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Intensive Klangspiele der musikalischen Gegensätze

Rostock Intensive Klangspiele der musikalischen Gegensätze

Pianist Florian Krumpöck stellt Dvorák-Konzert vor

Rostock. Zwei gegensätzliche Werke koppelte Gastdirigent Marcus Bosch (46) im 8. Philharmonischen Konzert der Norddeutschen Philharmonie Rostock miteinander: das einzige Klavierkonzert (1878) von Antonín Dvorák und das Konzert für Orchester (1944) von Béla Bartók, eines der bedeutsamsten Werke der klassischen Moderne.

Pianist Florian Krumpöck (37), einst Rostocker Orchesterchef, stellte seine vielleicht noch nicht ganz ausgereifte Einstudierung des Dvorák-Konzertes vor. Er probierte eine eigene Bearbeitung des Klaviersatzes, um ihre inspirative Kraft zu erkunden.

Es schien, als wolle er im Gang des Konzertes die Emanzipation des Klaviers vom Orchester vorführen: Im ersten Satz noch verwickelt im Dialog mit dem Orchester, im zweiten Satz seinen innigen Linien fast eine gläserne Kühle entgegensetzend, um dann erst im dritten die Führung anzustreben. Aber das Rostocker Publikum liebt seinen Pianisten Florian Krumpöck und sparte nicht mit Beifall.

Mit Bartóks Orchesterkonzert führte Bosch dann in seinem dritten Rostocker Gastdirigat die Philharmonie erneut zu einer erstaunlichen Leistung: intensiv musizierend, mit der bei Bartók unerlässlichen rhythmischen Genauigkeit, mit charakteristischen Klangmischungen. Besonders erhellend das geistige Konzept, mit dem Bosch vorführte, dass hier nicht nur in einer neuen Tonsprache geredet, sondern in ihr auch Neues gesagt wird: Nämlich die Ambiguität von finaler (sinfonischer) und Zentrums-Struktur, manifestiert in der fünfsätzigen Bartókschen Brückenstruktur.

Der langsame Mittelsatz, die „Elegia“, eine „kummervolle Klage“, wird in ihrer Intensität zum geistigen Kern, mit schneidenden Schmerzausbrüchen und einsamer Verlorenheit, die auch durch das Finale nicht aufgehoben werden, konterkariert durch die fast marionettenhafte Lustigkeit der beiden barockartig konzertierenden Intermezzi.

Der im Finale sich freiringende Tanzschwung bleibt angestrengt und auch — trotz seines wohl abgemessenen Triumphes — nicht ungefährdet. Das aufbrechende Licht löscht die Dunkelheit nicht aus.

OZ

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