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Jazzklang, Glaubenskriege und musizierende Schiffe

Rostock Jazzklang, Glaubenskriege und musizierende Schiffe

Der Rostocker Gitarrist Wolfgang Schmiedt prägt die Pop- und Jazz-Szene in MV wie sonst keiner / Nächste Projekte: Lichtklangnacht und Reformationsoper

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Hat Freude daran, Menschen zusammenzubringen: Kulturmanager Wolfgang Schmiedt (57)

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock. Wenn der Name Wolfgang Schmiedt fällt, dann klingt er in der Rock-, Pop- und Jazzszene Mecklenburg-Vorpommerns mit Respekt. Denn Schmiedt hat diese Szene, vor allem den Nachwuchs, maßgeblich geprägt – wie sonst keiner. Schließlich war es der heute 57-jährige Rostocker, der vor über zehn Jahren an der Hochschule für Musik und Theater mit spektakulären Projekten den Studiengang Pop/Weltmusik durchsetzte – seinerzeit ein Novum in Deutschland.

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Der Rostocker Gitarrist Wolfgang Schmiedt prägt die Pop- und Jazz-Szene in MV wie sonst keiner / Nächste Projekte: Lichtklangnacht und Reformationsoper

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Dass es damals an der Hochschule erbitterte Gegner dieser Neuerung gab, deren teils erbärmlicher Widerstand wie ein Glaubenskrieg geführt wurde und doch nur eigene Pfründe sichern sollte – es gehört zu den bitteren Kapiteln in Schmiedts Leben und hinterließ Wunden. Schwamm drüber? Er zuckt die Schultern, das fällt schwer. Dabei ist er ein ruhiger, grundfreundlicher Typ.

Begonnen hatte Schmiedt einst mit einem handlichen Instrument: der Gitarre. Der entlockte er spannungsvolle Klangwelten, nachdem er 1981 bis 1985 an der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“ beim Jazzgitarristen Uwe Kropinski studiert hatte. Originelle Jazz-Projekte, Fusion-Formationen, Pop, Studioarbeit, Hörspielmusik – Schmiedt spielte ein breites musikalisches Spektrum und wurde noch vor dem Ende der DDR auf Jazzfestivals in Leverkusen und Belgien ausgezeichnet.

Heute macht er mit Großprojekten von sich reden: mit der Lichtklangnacht oder – dem wohl abenteuerlichsten – der Rostocker Hafensinfonie, bei der sich das Tuten der Hanse-Sail-Schiffe mit dem Geläut der Kirchen zum gewaltigen Klangereignis verbanden.

Wie er von kleineren Jazz- oder Pop-Projekten, die musikalisch stets interessant sind, zu Großveranstaltungen kam? „Durch das Leben selbst“, antwortet er und lächelt. Unmittelbar nach der Wende habe er noch mal ein Studium in Kulturmanagement angeschlossen, heute mache ihm diese Projektarbeit großen Spaß, wenn sie Menschen in einem weiteren Sinne zusammenbringt und in kulturelle Bewegung versetzt.

Die Lichtklangnacht erleuchtet den Rostocker Iga-Park am 19. und 20. August zum zehnten Mal. Längst nicht mehr nur optisch mit musikalischer Begleitung. „Wir haben das Projekt in Richtung Familie entwickelt, haben mit der Ballettschule Marquardt zusammengearbeitet, mit der Johanniskantorei, dieses Jahr mit Circus Fantasia. Die Idee war, mal nicht die ’Big Names’ zu holen, sondern die guten Akteure der Region, die Jugendlichen“, sagt Schmiedt und verweist auf die Zusammenarbeit mit dem Rostocker Vorlesewettbewerb. Jedes Jahr habe die Lichtklangnacht ein Thema, diesmal „Der Fischer und seine Frau“. „Also das Meer, die Gier, die Liebe“, sagt Schmiedt.

Musik ist Schmiedts erstes Standbein geblieben. Nachdem er am Volkstheater Rostock die Rockoper „Tommy“ musikalisch geleitet hatte und seit drei Jahren mit seinem Team für die Vineta-Open-Airs in Zinnowitz originelle Popstücke komponiert, hofft er nach dem Intendanzwechsel am Volkstheater auf neue Möglichkeiten auf der Popmusik-Bühne. Schließlich gibt’s da eine Tradition, Rostock hat mal die erste deutsche Rockoper auf die Bühne gebracht: „Rosa Laub“ 1979.

Gegenwärtig geht Schmiedt in die letzte Phase einer anderen Uraufführung. Es geht um Thomas Aderpul, den Reformator im Klützer Winkel. Der hat, kurz nachdem Martin Luther den Geist der Reformation in die Welt gekämpft hatte, in Lübeck und dann in Mecklenburg im Geiste dieses neuen Denkens gewirkt – eckte damit bei den Bischöfen von Lübeck und Ratzeburg mächtig an und löste einen sogenannten „Religionskrieg im Bis-

thume Ratzeburg“ aus. Glaubenskriege, damit musste Schmiedt ja ganz persönliche Erfahrungen machen. Aber hier ist einfach eine tolle Geschichte, die ab 7. September in mehreren Kirchen im westlichen Mecklenburg und Schleswig-Holstein zu erleben ist: „Ritter, Tod und Teufel“.

Musik in Kirchen

Wolfgang Schmiedt wurde 1959 in Schlema (Erzgebirge) als Sohn eines Pfarrers geboren und lebt seit 1974 in Rostock, wo er früh im „Jazzdiskurs“ mit Karl Scharnweber auftrat. Er studierte Gitarre an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ und wurde mit zahlreichen Projekten bekannt. Mit Scharnweber und Thomas Klemm führt er seit 1987 Choralbearbeitungen in Kirchenräumen auf.

„Ritter, Tod und Teufel“ über den Reformator Thomas Aderpul wird am 7. September in der Kirche Gressow uraufgeführt, läuft dann in St. Petri Lübeck (8.9.), der Kirche Klütz (9.9.), St.

Laurentius Schönberg (13.9.), Dom zu Ratzeburg (15.9.) und St. Georgen Wismar (18.9.).

Dietrich Pätzold

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