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Ist die Theaterreform in MV gescheitert?

Rostock Ist die Theaterreform in MV gescheitert?

Nach der Absage der Stadt Rostock an eine Theaterfusion mit der Landeshauptstadt ist Schwerins Generalintendant Kümmritz ratlos.

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Brit Claudia Dehler und Özgür Platte in „Kleiner Mann, was nun?“ am Theater Schwerin.

Quelle: Administrator

Rostock. Wie geht es weiter mit der Theaterreform im Lande? Die Frage steht, nachdem am Wochenende die Hansestadt Rostock in Gesprächen mit dem Schweriner Kultusministerium und der Stadt Schwerin eine Vollfusion zwischen den beiden größten Stadttheatern Mecklenburg-Vorpommerns abgelehnt hatte. „Das Land bedauert die Rostocker Entscheidung, weil eine Zusammenarbeit aus unserer Sicht im Interesse der Theater und auch der Zuschauer läge“, sagte Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). „Die Landesregierung wird jedoch die Entscheidung der Hansestadt Rostock respektieren.“ Nun ist vieles wieder offen — oder zumindest unübersichtlich.

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Generalintendant Joachim K�mmritz.

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„Ich bin im Moment ratlos“, sagte gestern Schwerins Theaterchef Joachim Kümmritz. Der Generalintendant kündigte an, dass ab heute erneut ein Vertreter der Metrum GmbH im Schweriner Theater recherchiert. Das Münchener Unternehmen hatte im September 2012 ein Reformkonzept für die Theaterlandschaft in MV vorgestellt und damit die seit Jahren ergebnislosen Debatten um Kosten und Resonanz der hiesigen Bühnen erstmals auf die Basis vergleichbarer Zahlen gestellt. Mit neun Modellen (siehe Kurzinfos) hatte Brodkorb seither auf Eile gedrängt.

Und als sich im Westteil Mecklenburg-Vorpommerns die Hansestadt Rostock mit ihrem Willen zur Eigenständigkeit gegen die Schweriner Forderung nach einer Fusion wehrte, hatte das Kultusministerium Mitte März im Alleingang mit der Landeshauptstadt, aber ohne Rostock eine Vereinbarung („Letter of Intent“) unterzeichnet, die ausschließlich das „Modell 7“ (Vollfusion) vorsah.

Diese Eile rächte sich am Freitagabend: Als die Rostocker Delegation über mehrere Modelle (2, 4 und 7) sprechen wollte, sah sie sich ausschließlich mit der Schweriner Forderung nach einer Vollfusion konfrontiert und lehnte das konsequent ab.

Dass es auch ganz anders geht, zeigt der Osten Mecklenburg-Vorpommerns. Dort haben die betroffenen Kommunen und Kreistage für die Theater Vorpommern (Greifswald/Stralsund/Putbus) und Neubrandenburg/Neustrelitz einem eigenen „Letter of Intent“ zugestimmt. Der lässt die Modelle 4 und 7 sowie eine Variante „4a“ prüfen, nach der nur die beiden Orchester Neubrandenburgs und Stralsunds fusionieren, sagt Dirk Löschner, der Intendant des Theaters Vorpommern. Dieses Ergebnis kam weniger laut als das zwischen Schwerin und Rostock zustande. „Weil man hier seit längerem gewohnt ist, sich den Problemen zu stellen und sie nicht einfach zu verdrängen“, meint Löschner und verweist auf die Theaterfusionen der 90er Jahre.

Zur eigenen Sicherheit konnten die Vorpommern und Ostmecklenburger in ihr Strategiepapier hineinverhandeln, dass die Mittelverteilung zwischen dem Osten und dem Westen des Bundeslandes im jetzigen Verhältnis gewahrt bleibt.

In Schwerin und Rostock haben dagegen zwei Suchen nach tragfähigen Modellen begonnen. Für Schwerin kündigt sich die Lösung bereits an. Brodkorb bezeichnet das Theater der Landeshauptstadt und die Landesregierung weiterhin als „Vertragspartner“ — entsprechend dem erwähnten „Letter of Intent“, in dem vom „Staatstheater Mecklenburg“ die Rede ist. Heißt wohl: Das Land steigt als Theater-Gesellschafter in Schwerin ein.

Für Rostock kündigte Eva-Maria Kröger, Bürgerschaftsfraktionschefin der Linken, eine neue Strukturdebatte über das Volkstheater an. Bisher hätten sich hier alle ein wenig hinter der Diskussion um die Forderung der Landesregierung versteckt. „Aber hört man genau hin, haben wir in der Bürgerschaft keine Mehrheit mehr für das jetzige Modell eines Vier-Sparten-Theaters.“ Varianten seien in der Vergangenheit viele ausgearbeitet worden. Eine davon, nach der es in Rostock nur noch Schauspiel und Orchester geben soll, favorisiert Oberbürgermeister Roland Methling seit langem.

Noch vordringlicher ist nach Ansicht von Sybille Bachmann (Rostocker Bund) die Intendanten-Frage. Nächsten Dienstag werden die Kandidaten im Hauptausschuss angehört. Umstritten ist, ob mit der Kandidatenauswahl schon eine Vorentscheidung für ein künftiges Rostocker Theater-Modell feststeht.

Dietrich Pätzold

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