt sie die zweite Mrs. de Winter in den Freitod. Dörnen beginnt mit dem Mord und einer weißen Leiche, die fortan vom Grund der See im Hintergrund aufsteigend das Bild stört. Nach der Pause widmet er sich den Innenwelten der Figuren – ihrem psychologischen Fortschreiten. Hier wird deutlich, dass „Rebeccas Schatten“ als Plural zu lesen ist.

Gleich fünf untote Rebeccas bevölkern die Bühne als Gruselballett. Getrieben wird die Handlung von der Elegiac Rhapsody, dem Concertante Pastorale und dem 1. Violinkonzert Alan Rawsthornes (1905-1971), das sich wie ein bedrohliches Gebirgsmassiv auftürmt.

Es geht, ähnlich wie 40 Jahre später bei Isabell Allendes „Geisterhaus“, um die Geister der Familie, die über Generationen vererbt werden. In „Rebecca“ ist es Mrs. Danvers, die die Untoten befehligt, züchtet und in ihrem schwarzen Schoß bemuttert. Dörnen wählt dafür das Bild einer schwarzen Spinne, die die Rebeccas unter ihren Rock nimmt und mit ihnen über die Bühne schwebt. Der zweite Teil beginnt mit einem starken düsteren Bild der einsamen, verzweifelten zweiten Mrs. de Winter und einem schwebenden grünlich-weißen Vorhang, aus dessen Schlieren im Hintergrund die Untoten treten.

Während die zweite Mrs. de Winter im realen Leben ein Püppchen ist, das den Anweisungen der Gesellschaft folgt und somit scheitern muss, gelingt ihr innerlich die Befreiung. Sie tötet die Untoten und vertreibt die schwarze Spinne. So wie im realen Leben, traut sich die Figur nur im Traum die Befreiung. Zum Schluss gönnt sich Dörnen das romantische Bild zweier Kinosessel, in denen die Lieben auf der Leinwand den versöhnlichen Schriftzug „The End“ lesen.

Michael Meyer

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