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Jo Jastrams Werke in Güstrow: Plastiken voller Vitalität Mit einer Sonderschau würdigt die Ernst Barlach Stiftung den norddeutschen Bildhauer. Der...

Jo Jastrams Werke in Güstrow: Plastiken voller Vitalität Mit einer Sonderschau würdigt die Ernst Barlach Stiftung den norddeutschen Bildhauer. Der gebürtige Rostocker prägte und ermutigte Generationen von Künstlern.

Güstrow Eine umfassende Retrospektive zum Bildhauer Jo Jastram sei diese Sonderausstellung der Ernst Barlach Stiftung Güstrow wohl nicht, meint deren Geschäftsführer Volker Probst.

Güstrow Eine umfassende Retrospektive zum Bildhauer Jo Jastram sei diese Sonderausstellung der Ernst Barlach Stiftung Güstrow wohl nicht, meint deren Geschäftsführer Volker Probst. „Aber doch eine repräsentative Auswahl wichtiger Arbeiten aus allen Schaffensperioden. Wir zeigen im Ausstellungsforum-Graphikkabinett Werke von 1957 bis 2006, also aus fast 50 Jahren“, sagt der Museumschef.

So ist Jastrams Bronzeplastik „Schreiender Hengst“ aus dem Garten von Kneese bei Bad Sülze, wo Jastram nach seiner Rostocker Zeit seit 1972 bis zu seinem Tod 2011 lebte und arbeitete, per Kran in den Plastikhof des Güstrower Ausstellungsforums am Heidberg 15 gehievt worden. Dort steht sie – als größte Plastik dieser Schau – in spannungs- und reizvoller Beziehung zum „Bettler“ Ernst Barlachs. Eine andere, viel früher entstandene Bronzefigur, lebensgroßer weiblicher Akt, überrascht Besucher auf dem Weg zum Graphikkabinett links im kleinen Lichthof: eine sehr traditionelle Figur voll Anmut, mit glatter Oberfläche. „Später hat Jastram ja die Oberflächen aufgebrochen und damit ganz andere Wirkungen erreicht, wie es auch Giacometti tat“, erläutert Probst.

Die Ausstellung macht viele solcher künstlerischen Entwicklungen sichtbar: Den Weg des Bildhauers von traditioneller zu moderner Figürlichkeit voller Brüche, auch die Entwicklung einzelner Werke vom Skizzenbuch über Entwürfe bis zur Plastik. Beispielsweise ist Jastrams Mendelssohn-Bartholdy fürs Gewandhaus Leipzig gut dokumentiert: Serien von Zeichnungen, plastische Studien, darunter separierte Körperteilstudien wie Kopf und Hände in Bronze, schließlich eine kleine Version der 1993 in Leipzig aufgestellten Statue.

Die Schau betont auch das Gewicht verschiedener Themen und Motive: Im recht eng mit Plastiken besiedelten Saal sieht man leidende Kreaturen, gestürzte Pferde, einen gestürzten Kranich, aber ebenso Menschen, die die Lasten ihres Lebens als schwere Bürde schleppen. Erkennbar wird außerdem, welch große Rolle in Jastrams Arbeiten das Unterwegssein, oft in fragilen, ganz unsicheren Situationen, spielt: Die Bronzeplastik „Großes Segel“ von 1998 dominiert eine Stirnseite des Saals, an der gegenüberliegenden Wand bietet die Gruppe „Afrikanische Reise mit Sonne“ 1988/89 ein Sinnbild des Lebens.

An einer Seite sind „Stelzengänger“ unterwegs, mitten im Raum finden sich Arbeiten wie „Kleiner Zigeunerkarren“ oder „Mongolischer Karren mit Yak“, ein „Hausboot“ zeigt eine sehr unsichere Wohnsituation, und selbst Fährmann Charon muss bei der Überfahrt ins Totenreich auf ganz schmalem Boot die Balance halten.

Unterwegs und in Bewegung sein – für Jastram war dies das Leitmotiv. Viele Werke verarbeiten Reiseeindrücke (Russland, Mongolei, Sri Lanka, Afrika), sind aber zugleich Entdeckungen der Vitalität schlechthin. Selbst mit über 80 Jahren betonte er noch diese Lebendigkeit als höchsten Wert: „Weisheit habe ich immer mit Skepsis betrachtet, weil sie mit einem Mangel an Vitalität verbunden ist.“

Mit insgesamt 50 Plastiken, 30 Zeichnungen und weiteren Arbeiten bietet die Schau Sehens- und Erkundenswertes, auch im Bereich des Porträts oder der Münzen. Neu ist, dass die Schau fünf Jahre nach Jastrams Tod erstmals auf einem soeben erschienenen Werkverzeichnis „Jo Jastram. Das plastische Werk 1949-2010“ und damit auf gesicherter Kenntnis des Gesamtwerkes beruht, deren Autoren Heidrun und Andreas Lorenzen und Klaus Tiedemann zusammen mit Probst auch die Auswahl für die Güstrower Schau besorgten. Dazu werden Arbeiten im öffentlichen Raum, die Jastram in Norddeutschland, Leipzig oder im äthiopischen Adis Abeba mit einer Reliefstele „Karl Marx“ hinterließ, in Text und Foto dokumentiert.

Eröffnung: Sonntag, 11.30 Uhr,

Güstrow, Heidberg 15. Geöffnet bis 26. Februar, Di bis So 10 bis

17 Uhr, ab November bis 16 Uhr.

Dietrich Pätzold

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