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Jugendliche aus Nahost zu Gast auf Burg Hohenzollern

Hechingen Jugendliche aus Nahost zu Gast auf Burg Hohenzollern

Für Dana Rabinowitz ist es schon fast wie Unterricht an einer Schauspielschule. „Stellt Euch vor, Ihr seid in einem Gefängnis“, sagt der Regisseur.

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Der amerikanische Komponist und Regisseur Todd Fletcher (M) bei der Musical-Probe mit jüdischen und arabischen Schülern.

Quelle: Sebastian Kahnert

Hechingen. Für Dana Rabinowitz ist es schon fast wie Unterricht an einer Schauspielschule. „Stellt Euch vor, Ihr seid in einem Gefängnis“, sagt der Regisseur. Zehn Jugendliche fangen an, konfus durch den Raum zu laufen.

Die 15-jährige Dana arbeitet mit anderen israelischen Jugendlichen aber auch Palästinensern an einem Theater-Projekt auf Burg Hohenzollern bei Hechingen in Baden-Württemberg. In ihrer Heimat geht dagegen der Gaza-Krieg mit unverminderter Härte weiter.

Das Oberhaupt des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen, gründete das „Middle East Theatre Project“ gemeinsam mit dem US-amerikanischen Regisseur Todd J. Fletcher. 22 Jugendliche studieren nun seit Tagen auf dem romantisch anmutenden Adelssitz im Grünen ein Musical ein. Jeweils acht Israelis und Palästinenser schafften es in den Workshop.

Das Projekt soll den jungen Menschen auch helfen, Abstand von den gewaltsamen Angriffen in ihrer Heimat zu gewinnen. „Alles was wir wollen, ist Ruhe und Frieden“, sagt Dana. „Wir sind verschieden und trotzdem gleich.“ Von Feindschaften zwischen Juden und Arabern will Dana, die aus Israel stammt und dort ein Musikinternat besucht, nichts wissen. Die Gruppe sei fast wie eine große Familie.

„Wir sind Brüder und Schwestern geworden. Wir hängen zusammen ab und teilen gegenseitig Bilder auf Instagram“, sagt der 15-jährige Elias aus Bethlehem. Zuhause im Westjordanland geht er in eine deutsche Schule. Den Kontakt zu ihren Familienangehörigen halten die Jugendlichen per Telefon und über die sozialen Netzwerke.

„Die Kids haben den Input zur Geschichte selbst geliefert“, sagt Regisseur Todd J. Fletcher. Der aus Connecticut stammende US-Amerikaner bringt viel Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen mit. „In langen Sitzungen, in denen wir das Stück erarbeitet haben, fielen etwa 750 Begriffe. Darunter befanden sich unter anderem die Worte Geheimnisse, Tapferkeit, Stress oder Akzeptanz“, erzählt der 45-Jährige begeistert.

Nach vielen Übungen erkennt Regisseur Fletcher allmählich die Geschichte des Musicals. „Die Kids sehen sie noch nicht, aber ich sehe sie“, fügt er mit leuchtenden Augen hinzu. Das Stück handele von einer Gruppe junger Menschen, die in einem Gefängnis eingesperrt seien. Dana spiele in dem Stück eine Verlobte, deren Liebhaber gefangen sei. Elias einen alten Insassen, der die Hoffnung am Leben verloren habe. Dabei soll das Stück nicht kitschig wirken. „Wir spielen hier kein 'Cats'“, sagt Fletcher. Ein Pop-Musical wäre fehl am Platz. 

Am Sonntag sind die Jugendlichen weiter nach Berlin geflogen. Dort gehen die Proben in die zweite Woche. Die Uraufführung steht dann am 30. August 2014 in der Nähe von Schloss Paretz bei Berlin an. Danach reisen Dana, Elias und die anderen Jugendlichen aus Israel und den Palästinensergebieten zurück in ihre Heimat. „Für uns beginnt dann wieder die Schule“, sagt Dana mit betrübter Miene. Auch Elias scheint von der Vorstellung nicht begeistert zu sein. Im Oktober aber strebt Regisseur Fletcher ein Wiedersehen mit allen Jugendlichen in Paris an.



dpa

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