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22:47 12.03.2013
Giuseppe Tornatores Drama "The Best Offer" lief mit Erfolg bei der Berlinale. Quelle: 2012 Warner Bros. Ent.
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Virgil Oldman ist 63, aber die Liebe hat ihn noch nie sonderlich interessiert. Die Frauen, die er bewundert, schweigen. Sie hängen bei ihm in einem riesigen, geheimen Hinterzimmer an der Wand. Als Kunstexperte und Auktionator sammelt er heimlich wertvolle Porträts von Frauen, deren Anblick er still genießen kann. Dann jedoch erhält er einen Auftrag, der sein Leben für immer verändern wird. Giuseppe Tornatores Beziehungsdrama "The Best Offer" lief mit großem Erfolg bei der diesjährigen Berlinale in einer "Special Gala" und startet nun in den Kinos.

Claire (Sylvia Hoeks) ist 27. Eine junge, alleinstehende Frau, die erwägt, den Familienbesitz aus ihrer Villa zu veräußern. Sie nimmt Kontakt zu Virgil (Geoffrey Rush) auf, der einer der renommiertesten Kunstexperten der Welt ist, und bittet ihn zu sich nach Hause. Virgil kommt nach einigem Zögern der Einladung nach und entdeckt tatsächlich eine Vielzahl interessanter Kunstgegenstände. Und darüber hinaus einige merkwürdige Metallteile, die er seinem jungen Freund Robert (Jim Sturgess) zeigt, einem talentierten Bastler. Nur: Claire, die als einzige Person in dem Haus wohnt, bekommt er nie zu Gesicht.

Sie spricht mit ihm am Telefon und vor Ort durch eine verschlossene Tür. Virgil, der zu Arroganz und Überheblichkeit neigt, verweigert sich zunächst dieser Form der Kommunikation, doch nach und nach erwacht die Neugier in ihm und mit ihm beim Publikum. Wer ist diese Frau? Warum zeigt sie sich nicht? Was ist ihr Geheimnis? Ist sie womöglich gar äußerlich entstellt?

Virgil entschließt sich zu einem mutigen Schritt. Er versteckt sich in Claires Haus und wartet. Die Tür öffnet sich langsam. Regisseur Giuseppe Tornatore zelebriert diesen außergewöhnlichen Kinomoment, wohl wissend, dass er dem Zuschauer, der Claire bis dahin ebenso nicht zu Gesicht bekam, etwas ganz Besonderes zu bieten hat: Sylvia Hoeks, ehemals Model, gehört seit einigen Jahren zu den vielversprechendsten Newcomerinnen Hollands und erhält in "The Best Offer" fortan die größtmögliche Bühne.

"Agoraphobie" ist der Fachbegriff für die Angst vor bestimmten Orten. Eine seltene Krankheit, die sogar dazu führen kann, dass Betroffene ihr eigenes Haus nicht mehr verlassen. Sigmund Freud sah in ihr gar die "Angst vor der Versuchung". Doch eben jene Angst umgibt fortan Virgil Oldman, dessen geregeltes Leben nach dieser ersten Begegnung aus den Fugen zu geraten droht. Still beobachtet er das viel jüngere Mädchen zunächst, bewundert es wie seine Malereien. Doch bald schon fliegt seine Deckung auf, und es entwickelt sich eine diffuse Beziehung zwischen den beiden Einzelgängern.

Fast eine Stunde ist zu diesem Zeitpunkt bereits vergangen, und Tornatores Films wird fortan gewöhnlicher, ohne dass die besondere Spannung, die ihn von Anfang an umgab, leidet. Worauf das alles hinauslaufen soll, fragt sich der Betrachter unentwegt. Auf die Liebe? Gar auf den Tod? Sonderlich gut, ahnt man, kann diese Konstellation nicht enden. Oder eben gerade doch?

Tornatores Drehbuch wagt viel, geht immer wieder über die Grenzen des Glaubhaften hinaus, hält das Interesse der Zuschauer aber auf äußerst kluge Weise aufrecht. Inmitten der monströsen Villa entsteht auch dank Ennio Morricones nachhaltiger Musik eine mysteriöse Atmosphäre, die den Film elegant zwischen Drama, Romanze und Thriller taumeln lässt. Und wer Tornatores Arbeiten kennt ("Der Zauber von Malena", "Die Legende des Ozeanpianisten"), der weiß, dass der Italiener auch gegen Ende hin stets noch einiges im Köcher hat.

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