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Irre Schreie, viele Tote, noch mehr Applaus

Barth Irre Schreie, viele Tote, noch mehr Applaus

Premiere „Shakespeares sämtliche Werke, leicht gekürzt“ war Heidenspaß auf der Barther Boddenbühne.

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Auch Romeo und Julia sind schnell durch.

Quelle: Martina Krüger

Barth. Am Ende sind alle tot. Ganz klar, das kann nur „Hamlet“ sein. In der Rekordzeit von einer Minute wurde die Tragödie am Samstagabend auf der Barther Boddenbühne aufgeführt. Ganz famos. Vorhang, Applaus Applaus!

Nun, dem waren Shakespeares gesammelte Werke vorausgegangen. Das sind immerhin 37 abendfüllende Stücke. Aber das spielt sich flugs weg. In der „leicht gekürzten“ Variante von Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield reduziert sich das Gesamtwerk auf 90 Minuten. Dennoch waren nach der Premiere Publikum und Schauspieler gleichermaßen erschöpft.

Die Schauspieler, das wundert einen nicht, die hatten ja Sagenhaftes geleistet. Das Publikum aber auch. Erstens war es gezwungen, sich an den Rand des Wahnsinns zu lachen, und zweitens mussten alle auch noch ran und mitarbeiten. Besonders Kerstin. Und Uwe. Aber dazu kommen wir noch.

Alexander Pluquett, Fabian Quast, Benedikt Thönes und Anna-Maria Gesine Schreiber sind Absolventen der Theaterakademie Zinnowitz. Man möchte sie alle mit nach Hause nehmen. Denn es könnte immer so weiter gehen. Als John, Chris, Peter und Ruby verteilen sie sich auf fast alle Shakespeare-Rollen, die es gibt (Bühne und viele lustige Kostümideen von Ira Hausmann).

Regisseurin Cornelia Birkfeld blieb bei dem Stoffpensum gar nichts anderes übrig, als der Inszenierung ordentlich Zucker zu geben. Die drei Jungs müssen denn auch direkt aus einem Teilchenbeschleuniger auf die Bühne geschossen worden sein. Mit waghalsigem Körpereinsatz und Sprechexplosionen sind sie mit jeder Pointe präzise auf dem Punkt gelandet. Chris (Fabian Quast) auch immer wieder gerne auf irgendeinem Schoß im Publikum. Vorsicht also bei der Platzwahl! Wohingegen Ruby als Theaterfaktotum das Phlegma sämtlichen Hinterbühnenpersonals demonstrierte.

Und dann holten sie Kerstin aus der 1. Reihe auf die Bühne, weil sie meinten, das Publikum könne auch mal was tun. Kerstin, mehr weiß man nicht von ihr, hatte als Ophelia in „Hamlet“ einen irren Schrei auszustoßen. Und Kerstin war großartig. Den in ihr tobenden Orkan der Leidenschaften sichtbar zu machen, kostete einige Mühe, dafür stürzte Uwe — auch aus der ersten Reihe — als ihr aufgeregtes Unterbewusstsein vor ihr her und hin. Arme schwenkend schmetterte das Publikum wirre Sprechchöre, aber ihr Schrei wurde dann wirklich schön wahnsinnig. Auch Hamlets Stück im Stück ist ein gnadenlos durchgehaltenes Lausbubenstück, nicht geeignet für Kinder unter 16, aber die kriegt man ja eh nicht in Shakespeare. Oder doch? In den schon. Sehr, sehr gut!

Anna Zuther

OZ

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