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Ines Geipel porträtierte die „Generation Mauer“

Berlin Ines Geipel porträtierte die „Generation Mauer“

Schriftstellerin legt Buch über die gesellschaftliche Nachkriegsentwicklung der DDR mit all ihren Widersprüchen vor.

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Die Schriftstellerin Ines Geipel (53)

Berlin. Nach der „Generation Golf“, der „Generation X“ und den heute 50 Jahre alten westdeutschen „Babyboomern“ des Jahrgangs 1964 nun also die „Generation Mauer“. Die in Dresden geborene Autorin und frühere Leistungssportlerin Ines Geipel (53) versucht sich in ihrem neuen Buch („Generation Mauer — Ein Porträt“, Klett-Cotta) an einem Porträt ihrer aus der DDR stammenden Altersgenossen, also der heute um die 50 Jahre alten Zeitgenossen, die die Hälfte ihres Lebens in einer „Fußnote der Geschichte“ (wie Stefan Heym die DDR nannte) verbracht haben und die andere Hälfte bereits in einem vereinten Deutschland zuhause sind. „Es ist eine Generation, die erstens ein vollständiges Leben vor 1989 hatte, die sich zweitens ein vollständiges nach 1989 aufgebaut hat und die drittens durch den Systemschnitt 1989 regelrecht konstituiert wurde“, heißt es im Buch. „25 plus 25 plus Bruch.“

Das passende Buch also scheint es zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in diesem Jahr zu sein. Aber Begriffe wie „Lebensbrüche“ und „Generation“ werden allzuoft auch überstrapaziert. Auch an anderen Sprachhülsen und überhöhten Metaphern fehlt es nicht in Geipels Buch. „In die Leere seiner Zeit“, die „Halden des Unverfügbaren“, „Leidvolumen“ und „Schmerzwerkstätten“ sind Beispiele dafür, und natürlich ist man bei Geipel auch „angekommen in der Geschichte“, wo auch immer das sein mag. Kaputte Elternhäuser, über die Vergangenheit schweigende oder prügelnde Väter soll es überall gegeben haben und leider auch weiterhin geben, ob im Westen oder Osten. Aber natürlich gab es auch besondere ostdeutsche Varianten und Prägungen. So sind die „Mauerkinder“ in der DDR auch in einer „Verratskultur“ groß geworden, auch IM-Spitzel gehörten zur „Generation Mauer“ (ob Vater, Freund oder Klassenlehrer). Doch gab es ja auch die anderen Elternhäuser, in denen ein protestantisch-philosophisch grundiertes „Ich nicht“ als „bürgerliches“ Lebensmotto galt. Und „die DDR und der große Zusammenhalt, das ist ein ewiger Mythos“, meint einer der Gesprächspartner der Autorin.

Aber Geipel gelingt ein durchaus auch lesenswerter Abriss der gesellschaftlichen Nachkriegsentwicklung der DDR mit all ihren Widersprüchen in Gesellschaft und Familie, die es mit anderen Vorzeichen ja auch im Westen gab. Sie vermittelt eindrucksvoll den „Geschmack der 60er Jahre“ (Ausgabe Ost), berichtet in persönlichen Bildern vom Fluchtsommer und Revolutionsherbst des Jahres 1989 („Vielleicht waren die Novembertage einfach zu groß für den Einzelnen“) und wirft auch ein neues Licht auf die erste freie Massendemonstration auf dem Ostberliner Alexanderplatz am 4. November 1989. „Die DDR war ein spießiges, düsteres, irgendwie suspektes Land. Wir hatten keine Fragen zu ihr. Sie war nicht unser Problem“, erinnert sich einer von Geipels Gesprächspartnern.

 



Wilfried Mommert

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