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Joachim Kümmritz: „Will Volkstheater nicht abwickeln“

Rostock Joachim Kümmritz: „Will Volkstheater nicht abwickeln“

Ja, er will: Joachim Kümmritz will neuer Rostocker Theater-Intendant werden und den Montag fristlos entlassenen Sewan Latchinian ablösen.

Rostock. Ja, er will: Joachim Kümmritz will neuer Rostocker Theater-Intendant werden und den Montag fristlos entlassenen Sewan Latchinian ablösen. „Ich habe noch nie meine Hilfe versagt, wenn ich gefragt worden bin“, sagte Kümmritz gestern der OZ. Aber: Wer darauf setzte, dass er kommentar- und kritiklos das neue Strukturkonzept für das Volkstheater und den damit verbundenen Spartenabbau umsetzen werde, der irre: „Ich komme nicht nach Rostock, um das Volkstheater abzuwickeln“, so Kümmritz.

Kümmritz ist derzeit Theater-Chef der Bühne in Neubrandenburg und Neustrelitz und zugleich Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin. Sein Vertrag in der Landeshauptstadt läuft in wenigen Wochen aus. Den Job im Osten des Landes wird er aber trotz eines Engagements in Rostock behalten: „Die Gesellschafter haben sich verständigt, dass eine ähnliche Lösung wie bisher zwischen Schwerin und Neustrelitz auch mit Rostock möglich ist“, so Kümmritz. Das wiederum spricht für das Gerücht, dass die Personalie seit Wochen ausgemachte Sache zwischen Hansestadt und Landesregierung ist.

Die Aufgabe in der Hansestadt bezeichnet Kümmritz als „groß und schwierig“. Den Spielplan zum Beispiel kenne er noch gar nicht im Detail. Erste Gespräche im Rostocker Rathaus seien erst kommende Woche geplant. „Es sind noch viele Fragen offen. Meine Aufgabe wird es sein, zu helfen. Aber dazu gehört auch, dass manche Fragen noch mal auf den Prüfstand gestellt werden müssen.“ Und nein: „Ich bin nicht hier, um einfach nur umzusetzen. Dafür komme ich nicht nach Rostock.“

Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hatte Kümmritz als „erfolgreichen Theater-Chef“ bezeichnet. Die Frage, ob es mit dem scheidenden Schweriner Intendanten nun durch die Hintertür doch noch eine Fusion des Volkstheaters mit dem Schweriner Staatstheater geben werde, verneinte Brodkorb: „Das schließe ich aus.“ Von Rostocker Seite hatte man sich vor einigen Jahren gegen eine Fusion mit Schwerin ausgesprochen. „Ich akzeptiere diese Entscheidung, auch wenn ich sie für inhaltlich falsch halte“, sagte der Minister. Eine Fusion biete einfach mehr künstlerische Möglichkeiten für beide Orchester.

„Vom Land gibt es aber keinerlei Bestrebung, diese Debatte wieder aufzugreifen“, betonte Brodkorb.

Rückenwind bekommt Kümmritz auch von Wolfgang Bordel, dem Intendanten der Vorpommerschen Landesbühne Anklam. „Er ist auf jeden Fall der richtige Mann für die Aufgabe. Sein Arbeitsstil ist auf die Erhaltung des Theaters ausgerichtet“, sagte er im Hinblick auf steigende Zuschauerzahlen – in zwei Jahren hatte Kümmritz die Einnahmen in Neustrelitz um 20 Prozent gesteigert.

Auch Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) zeigte sich am Tag nach der Latchinian-Entlassung erleichtert: „Das war eine Entscheidung für die Mitarbeiter am Volkstheater. Wir können nun wieder den Blick nach vorn richten und haben Rahmenbedingungen geschaffen, die Theaterangebote in Rostock dauerhaft zu finanzieren und damit zu sichern.“

Joachim Kümmritz sei ein im Land bestens vernetzter und erfahrener Theatermacher. Und: Der neue Intendant sei in der Lage, „Angebote für ein breites Theaterpublikum zu entwickeln“. Genau das Gegenteil hatten Kritiker seinem Vorgänger Sewan Latchinian stets vorgeworfen.

Andreas Meyer/ Stefanie Büssing

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