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Kultur Intelligentes Amüsement: Hindemith-Oper „Neues vom Tage“
Nachrichten Kultur Intelligentes Amüsement: Hindemith-Oper „Neues vom Tage“
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00:16 07.05.2018
Szene aus „Neues vom Tage“ am Mecklenburgischen Staatstheater: Yoontaek Rhim, Karen Leiber, Itziar Lesaka, Christian Hess (v.l.). Quelle: Foto: Silke Winkler
Schwerin

„Neues vom Tage“ – mit dieser Lustigen Oper von Paul Hindemith hat das Schweriner Theater sein Premierenpublikum am Freitag im Großen Haus überrascht, verblüfft, begeistert.

1929 in der Berliner Krolloper uraufgeführt wird die Hindemith-Oper mit einem Libretto von Marcellus Schiffer – einem „Ahnherren“ des deutschen Kabaretts – äußerst selten gespielt. Anerkennenswert, dass sich Operndirektor Toni Burkhardt als Regisseur und Kapellmeister Gabriel Venzago als musikalischer Leiter an diese schwierige Produktion wagten. Schwierig, weil die Oper an die Sängerinnen und Sänger, den Chor und das Orchester höchste Anforderungen stellt, die in der Schweriner Inszenierung aufs Beste bewältigt werden. Schwierig ist das Stück auch für die Zuschauer: Die Musik verlangt Konzentration, wenn man die Persiflagen großer Arien und Duette von Richard Wagner und Richard Strauss erkennen und genießen will.

In der in den späten 1920er Jahren angesiedelten, stimmigen und dem Inhalt gerecht werdenden Ausstattung – Bühne: Wolfgang Kurima Rauschning, Kostüme: Anja Schulz-Hentrich – wird eine Story erzählt, die auch heute passieren könnte und passiert: Laura (Karen Leiber) und Eduard (Yoontaek Rhim) sind frisch verheiratet und zanken sich ständig. Ein Zustand, den Frau M (Itziar Lesaka) und Herr M (Christian Hees) hinter sich haben, die beiden sind glücklich geschieden. Geschehen mit Hilfe des schönen Herrn Hermann (Matthias Koziorowski), der sich beruflich als Scheidungsgrund zur Verfügung stellt – mit vollem Körpereinsatz in einer Badewanne. Der Skandal ist da, das Geld ist weg, die Scheidung in weiter Ferne , die Gesellschaft klatscht und tratscht. Da kommt das Angebot von sechs Managern, die die Geschichte vermarkten wollen, gerade recht. Nur bedenke: Wer sich mit Hunden – hier den Medien – ins Bett legt, der steht mit Flöhen auf. Laura und Eduard können zwar ihre Schulden bezahlen, kommen aus ihrer Reality-Soap aber nicht mehr raus.

„Neues vom Tage“ ist eine Parodie auf die nachwilhelminische Zeit, die wilden zwanziger Jahre und ein Spiegel menschlicher Charaktere und Verhaltensweise: Erst, wenn ich in den Medien bin – egal wie peinlich – dann bin ich, Selbstvermarktung bis zur Selbstaufgabe. Die Schweriner Inszenierung der Oper ist flüssig, gut gesungen und mit Witz gespielt – ein zweistündiges intelligentes Amüsement.

Nächste Vorstellung am 10. Mai, 18 Uhr im Großen Haus in Schwerin

Karin Gustmann

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