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Jon Regen brachte Songs aus New York nach Rethwisch

Rostock Jon Regen brachte Songs aus New York nach Rethwisch

Im „Conventer Atrium“ eröffnete der US-Pianist die neue Saison. Das Konzert war die erste Kooperation des Senders JazzRadio Berlin im Norden.

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Traumhafte Töne: der Jazzpianist Jon Regen bei seinem Konzert in Börgerende (Landkreis Rostock).

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock. Der Weg von New York nach Börgerende-Rethwisch führt über Berlin, jedenfalls für den New Yorker Jazzpianisten Jon Regen. Am Dienstag hatte JazzRadio Berlin den 44-Jährigen für ein Konzert in die Bundeshauptstadt eingeflogen, am Mittwochabend schloss er ein kurzfristig angesetztes Sonderkonzert im Ostseeort bei Bad Doberan an — dort, wo der Herzspezialist und Jazzpianist Prof. Gustav Steinhoff seit drei Jahren in privater Initiative seine Kulturstätte „Conventer Atrium“ betreibt.

Deren vierte Saison begann nun mit Jon Regens Überraschungsauftritt einen Monat früher als geplant, aber sehr lebhaft und interessant. Denn der New Yorker präsentierte mit seinen Stücken eine originelle, sympathische und vielversprechende Entwicklung eines Jazzmusikers. Nachdem er rund acht Jahre als virtuoser und vielgelobter Jazzpianist in Amerika gewirkt hatte, vier Alben produziert und mit Leuten wie Kyle Eastwood gespielt hatte, begann er 2004 recht überraschend, den Weg eines Sängers und Songwriters einzuschlagen. Das erste Album in Eigenproduktion war nach wenigen Wochen fertig und wurde der Auftakt seiner internationalen Karriere. Inzwischen gibt es drei Alben, das nächste entsteht im Spätsommer.

Regens Solokonzert wirkte wie ein schöner Rückfall in seine Zeiten als Jazzmusiker. Denn die Stücke seiner letzten CD „Revolution“, die mit Gastmusikern wie Andy Summers (The Police) und Benmont Tench (Tom Petty & The Heartbreakers) eingespielt wurden, kommen als sehr gut gemachte Popsongs daher, aber im Solokonzert baut er sie zu kraftvollen Jazznummern aus, lässt sie wirbeln und schillern. Das Verbindende ist die charismatische, sanft angeraute Stimme des Sängers. Im Klavierpart dagegen offenbarte er eine blühende musikantische Leidenschaft — zugleich aber auch eine Disziplin, die die spürbare Lust am Improvisieren und am virtuosen Glänzen wieder bändigt und im Dienst der Liedbegleitung zügelt.

Ein spannungsreiches musikalisches Erlebnis jedenfalls. Seine Themen seien „Life, Love and Loss“, sagt er: Leben, Liebe und Verlust. Dabei klingt er mal sanft und einfühlsam, mal eher sarkastisch wie im Stück „She is not you (but tonight she‘ll have to do)“, etwas melancholisch, dann witzig, in jedem Fall hintergründig. Der Name Regen stamme übrigens aus dem Deutschen, erzählt der Pianist am Rande des Konzerts. In seiner Familiengeschichte habe es vier Generationen zurück ungarische und deutsche Wurzeln gegeben. Also quasi Mr. Rain? Aber, so lacht er, ein regen-trauriger Mensch sei er nicht. „Ich bin Optimist, das muss man als Sänger auch sein.“

Zu den Gästen des Abends gehörte auch Julian Allitt, der Geschäftsführer von JazzRadio Berlin, der mit diesem Konzert seine erste Kooperation im Norden realisierte. Seit 17 Jahren leitet der britische Medienprofi den Sender, der bisher nur in Berlin und im Internet zu empfangen war. Demnächst will er damit auch in Rostock auf Sendung gehen. Die Frequenz ist genehmigt, der ursprünglich für September geplante Sendestart wird wohl auf November verschoben. Seine Pläne für die norddeutsche Präsenz wollte Allitt deshalb vorerst nur andeuten: Danach könnte es künftig im Gesamtprogramm seines Senders einen starken Anteil aus der nördlichen Region geben.

Auch Gastgeber Gustav Steinhoff erhofft sich von der bevorstehenden Radiopräsenz neue Impulse für die Jazzszene im Lande wie für den Tourismus. Was seine eigenen Veranstaltungen betrifft, setzt Steinhoff wie bisher auf ein breites Spektrum zwischen Klassik und Jazz. Darunter wird sein eigenes Projekt „Jazz At Heart“ sein, aber auch interessante Gäste.

Klassik und Jazz im „Conventer Atrium“
In seiner vierten Saison bietet das „Conventer Atrium“ in Börgerende-Rethwisch Konzerte sowie Gespräche zu medizin-ethischen Problemen, die im Rostocker Darwineum stattfinden.




Die nächsten Konzerte:

21. September: Klassik mit den Pianisten Roland und Stefan Pöntinen.

11. Oktober: Klassik mit dem Pianisten Denys Proshajew
9. November: Literatur und Klassik mit der „Legende vom Ozeanpianisten“ von Alessandro Baricco mit Uta Gosselk-Perschmann (Sprecherin) und Gustav Steinhoff (Piano).

5. und 6. Dezember: Weihnachtskonzert mit Jazz at heart & Friends.

13. Dezember: Jazz mit dem Iiro Rantala String Trio.

11. Januar: Jazz mit dem Pianisten Leszek Mozdzer.

7. Februar: Jazz mit dem Geiger Adam Baldych und dem Pianisten Yaron Herman


Beginn jeweils 19.30 Uhr, Börgerende-Rethwisch, Börgerender Str. 10 c.

 



Dietrich Pätzold

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