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Kultur „In Miami, da hasst jeder jeden“
Nachrichten Kultur „In Miami, da hasst jeder jeden“
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00:00 06.03.2013
Von Liliane Jolitz
Schriftsteller Tom Wolfe (82) lebt auf Long Island. Quelle: Zapf/AKG
Miami

„Back to Blood“ spielt in Miami, wo schon jetzt Realität ist, was die USA bald prägen wird: Einwanderer bilden die Mehrheit der Bevölkerung, Englisch könnte bald nicht mehr die am häufigsten gesprochene Sprache sein. In „Back to Blood“ dürfen sich Weiße angelsächsischer Abstammung schon jetzt als Mitglieder eines „schrumpfenden und bedrohten kleinen Stammes“ fühlen.

Vier Jahre lang hat Wolfe an seinem vierten Roman geschrieben, sieben Millionen Dollar Vorschuss soll er bekommen haben. Sein scharfer Blick richtet sich von oben auf Weiße, Kubaner, Haitianer und Russen, die auf der Suche sind nach Geld, Ruhm, Aufstieg, Macht, Anerkennung, Beachtung, Sex oder allem zusammen. Wolfe schickt seine Protagonisten in einen Kampf aller gegen alle. „Wenn Sie Miami wirklich begreifen wollen, müssen Sie vor allem eins begreifen: In Miami, da hasst jeder jeden“, lässt er den kubanischen Bürgermeister sagen.

In dieser Schlangengrube muss sich Nestor Camacho behaupten, ein junger Polizist kubanischer Herkunft. Bei einem spektakulären Einsatz auf einer Luxusyacht rettet er einen Flüchtling. Heldenruhm jedoch gewinnt er nicht. Stattdessen wird er von der kubanischen Gemeinde zum Verräter gestempelt, weil er den Flüchtling aus einer lebensbedrohenden Lage befreite, bevor dieser amerikanischen Boden betrat und er deshalb zurückgeschickt wird nach Kuba. Weiterer Schlag für Nestor: Von seiner Freundin Magdalena, die er vergöttert, bekommt er den Laufpass. Magdalena, die kubanische Wurzeln hat, fühlt sich von ihrem schillernden Chef mehr angezogen als von dem biederen Polizisten.

Von Oberflächlichkeit und der Hingabe an den schönen Schein angetrieben ist ihr Chef, ein Psychiater, der sich auf die Therapie pornosüchtiger Patienten spezialisiert hat. In dem 768-Seiten-Wälzer werden ausschweifende Partys gefeiert, ein junger Journalist ist einem Skandal um gefälschte Kunst auf der Spur. Keiner traut dem anderen, erst recht nicht, wenn er einer anderen Bevölkerungsgruppe angehört. In Wolfes Multikulti-Miami finden die Menschen Identität und Rückhalt höchstens beim eigenen Stamm („Back to Blood“). Es gibt fesselnde und witzige Passagen, zum Beispiel, wenn Wolfe den Redaktionsalltag beim „Miami Herald“ beschreibt oder über den Kunstbetrieb herzieht. Sein comichafter Erzählstil aber macht die Lektüre bisweilen mühevoll. „Klatsch“ macht es, wenn Nestor Camachos Patrouillenboot auf dem Wasser aufschlägt, „klatsch“ und immer wieder „klatsch“. „Piep piep piep piep piep“ begleitet die Ankunft einer SMS, „Beat klong Beat klong Beat klong“ dröhnt die Musik auf einer Bootsparty. Häufige Wiederholungen blähen den dicken Roman unnötig auf.

Der Schriftsteller-Dandy Wolfe, der sich in der Öffentlichkeit stets im weißen Anzug präsentiert, arbeitet auch in seinem neuen Roman mit schriller Übertreibung. In „Back to Blood“ sind manche Charaktere so stark überzeichnet, dass man leicht die Lust an ihnen, ihren Exzessen, ihrer Oberflächlichkeit und ihren Obszönitäten verliert. Manchmal wird‘s einfach nur unappetitlich („Fleischmann fasste sich so unauffällig wie möglich in den Schritt und versuchte, sich an seinen juckenden Herpespusteln zu kratzen“). Die größte Schwäche des Romans aber ist: Wolfe schickt seine Protagonisten in eine Art Bürgerkrieg. Innere Konflikte und Widersprüche, die die Personen und die Handlung lebendig und interessant machen würden, kommen kaum vor. So ähnelt „Back to Blood“ der Welt, die darin beschrieben wird: grell, überspannt, aufgeregt, schreiend bunt — und auf Dauer ziemlich ermüdend.

Buchtipp: „Back to Blood“ von Tom Wolfe, Blessing Verlag, 768 Seiten.

Liliane Jolitz

1998 organisierte die Abenteuertouristin Karin Haß eine Faltboottour in Sibirien, fünf Jahre später wiederholte sie das Projekt. Sie lebt heute zehn Monate im Jahr im Dorf Srednaja Oljokma, 1700 Kilometer östlich des Baikal.

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