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Nachrichten Kultur Jennifer Rostock: Hymnen mit Haltung
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00:05 27.02.2017
Jennifer Rostock um Sängerin Jennifer Weist am Sonnabend vor rund 1500 Zuschauern in der Rostocker Moya-Kulturbühne. Quelle: Foto: Ove Arscholl

Schrill, laut, energetisch und kraftvoll: Schon als Jennifer Weist, Frontfrau der Band Jennifer Rostock, auf die Bühne kommt, ist klar: Der Begriff, pardon, Rampensau, ist der sympathischen Sängerin quasi auf ihren tätowierten Leib geschneidert. Sie hat Bock und sie hat Botschaften. Rund 1500 Fans feierten sie dafür am Sonnabend zum Tourabschluss im ausverkauften Rostocker Moya.

Im Gepäck hatte die Band, die im Vorprogramm Jupiter Jones aufbot, nicht nur Lieder ihrer CD „Genau in diesem Ton“ (2016), sondern auch klare Ansagen: „Wenn man in die USA schaut, sieht man, wie viel Bullshit Donald Trump schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit angerichtet hat. Und das ist erst der Anfang“, sagte Weist. Die Wahl habe gezeigt, welche Folgen Rechtspopulismus haben könne. „Am 24. September sind Bundestagswahlen – und ihr geht alle hin und macht euer Kreuz an der richtigen Stelle. Das ist wichtig, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern“, betonte die Sängerin. In einem Facebook-Video hatte sich die Band bereits Mitte des Vorjahres gegen die AfD positioniert, indem sie musikalisch deren Wahlprogramm auseinandernahm, und war dafür bedroht worden. Auch in ihren neuen Liedern wie „Hengstin“ spricht Weist Klartext: „Ich glaube nicht daran, dass mein Geschlecht das schwache ist. Ich glaube nicht, dass mein Körper deine Sache ist“ – klarer Appell für die Rechte von Frauen, gegen Sexismus. Auch der aktuelle Song „Wir sind alle nicht von hier“ könnte nicht besser in diese Zeit passen. „Egal wer ihr seid und wo ihr herkommt, solange ihr euch wohlfühlt in eurer Haut, lasst euch nicht erzählen, dass ihr irgendwo nicht reinpasst“, rief Weist und schwenkte eine Regenbogenfahne.

Hymnen mit Haltung eben, verpackt in rockigen Punk, der einfach Spaß macht. Weist heizte mit ihrem unglaublichen Temperament ein, ließ die Menge pogen und die Halle kochen, während immer wieder Papierschnipsel von der Decke rieselten.

Dass die Rebellin auch eine zarte Seite hat, bewies Weist, als sie in einer Unplugged-Session mitten im Publikum das Lied „Jenga“ sang – ein Lied über das Ende einer Liebe, das sie Ex-Freund Jonas widmete. „Das war meine längste und intensivste Beziehung. Ich finde es schön, dass er noch in meinem Leben ist“, sagte Weist mit bewegter Stimme. Fans versprach sie zum Abschied, am 9. Juni wieder in die Region zu kommen. Dann ist die Band, die 2017 zehnjähriges Bühnenjubiläum feiert, zu Gast in Neubrandenburg. Stefanie Büssing

OZ

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