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Kameramann Michael Ballhaus gestorben

Berlin Kameramann Michael Ballhaus gestorben

Der international bekannte Filmkünstler („Gangs of New York“, „Die Ehe der Maria Braun“) starb mit 81 Jahren in seiner Berliner Wohnung. Er galt als einer der besten Kameramänner der Welt, in Hollywood arbeitete er mit allen Großen des Fachs.

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Kameramann Michael Ballhaus posiert im Jahr 2001 neben einer 35-mm-Filmkamera im Filmmuseum in Berlin.

Quelle: Bernd Settnik/dpa

Berlin. Es war ein berührender Augenblick: Da stand Michael Ballhaus, einer der berühmtesten und meistgefragten Kamerakünstler der Welt, mit Tränen in den Augen auf der Bühne und sagte leise: „Ich bin ja nur ein Kameramann. Und außerdem habe ich furchtbare Angst, vor Leuten zu reden.“

Das war im Februar 2016. Die Berlinale hatte dem Gestalter von Meisterwerken wie „Good Fellas“ und „Gangs of New York“ gerade den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk überreicht. Fast erblindet wegen des Grünen Stars, war die Auszeichnung in seiner Heimatstadt für den gebürtigen Berliner nochmals eine besondere Liebeserklärung. Dort ist Ballhaus in der Nacht auf Mittwoch mit 81 Jahren gestorben.

Mit seiner 360-Grad-Kamerafahrt hatte er Filmgeschichte geschrieben, in Hollywood gehörte zu den ganz wenigen Deutschen, die in der Spitzenliga spielten. Drei Mal wurde er für einen Oscar nominiert. Hollywood-Regisseur Mike Nichols, mit dem er einst „Die Waffen der Frauen“ drehte, sagte einmal: „Mit Michael zu arbeiten ist, als wäre man im Himmel - nur dass man dafür vorher nicht sterben muss.“

25 Jahre lang arbeitete Ballhaus in den USA mit den wichtigsten Regisseuren zusammen - neben Nichols etwa mit Francis Ford Coppola, Robert Redford, Wolfgang Petersen und Robert De Niro. Allein sieben Filme entstanden aus der beispiellosen künstlerischen Beziehung mit US-Starregisseur Martin Scorsese.

Vom ersten gemeinsamen Low-Budget-Film „After Hours“ (1985) bis zum 100 Millionen Dollar teuren Abschiedswerk „Departed“ (2006) mit Leonardo DiCaprio und Jack Nicholson entwickelte das Duo eine eigene Bildsprache, die innovativ mit Licht, Raum und Bewegung arbeitete. Sein Blick liebe die Schauspieler, sagte Ballhaus einmal. „Ich weiß, dass der Schauspieler viel Aufmerksamkeit und Konzentration von der Kamera braucht.“

Scorseses Bandenepos „Gangs of New York“ trug ihm 2002 seine dritte Oscar-Nominierung ein - nach James L. Brooks' Komödie „Nachrichtenfieber“ (1987) und Steven Kloves' Nachtclubfilm „Die fabelhaften Baker Boys“ (1989). Wie dort Michelle Pfeiffer im roten Glitzerkleid lasziv auf einem schwarzen Flügel liegt, während die Kamera sie in einem einzigen großen Bogen umfährt - das wurde als „Ballhaus-Kreisel“ zu seinem Markenzeichen.

Entdeckt hat er die Liebe zum bewegten Bild schon als 18-Jähriger. 1935 in Berlin geboren und in der Theaterkommune seiner Schauspieler-Eltern im fränkischen Coburg aufgewachsen, hatte er damals Max Ophüls beim Dreh für „Lola Montez“ zuschauen dürfen. Ihn faszinierte besonders die „schwebende und kreisende Kamera, das magische Licht“, - das, was später seine eigene Arbeit so besonders machen sollte.

Nach einem Start beim Fernsehen in Baden-Baden lernte er bald den jungen Rainer Werner Fassbinder kennen. Mit dem ebenso genialen wie exzentrischen Regisseur avancierte er in den 70er Jahren zum Vorzeige-Duo des Neuen Deutschen Films.

Fünfzehn Filme machen die beiden zusammen, darunter Meisterwerke wie „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972) und „Die Ehe der Maria Braun“ (1979). Nach vielen Reibereien kommt es bei der Romanverfilmung „Berlin Alexanderplatz“ 1980 zum Bruch - Ballhaus und seine Frau Helga halten es mit dem „Koks-Monster“, wie er in seinen Memoiren schreibt, nicht mehr aus.

Seine Frau, Mutter der beiden Söhne, bleibt auch nach dem späteren Umzug in die USA die wichtigste Begleiterin. Als sie 2006 nach fast 50 Jahren Ehe völlig unerwartet innerhalb von fünf Stunden an Krebs stirbt, kehrt Ballhaus ins heimatliche Berlin zurück. Seine Frau lässt er hier begraben.

2011 heiratet er die um 25 Jahre jüngere Regisseurin Sherry Hormann, für deren Film „3096 Tage“ er ein letztes Mal hinter die Kamera tritt. „Sie war der Chef, ich tat, was sie mir sagte.“ Das klaustrophobische Drama, die Leidensgeschichte der acht Jahre in einem Kellerverlies gehaltenen Natascha Kampusch in Österreich, stieß auf ein eher geteiltes Echo.

Seit Jahren kümmerte sich Ballhaus auch intensiv um die Nachwuchsförderung. Er übernahm Lehraufträge an Filmhochschulen vor allem in Berlin und München, gründete eine Stiftung und lobte einen Preis für vielversprechende Kameraleute aus.

Dass ausgerechnet er, für den zeitlebens die Augen das wichtigste Werkzeug waren, zunehmend erblindete, machte ihn traurig, aber nicht bitter. „Was mir bleibt, sind die Bilder im Kopf. Sie sind da und kommen immer wieder“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Und fügte mit Blick auf sein Leben hinzu: „Ich bin einfach nur dankbar, dass es so gut gelaufen ist.“

Nada Weigelt

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