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Johanna Schall in Rostock: „Wir machen trotzdem Komödie“

Rostock Johanna Schall in Rostock: „Wir machen trotzdem Komödie“

Bertolt Brechts Enkelin inszeniert wieder am Volkstheater / Trauerfall im Inszenierungsteam überschattete die Proben für „Das Sparschwein“

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„Das Sparschwein“ am Volkstheater mit Rinaldo Steller, Sophia Platz, Bernd Färber und Friderikke-Maria Hörbe (v.l.).

Quelle: Foto: Reiner Nicklas

Rostock. Härter könnte das Dilemma kaum sein: Seit dem Sommer probt das Volkstheater Rostock mit Regisseurin Johanna Schall (59) für die schrille Komödie „Das Sparschwein“

OZ-Bild

Bertolt Brechts Enkelin inszeniert wieder am Volkstheater / Trauerfall im Inszenierungsteam überschattete die Proben für „Das Sparschwein“

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Eugène Labiches Rostocker „Sparschwein“

Der Franzose Eugène Labiche (1815-1888), Sohn einer Industriellenfamilie, wurde mit seinen über 170 Komödien meistgespielter Lustspielautor Frankreichs. Nach Misserfolgen zog sich der Gegner der Pariser Commune vom Theater zurück, wurde Mitglied der Académie francaise, blieb bekennender „Parteigänger der guten Laune“.

Termine: 13./19./22./28. Oktober, Volkstheater Rostock

des Franzosen Eugène Labiche, die morgen, an einem Freitag, dem 13., im Großen Haus erstaufgeführt wird. Doch dann stirbt zehn Tage vor der Premiere der Bühnenbildner der Inszenierung, Horst Vogelgesang. Das Ensemble ist betroffen, das Volkstheater meldet, dass es mit Vogelgesang einen „prägenden Künstler“ verlor. Und die Regisseurin trauert um einen Freund, mit dem sie über 20 Jahre eng zusammengearbeitet hat. Allein in Rostock, wo sie zwischen 2002 und 2007 als Schauspieldirektorin wirkte, brachten sie als Team über 15 Inszenierungen heraus. Er habe „ihr die Sicht offen und den Rücken freigehalten“, sagt Johanna Schall über Vogelgesang. Und: „Jetzt bin ich hier in Rostock und beleuchte, ohne ihn, ein Bühnenbild, das er entworfen und auf den Weg gebracht hat. Die Gewerke arbeiten mit großer Zärtlichkeit. Sie mögen ihn. Er war ein Künstler und ein Handwerker, ein Kollege.“

Bei so viel Trauer – wie lustig kann da Labiches Komödie noch werden?! Schließlich sollte doch „Das Sparschwerin“ zum furiosen Auftakt der Rostocker Schauspielsaison werden – und massenhaft Publikum ins Haus locken. Wie geht man damit um? „So, dass wir die bestmögliche und schönste Arbeit machen“, sagt Johanna Schall. „Wir machen weiterhin Komödie, jetzt auch, um Horst zu ehren. So aberwitzig das vielleicht klingt.“

Vom Aberwitz handelt auch Johanna Schalls Inszenierung „Das Sparschwein“. Schrille Farce hin, Posse her – in seinen tieferen Schichten bietet das Stück so was wie die Komödie des Bürgers. „Labiche kennt seine Leute“, sagt Johanna Schall. „Der hat selber mal gesagt, in der Welt kenne er sich nicht so aus, was er aber kenne, das sei der Bürger. Und der Bürger hängt irgendwo in der Mitte zwischen Held und Missetäter.“

Doch die Geschichte mit Botschaft zu überladen, das würde ihr nur schaden. Der Reiz des Ganzen liege in der genauen sozialen Beobachtung. Eine Qualität, die für Johanna Schall, Enkelin Bertolt Brechts und heute wichtige Stimme unter den sechs Brecht-Erben, in der Familientradition liegt. Und so wird das Publikum erleben, wohin ein Aufbruch der Anständigen (aus der Provinz in die große Welt von Paris) führen kann: ins Fiasko. Fünf Kleinstadt-Honoratioren – Landwirt, Apotheker, Notar, Steuereinnehmer und Feuerwehrhauptmann – wollen in Paris das Geld verjubeln, das sie in regelmäßigen Kartenspiel-Abenden gesammelt haben. Sie scheitern – nach Ansicht Schalls, „weil sie sich überschätzen in ihrer Fähigkeit, die Dinge zu durchschauen, und weil sie den Willen der anderen Leute unterschätzen, sie fertigzumachen.“

Biedere Bürgerlichkeit auf dünnem Eis, darin mag das Stück aktuell sein. „Ich will das gar nicht übertreiben und bis zur AfD ziehen, aber ich denke schon, dass es für eine bestimmte bürgerliche Mitte im Augenblick sehr schwer ist, ihre Eigendefinition aufrechtzuerhalten“, sagt die Regisseurin über verbreitete Gefühle gewachsener Unsicherheit. Und über das Stück: „Das Tempo, mit dem das da passiert, und die völlige Gewissenlosigkeit, mit der die Figuren fertiggemacht werden – das gefällt mir.“

Dietrich Pätzold

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