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Innig und wissend mit Werk Beethovens vertraut

Ulrichshusen Innig und wissend mit Werk Beethovens vertraut

Rudolf Buchbinder (66), der Wiener Großmeister des Beethoven-Klavierspiels, der gegenwärtig alle 32 Beethoven-Sonaten als Zyklus aufführt, ...

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Heinz-Jürgen Staszak über das 4. Sinfoniekonzert in Schwerin

Ulrichshusen. Rudolf Buchbinder (66), der Wiener Großmeister des Beethoven-Klavierspiels, der gegenwärtig alle 32 Beethoven-Sonaten als Zyklus aufführt, gab bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern in Ulrichshusen einen Ausschnitt daraus, wenn auch mit variierter Reihenfolge.

Einsetzend mit der „Pathétique“ (c-Moll, op. 13) über die „Mondschein-Sonate“ (cis-Moll, op. 27), dann (statt einer erwartbaren Sonate aus op. 31) als weckender Bruch über die frühe F-Dur-Sonate aus op. 10 führte der Weg zur vorläufigen Endstufe, zur „Appasionata“ (f-Moll, op. 57) — als zweite Zugabe reichte er dann doch noch das Finale der Nr. 2 aus op. 31 nach. Und dann erhob sich das Publikum von den Sitzen — und es war nicht klar, war es Begeisterung oder Verehrung. Denn Buchbinders Beethoven-Spiel zielt nicht auf jene überbordende Eindruckskraft, deren Resultat überrumpelte Begeisterung ist. Er muss nicht mehr mit Beethoven kämpfen. Er muss ihn sich nicht erobern oder gefügig machen und dies vorführen. Er ist so innig und wissend mit ihm vertraut, dass er ihn mit gelassener und abgeklärter Souveränität und höchster technischer Meisterschaft vor uns hinstellen kann. Nicht als der heroische Titan, der in den gegensätzlichen Zonen der dramatischen Entschlossenheit und der Empfindsamkeit stets bis an die Schmerzgrenzen geht.

Buchbinder mit seinem ausgespielten Beethoven-Legato, mit den reich modulierten Klangfarben, mit dem Mut zu ungewöhnlichen Übergängen und Aushaltungen legt gleichsam die Wurzel dieser Gegensätze bloß. Er spielt eigentlich gar keine formalen Sonaten mehr, sondern Erzählungen von der Fülle, den Schwierigkeiten und Triumphen der Ichwerdung des menschlichen Geistes, in denen die bloßen Gegensätzlichkeiten zu einem bewegten, aber niemals diffusen Fließen werden, in dem das eine sich im Anderen verbirgt und spiegelt, dieses aus jenem und jenes aus diesem hervorgeht.

So erklang Beethoven hier nicht wie zu seiner Zeit, als — wie wir glauben — stets kampfbereiter revolutionärer Rebell, auch nicht wie unsere Zeit ihn mag, als schnittiger Spender „großer Emotionen“, sondern so, wie er vielleicht bleiben wird, in der stillen, aber unaufhebbaren Übermacht seiner geistigen Größe.

 

OZ

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