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Kultur Immer schön neugierig
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00:00 29.11.2016
Hans-Joachim Wolfram (2.v.r.) 2002 mit Co-Moderatorin und Ex-Eiskunstlaufweltmeisterin Christine Trettin-Errath (Mi.), zwei nackten Damen und dem Bürgermeister von Loddin auf Usedom vor dem Denkmal „Der FFK-Fernsehreporter...“ - zum 30. Jubiläum von „Außenseiter - Spitzenreiter“. FOTO: DPA

Am Ende war er eine demontierte Fernseh-Legende. Der Mitteldeutsche Rundfunk wollte unbedingt das Programm verjüngen – und löste Hans-Joachim Wolfram Ende 2011 ab.

Die Zuschauer nahmen das übel. Nachfolgerin Madeleine Wehle kam nie wieder auf jene Quoten, die der Meister der Neugier erreichte. Mit Hans-Joachim Wolfram hatte der Ex-Quoten-Hit des DDR-Fernsehens sein Herz, seine Seele, seine Stimme verloren.

Begonnen hatte alles 39 Jahre zuvor. Am 18. Juni 1972 tauchte Hans-Joachim Wolfram mit seinem Magazin für Neugierige erstmals auf dem DDR-Bildschirm auf. Der wurde damit gleich bunter, obwohl Filme und Moderation nur Schwarz-Weiß waren. Die Geburtsstunde eines unterhaltsamen Geschichtenreigens, der nicht nur in der DDR alle politischen Kursänderungen überlebte, sondern auch die Wende. Dabei klingt der Titel, als wäre er für eine Unterhaltungsshow der 50er Jahre erfunden. Aber „Außenseiter - Spitzenreiter“ mit seinen skurrilen bis grotesken Fragen und seinen Reportagen, die nah am privaten Erleben und erfrischend anders erzählt waren, passte in jene Zeit, in der mit der „Konsumgüterproduktion“ der Kaufalltag der DDR freundlicher werden sollte. Da setzte auch Adlershof auf Alltags-Unterhaltung.

Das war die Stunde von Hans-Joachim Wolfram aus Dresden, gelernter Elektriker, Reporter bei Radio Dresden seit 1957 („Für Unbefugte Zutritt verboten“), der 1970 beim DDR-Fernsehen landete und 1972 mit dem „Kundendienst für Neugierige“ loslegte. Der wurde dann die am längsten auf deutschen Bildschirmen laufende Unterhaltungssendung. Was zum einen für den neugierigen Hans-Joachim Wolfram spricht, zum anderen für seine Idee. Die lebte natürlich auch von den Einsendungen der Zuschauer. Auf die konnte er sich verlassen. Wolfram hatte etwas geschafft, was nicht alle schaffen: Man vertraute ihm.

Was er anfasste, das wurde mit Ernst betrieben, auch wenn es ironisch-lächelnd daherkam. Der Sprichwort-Test mit der Elefantendame im Porzellanladen wurde da ebenso legendär wie die FKK- Strand-Besuche von Reporter Hans-Joachim Wolle, den Christine Stüber-Errath 1993 ersetzte.

Hans-Joachim Wolfram erfand auch „Wennschon dennschon“ (43 Ausgaben) und moderierte die Show bis 1992 ebenso lässig-salopp wie „Ein Kessel Buntes“.

Am 16. November ist Hans-Joachim Wolfram, wie erst gestern bekannt wurde, in einer Klinik in Berlin-Köpenick mit 82 Jahren gestorben. Der Berufs-Neugierige, der gern Traberrennen fuhr, Opern, Jazz, Eisstockschießen, Dresdener Fußball liebte und 2012 eine Blasenkrebs-Erkrankung überstand, hinterlässt seine Frau, vier Töchter und Enkelkinder.

Norbert Wehrstedt

OZ

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