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Intimität im Tanz und atemberaubende Akrobatik

Greifswald Intimität im Tanz und atemberaubende Akrobatik

Zwei Stücke, zwei Choreografen: Premiere bei TanzZeit am Theater Vorpommern

Greifswald. Zwei Choreografinnen, zwei Stücke. Das ist TanzZeit am Theater Vorpommern. In Greifswalder Theater war am Sonnabend Premiere auf der Hinterbühne.

Ihre Bewegungen wirken wie im Zeitraffer und es ist völlig unvorhersehbar, wo sie sich in der nächsten Millisekunde hinwenden werden, an welchem Bein sie sich vergreifen werden, wem sie an den Hals fallen, wie sie ihr Gegenüber herumzerren oder selbst in die Luft gewirbelt werden. Es ist erst einmal zutiefst verunsichernd. „Blinzeln, Zwinkern und Drehen“ heißt das Stück für sieben Tänzer und Tänzerinnen von Maura Morales.

Man sieht da etwas, was man zunächst nicht sehen will. Aha, da ziehen sich Menschen aus. Das ist eine ziemlich intime Angelegenheit. Und ein bisschen verschämt nähern sie sich denn auch der Bühnenkante. Diese Art der Entblößung setzt sich im Spiel fort. Sie ziehen an sich herum. An der Zunge, an ihrer Haut, am Anderen. Natürlich stehen da zierliche Muskelpakete, aber man spürt, wie sie langsam in dieser unerträglichen Unmittelbarkeit eine Blase um sich bilden. Die Energien von Außen, die Gier des Zuschauers braut sich zusammen zu einer spürbaren Aura, der Gier des Zurschaustellens.

Maura Morales ist krass! Sie geht auch in ihren Soloprogrammen an Grenzen des unerträglich Selbstzerstörerischen. Eine Künstlerin, die mit dem Musiker Michio eine künstlerische Einheit bildet. Das ist die Musik zur größten Party des ganzen Lebens. Die final zur Ruhe kommt und sich in einer menschlichen Skulptur zurechtformt. Die Körper liegen am Boden, in der Mitte recken sich 14 Tentakel wie die Fruchtstengel in der Blüte einer fleischfressenden Pflanze empor.

Vera Sander schafft mit den sechs Tänzern in ihrem Stück „I dont know what the Body is“ ein ganzes Universum. Schwärze und sowas wie der gefürchtete Hades, eine höchst unerfreuliche Unterwelt, tun sich auf. Es sind da Wesen auf der Bühne im Dunkeln. Ja, das lässt sich erahnen, aber nun wachsen sie heran wie große Käfer. Und auch in dieser Produktion bestimmen die alles überlagernden Sounds die Körper-Performance. Hubschrauber, die sich herabsenken, rhythmisches Pochen, Wasserwirbel, Wasserfälle, Lawinen, Regen. Alles ist stärker, als ein kleiner Mensch aushalten könnte. Mal winden sie sich wie von Aliens besessene, wirbellose Schlenkerpuppen, mal sind sie wie Kolben einer stampfenden Maschine zur Synchronizität verdammt. Oder sie verflechten sich so ineinander, dass sich eher die Frage nach dem wohin des Körpers als die nach dem Vorhandensein an sich stellt.

Ballettchef Ralf Dörnen, könnte man denken, säße angstvoll dabei, voller Furcht um die ausgerenkten Gliedmaßen seiner Compagnie. Aber weit gefehlt: „Die TanzZeit ist für alle ein Gewinn!“ so Dörnen.

Für die Tänzer, das Publikum und für ihn selbst. Er sah mit großer Faszination zu.

Ein Abend. Zwei Knaller! Nächste Vorstellung ist am Freitag. Vormittags um 11! Auch mal schön.

Juliane Voigt

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