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Kultur Immer ein Hauch von Melancholie
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00:00 23.03.2017
Er machte den Swing wieder populär: Roger Cicero. Der Sänger ist vor einem Jahr gestorben. Quelle: Foto: Hfr

Hamburg. Lässig in Jeans, Lederjacke und mit Schiebermütze kam er ins Café „Elbgold“ in Hamburg-Winterhude. Etwas kleiner und schmaler als vermutet wirkte er. Roger Cicero hatte sich diesen Treffpunkt ausgesucht für unser Interview vor fünf Jahren. Sein Stammlokal, erzählte er, und dass er Hobby-Barista sei und Maschinen-Kaffee hasse. Wir haben über sein viertes Album gesprochen, musikalisch vielschichtiger als die Vorgänger, ein Mix aus Swing, Soul, Jazz und Pop und wie immer mit sattem Big-Band-Sound, seinem Markenzeichen. Er war 41 Jahre alt und voller Energie.

Ein Jahr nach dem Tod von Roger Cicero erscheint ein Best-of-Album mit einem neuen Song.

Dann die schockierende Nachricht im vergangenen Jahr: Am 24. März ist Roger Cicero nach einem Hirnschlag gestorben.

Jetzt, ein Jahr nach seinem Tod, hat Sony Music sein musikalisches Vermächtnis mit dem Album „Glück ist leicht – Das Beste von 2006 bis 2016“ herausgebracht. Darauf sind seine beliebtesten und bekanntesten Hits, wie „Zieh die Schuh aus“, „Ich atme ein“, „Murphys Gesetz“ und „Frau’n regier’n die Welt“, mit dem er 2007 beim Eurovision Song Contest auf Platz 19 für Deutschland landete.

Auch Melancholie durchwehte immer seine Texte, bei den letzten Alben stärker als am Anfang. Gedanken an den Tod formuliert er in dem nachdenklichen Song „Wenn es morgen schon zu Ende wär“ oder in „In diesem Moment“, der nach seinem Tod 2,5 Millionen Mal im Netz geklickt wurde. Auch diese Lieder sind auf der Best-of-CD zu hören, wie die Ballade „Ich hätt so gern noch Tschüss gesagt“, in der er die Trauer über den frühen Tod seines Vaters verarbeitet hat. Der erfolgreiche Jazz-Pianist Eugen Cicero war 1997 im Alter von 57 Jahren an einem Schlaganfall gestorben. „Ich glaube, er hat immer damit gerechnet, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen könnte“, sagte der Produzent und Freund Roger Ciceros, Roland Spremberg, kürzlich in einem Interview. Deshalb habe Roger sehr intensiv gearbeitet:

„Immer ganz viele Pläne, drei Platten auf einmal und das nächste Projekt in Planung“.

Und vielleicht hat er deshalb auch so gesund gelebt. Er habe früher stark geraucht, zwei Schachteln pro Tag, erzählte er damals im Café „Elbgold“, aber dann habe er kurz nach Silvester 2000 von heute auf morgen aufgehört. Er habe auch keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Seine einzigen Laster seien Kaffee und Schokolade, verriet er lächelnd. Viel Sport habe er gemacht, Power-Yoga. Und vor jedem Auftritt ein, zwei Handstände, um den Kreislauf anzukurbeln. Die musikalische Bandbreite des Sängers dokumentieren die letzten drei Songs auf dem Best-of-Album, sie stammen von der 2015 in Hamburg live aufgenommenen CD „Cicero Sings Sinatra“, am Ende natürlich das unvermeidliche „My Way“. Mit seinem Jazz-Projekt kehrte Cicero zu seinen Wurzeln zurück und wurde dafür 2016 posthum beim Jazz-Echo als Sänger des Jahres national ausgezeichnet.

Auch zwei bisher unveröffentlichte Lieder sind zu hören: eine Bossa-Nova-Version des Hits der Sportfreunde Stiller, „Ein Kompliment“, und das Liebeslied „Eine Nummer zu groß“. Es war bereits für das nächste Album geplant und stammt von einer Demo-Aufnahme. Roger Cicero singt im Refrain: „Besser als jetzt kann es einfach nicht mehr werden.“

Petra Haase

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