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Kultur „Im Sommer will ich wieder auf der Bühne stehen“
Nachrichten Kultur „Im Sommer will ich wieder auf der Bühne stehen“
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01:04 02.05.2018
Auch in komischen Rollen war die Schauspielerin zu erleben – wie hier im Schwank „Tratsch im Treppenhaus“.

Eigentlich war alles etwas anders geplant zum großen Geburtstag. Der 90. sollte nämlich auf der Bühne gefeiert werden, mit einer Aufführung von „Dinner for One“, wo bekanntermaßen ebenfalls ein 90. Geburtstag begangen wird. Besser geht’s eigentlich nicht! Doch dann kam ein Unfall dazwischen – nun muss Helga Wienhöfer leider ihren großen Tag im Krankenhaus verbringen.

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Als Schauspielerin und Kulturaktivistin hat sich Helga Wienhöfer in Barth einen Namen gemacht. Heute feiert die Grande Dame des Theaters ihren 90. Geburtstag.

Die Schauspielerin, die heute ihren 90. Geburtstag begeht, ist besonders in ihrer Heimatstadt Barth bekannt. Im dortigen Kulturleben ist sie eine feste Größe. Die Leidenschaft von Helga Wienhöfer gehörte immer der Schauspielerei. „Ich komme aus einem musischen Elternhaus“, erklärt sie, „das Spielen war immer mein Wunsch“. So absolvierte sie nach dem Krieg in Köthen eine Schauspielausbildung.

Dort lernte sie ein solides Handwerk: singen, tanzen und spielen. Tanzsoubrette – so nannte man den Beruf damals.

Dann begann Helga Wienhöfers künstlerische Reise durch die Theaterlandschaft: Senftenberg, Güstrow, Stralsund, Wittenberg, Döbeln, Bautzen. Damals begegnete die junge Frau auch Mimen, die erst später berühmt werden sollten – wie Ruth-Maria Kubitschek oder Horst Tappert. „Das war ungefähr von 1946 bis 1948“, erinnert sich Helga Wienhöfer. In dieser Zeit traf sie auch auf Heinz Quermann, später einer der bekanntesten Moderatoren in der DDR-Unterhaltungskunst.

Die Darstellerin war in sehr vielen verschiedenen Rollen zu sehen. Welche davon lag ihr besonders am Herzen? „Das war die Genevieve in Friedrich Wolfs ,Patrioten’“, sagt Helga Wienhöfer, „aber das kennt heute keiner mehr.“ 1970 wurde sie künstlerische Leiterin im Kreiskulturhaus „Maxim Gorki“ Wittenberg, engagierte sich unter anderem fürs Schülertheater und den Singeklub, organisierte Veranstaltungsreihen wie Filmball, Literaturtreffs oder Tanzturniere.

Als Helga Wienhöfer 1974 nach Barth kam, übernahm sie die Leitung des damals leerstehenden Kulturhauses. Von ihrem Engagement profitierten später das Jugendtheater, das Kabarett „Die Sägefische“, der Singeklub, der Fotozirkel und viele andere kulturelle Einrichtungen. Mit dem Umzug nach Barth trat allerdings die Schauspielerei in den Hintergrund. „Ich wollte damals wegen der Familie etwas kürzertreten“, sagt Helga Wienhöfer heute. Doch von Stillstand konnte auch in dieser Zeit keine Rede sein. Unter Wienhöfers Ägide regte sich ein vielfältiges Kulturleben in Barth. Zum Beispiel wurde eine Jugendeinrichtung gegründet, der „Arbeiterjugendklub“ (AJK) wurde bis zur Wende 1989/90 ein Zentrum vieler kultureller Veranstaltungen in Barth. Das „Haus der Werktätigen“ war inzwischen zum Kulturhaus geworden und damit Heimstatt von vielen Zirkeln und Arbeitsgemeinschaften, die von Helga Wienhöfer gegründet oder geleitet wurden. Sogar Ostsee-Urlauber profitierten damals von diesem Angebot: Für den FDGB-Feriendienst gestaltete das Kulturhaus regelmäßige Urlauberabende, es gab Tanzveranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Diese Phase währte für Helga Wienhöfer ab 1974 fast zwanzig Jahre. In der Wendezeit beendete sie ihre Tätigkeit im Kulturhaus und ging in den Ruhestand. Freilich nicht ganz: Die Kulturaktivistin wirkte unter anderem im Keramikzirkel und im Zirkel Textilgestaltung weiter mit.

Doch dann wurde die Schauspielerei wieder wichtig, da brach die ursprüngliche Leidenschaft wieder durch. Im Jahr 1999 fand Helga Wienhöfer im Theater Barth erneut ein Betätigungsfeld als Schauspielerin. Seit jener Zeit stand die Grande Dame dort in zahlreichen Produktionen auf der Bühne. Diese Liste ist inzwischen lang, unter anderem dabei: „Vineta: Die Stadt am Meer“ (1999), „Das Wirtshaus im Spessart“ (2001), „Was ihr wollt“ (2002), „Die Fischer vom Donnerberg (2006), „1000 Jahre Barth“ (2008), „Die Schatzinsel“ (2012), „Maxe Baumann wird Hoteldirektor“ (2012), „Don Quijote“

(2013) oder „Kohle, Moos und Mäuse“ (2017).

Im Ensemble-Spiel gibt die gestandene Mimin ihre Erfahrungen gern an andere Akteure weiter. Und sie hofft, dass sie bald wieder gesund wird. „Im Sommer will ich schließlich wieder auf der Bühne stehen“, sagt Helga Wienhöfer.

Zur Person

Helga Wienhöfer wurde am 2. Mai 1928 in Fürstenwalde geboren. Nach dem Krieg absolvierte sie am Schauspielhaus Köthen eine Ausbildung. Es folgten Engagements als Schauspielerin und Soubrette, u. a. in Köthen, Senftenberg, Güstrow, Stralsund und Wittenberg. Ab 1970 Leiterin des Kreiskulturhauses Wittenberg. Mit Umzug nach Barth übernahm Helga Wienhöfer 1974 die Leitung des Klubhauses.

Heute lebt die Schauspielerin in Barth.

Thorsten Czarkowski

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