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Jahrhundert-Geiger mit goldenem Herz

Berlin Jahrhundert-Geiger mit goldenem Herz

Heute wäre Lord Yehudi Menuhin 100 Jahre alt geworden / 1994 weihte der Dirigent und Violinist die Festspielscheune Ulrichshusen ein

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Ulrichshusen 1994: Lord Yehudi Menuhin (1916-1999) mit dem English Symphony Orchestra bei der Einweihung der Festspielscheune.

Quelle: privat

Berlin. Yehudi Menuhin ist keine 13, als er sein legendäres „Konzert der drei B“ mit den Berliner Philharmonikern gibt. Das Publikum ist so begeistert von dem Wunderkind aus den USA, dass es den letzten Teil der Violinkonzerte von Bach, Brahms und Beethoven im Stehen hört. „Nun weiß ich, dass es einen Gott im Himmel gibt“, sagte ein tief berührter Albert Einstein.

Heute wäre der legendäre Geiger 100 Jahre alt geworden. Konzerthäuser in aller Welt feiern ihn mit Jubiläumsaufführungen. Sein Lebenswerk ist mit 80 CDs in einer Sonder-Edition erschienen. Bis heute gehört Menuhin zu den beliebtesten und brillantesten Musikern des 20. Jahrhunderts. Als Violinist, später Dirigent, zog er das Publikum mit seinem beseelten Zugang zur Musik in Bann. Mit Leidenschaft engagierte er sich für Frieden und Toleranz. „Mit seinem Tod ist die Welt ärmer geworden“, erklärte der Bundespräsident Roman Herzog, als Menuhin am 12. März 1999 mit 82 Jahren in Berlin starb.

Zur deutschen Hauptstadt hatte der Sohn jüdischer Eltern eine besondere Beziehung. Nach den Gräueln des Nazi-Regimes war er 1947 der erste jüdische Künstler von Rang, der wieder in Deutschland auftrat und die Hand zur Versöhnung reichte. „Die Erfahrung hat mich nicht davon überzeugt, dass die Musik vor der Unversöhnlichkeit der Menschen kuschen muss oder dass der Musiker nur dumpf vor sich hinfiedeln darf, wenn die Welt in Flammen steht“, notierte er in seinen Erinnerungen „Unvollendete Reise“. In New York geboren und in San Francisco aufgewachsen, hatte Menuhin den größten Teil des Lebens in Europa verbracht. Mit vier bekommt er seine erste Geige, mit zehn steht er in der Manhattan Opera und der Carnegie Hall auf der Bühne, mit elf triumphiert er in Paris und mit 13 in Berlin — ein Wunderkind à la Mozart. „Eine Kunst muss für den Künstler so leicht und natürlich werden, wie es für den Vogel ist, zu fliegen“, sagt er später.

„Die Welt durch Musik zu verbessern“, das war sein Lebensthema. Die Queen erhebt ihn in den Adelsstand, die Unesco zeichnet ihn mit dem Titel des „Goodwill Ambassador“ aus. Der Gründer des Schleswig-Holstein Musik Festival, Justus Frantz, sagt: „Jeder, der mit ihm zu tun hatte, ging ein bisschen verwandelt aus dieser Begegnung.“ Matthias von Hülsen, Mitbegründer und langjähriger Intendant der Festspiele MV, erinnert sich mit einem Lächeln an Menuhin. Der hatte in den frühen Jahren der Klassikreihe Konzerte in MV gegeben, 1994 die Festspielscheune Ulrichshusen vor 3000 Gästen eingeweiht. Von Hülsen: „Menuhin in Ulrichshusen — das war natürlich ganz toll. Er hat sich damals ein bisschen ins Land verliebt.“

Zum 100. Geburtstag seines Mentors hat der britische Stargeiger Daniel Hope (42) ein Gedenkalbum herausgebracht. Hope kannte Menuhin von klein auf. Sie arbeiteten bei mehr als 60 Konzerten zusammen. Bei Menuhins letztem Konzert am 7. März 1999 in Düsseldorf am Rhein spielte Hope als Zugabe Ravels „Kaddisch“, ein jüdisches Totengebet. „Das war das etzte, was ich für ihn gespielt habe“, erinnert er sich. Fünf Tage später starb Menuhin an Herzversagen. Nada Weigelt/Michael Meyer

OZ

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