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„Insgeheim Lohengrin“ und die Angst vor der Lächerlichkeit

Wagner-Leidenschaft „Insgeheim Lohengrin“ und die Angst vor der Lächerlichkeit

„Insgeheim Lohengrin“ zeigt fünf Menschen, die glühende Verehrer des Komponisten Richard Wagner sind. Sie wiegen sich zur Musik, mit geschlossenen Augen und spielen die Rollen nach. Doch wo kann man diese Leidenschaft ausleben, ohne sich lächerlich zu machen?

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Der lettische Regisseur Alvis Hermanis zeigt in „Insgeheim Lohengrin“ fünf Menschen in ihrer Verletzlichkeit und ihrer komischen Schrulligkeit, ohne sich lustig zu machen.

Quelle: Barbara Gindl

München. Wenn die ersten Töne der Oper „Lohengrin“ erklingen, geraten Helga, Eskil, Kathi, Otto und Heiner in Ekstase. Sie schließen die Augen und wiegen die Arme im Takt der Musik, als würden sie ein unsichtbares Orchester dirigieren.

Der lettische Regisseur Alvis Hermanis zeigt in „Insgeheim Lohengrin“ fünf Menschen, die sich drei Mal pro Woche konspirativ treffen, um ihrer Leidenschaft für die Musik Richard Wagners zu frönen. Eine verschrobene Gemeinschaft, in der sie sich auch Alltagsgeschichten erzählen. Trotzdem bleibt jeder in seiner Einsamkeit gefangen. Die Premiere am Freitagabend im Cuvilliéstheater in München war eine gelungene Vorstellung - ebenso nachdenklich wie vergnüglich.

Es wirkt ein bisschen wie die Live-Rollenspiele, die in Genres wie Fantasy oder Science Fiction treue Anhänger haben - dieses Mal eben für Wagner-Liebhaber. Die Musik und die Geschichte von „Lohengrin“ sind das verbindende Element. Und wenn alle richtig versunken sind und in ihrer Rolle aufgehen, geschieht das Unfassbare: Der Schwanenritter erscheint wahrhaftig.

Die Wagner-Fans meinen es wirklich ernst mit ihrer Begeisterung. Warum sie sich heimlich treffen und keiner von ihrer Vorliebe wissen darf, kann man nur ahnen. Vermutlich, weil sie sich nur so sicher sein können, dass niemand sie auslacht für ihre extreme Schwärmerei. Hier kommt es keinem seltsam vor, wenn sich die üppige Helga und die kitschverliebte Kathi darum streiten, wer die hübsche Elsa spielen darf, in die sich „Lohengrin“ verliebt. Oder wenn sich Heiner seinen Stuhl so dreht, dass er mit dem Gesicht fast die Wand berührt, um sich ungestört in die Musik versenken zu können.

Das gemeinsame Musikhören verbindet, und zwischendurch geraten die fünf ins Erzählen. Sie sinnieren über die historischen Wurzeln der Oper und plaudern aus ihrem Leben - alltägliche Geschichten, wie sie Hermanis gerne einbaut. Kathi ist Bibliothekarin und empfindet ein sinnliches Vergnügen, wenn sie Bücher in der Hand hält und deren Duft einatmet. Eskil ist Norweger und hat eine unglückliche Ehe hinter sich.

Helga ist einsam und hat ihr Bett voller Kissen: Keilkissen, Bauchschläferkissen, Kuschelkissen. Und Heiner liebt deftiges Essen, beim Haxenbauer. Hermanis zeigt die fünf in ihrer Verletzlichkeit und ihrer komischen Schrulligkeit, ohne sich lustig zu machen. Man bewundert diese Figuren, wie sie in ihrer Leidenschaft aufgehen. Nur den letzten, eigentlich naheliegenden Schritt schaffen sie nicht: Sich anzufreunden und sich die Gemeinschaft zu geben, nach der sie sich alle irgendwie sehnen.

Am Ende gab es großen Beifall für Hermanis, aber auch für die Schauspieler Manfred Zapatka, Ulrike Willenbacher, Charlotte Schwab, Wolfram Rupperti und Paul Wolff-Plotteg. Eigentlich hätte Hermanis den echten „Lohengrin“ inszenieren können, an der Pilgerstätte für Wagnerianer schlechthin: auf dem Grünen Hügel in Bayreuth.

Der Leiter des Neuen Theaters Riga war für 2018 im Gespräch, zog sich aber im vergangenen Jahr überraschend aus den Verhandlungen mit den Bayreuther Festspielen zurück. Auch in Hamburg hatte er 2015 eine geplante Inszenierung abgesagt und für einen Eklat gesorgt. Seine Begründung: Protest gegen das Eintreten des Theaters für Flüchtlinge. Er halte das humanitäre Engagement für falsch und wolle damit nicht in Verbindung gebracht werden, hatte er damals begründet.

dpa

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