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Kap Arkona: Neue Grabungen stellen Tempel-Standort in Frage

Kap Arkona Kap Arkona: Neue Grabungen stellen Tempel-Standort in Frage

Seit Mitte Mai graben die Experten vom Landesamt für Denkmalpflege wieder an der ehemaligen slawischen Tempelburg. Neben Funden gibt es auch neue Erkenntnisse.

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Fundstück: Fred Ruchhöft (2. v.l.) zeigt Max und Florian Deißler (vorne) und Dmytro Mamchur (hinten) eine alte Lanzenspitze.

Quelle: Stefanie Büssing

Kap Arkona. Am Kap Arkona wird wieder fleißig gegraben — seit Mitte Mai sind der Archäologe Fred Ruchhöft und sein Team vom Landesamt für Denkmalpflege der Geschichte der ehemaligen slawischen Tempelburg erneut auf der Spur. Und das scheinbar mit Erfolg. Denn die Wissenschaftler haben neben einige Funden vor allem neue Erkenntnisse gesammelt.

„Ein Highlight ist eine Lanzenspitze, die aus dem 11. Jahrhundert stammen könnte“, sagt Ruchhöft. Auch Pfeilspitzen, einige Perlen und einen guterhaltenen und verzierten Reitersporn aus Bronze hat sein elfköpfiges Team, das unter anderem aus Archäologen, Grabungstechnikern, Helfern und einer Restauratorin besteht, bereits eingetütet. „Was die Masse und die Qualität der Funde in dieser kurzen Zeit angeht, können wir uns wirklich nicht beschweren“, sagt Ruchhöft mit einem Lächeln. Spektakulär sei neben der Masse jedoch vor allem der erhebliche Erkenntniszuwachs. „Die Fundstücke, die bei Grabungen in den 90er Jahren um den vermeintlichen Tempelstandort herum gefunden wurden, müssen nun neu bewertet werden, weil vergleichbare Funde und Strukturen auch auf der anderen Seite, weit außerhalb des Tempelbereiches aufgetaucht sind“, erklärt Ruchhöft. „Man muss die These, dass der Tempel dort gestanden hat, nun ernsthaft in Frage stellen.“

Rund 200 Quadratmeter Fläche haben die Archäologen in diesem Jahr offengelegt. „Wir rechnen damit, dass noch einmal etwa die gleiche Fläche dazukommt, das hängt natürlich davon ab, wie schnell wir sind und was wir finden“, sagt Ruchhöft. Vor besondere Schwierigkeiten stellt die Archäologen dabei der Bereich direkt an der Steilküste.

Um die Arbeiten nur wenige Meter entfernt von der Abbruchkante zu sichern, sollen zwei Eisenstangen mit Beton in der Erde verankert werden und ein Stahlseil als Laufleine für die Wissenschaftler dienen. „Für den Ernstfall gibt es umfassende Sicherheitsunterweisungen für alle“, sagt Ruchhöft.

Auch ein Fernsehteam wird in diesem Jahr wieder vor Ort sein. Ab Freitag können Besucher den Grabungsort erstmals besichtigen und selbst Hand an die Grabungsschaufel legen. Dreimal pro Woche (jeweils montags, mittwochs und freitags um 14 Uhr) plant Putgartens Bürgermeister Ernst Heinemann künftig vom Peilturm aus Führungen übers Flächendenkmal und zur Ausgrabungsstätte, wo die Besucher sich über die Hintergründe der Grabungen informieren können. Im Peilturm selbst ist ab Freitag ein Teil der Fundstücke ausgestellt.

Drei junge Besucher konnten die Grabungsstätte schon vorab in Augenschein nehmen: Max (9) und Florian Deißler (6) waren mit Oma Brigitte Otto und ihrem Au-Pair-Jungen Dmytro Mamchur aus der Ukraine vor Ort. „Wir machen zurzeit Urlaub in Zingst und weil Dmytro sich so gewünscht hat, die Ausgrabungen zu sehen, sind wir heute hergekommen“, erzählt Brigitte Otto. Dass die Ausgrabungen für Besucher noch nicht zugänglich sind, wussten die vier nicht. Doch sie hatten Glück: Grabungsleiter Ruchhöft entdeckte die vier vor der Absperrung am Peilturm und gab ihnen eine Sonderführung. „Die Ausgrabungen hier sind wirklich eine spannende Sache. Das ist ein kleines Stück Geschichte meines Volkes“, sagt der 24-jährige Slawe mit leuchtenden Augen.

Noch bis September soll am Kap gebuddelt werden. Dafür fließen knapp 180 000 Euro von Land, Gemeinde und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Ob es auch 2014 weitergeht, ist laut Ruchhöft noch nicht geklärt. „Sinnvoll wäre es auf jeden Fall, weil wir in diesem Jahr mit Sicherheit nicht alle gefährdeten Bereiche schaffen“, so der Archäologe. „Am Burgwall sind Abbrüche an der Tagesordnung, daher ist die Ausgrabung für uns ein Wettlauf mit der Zeit“, erklärt Heinemann.

Zu Gast bei den Slawen
Die erste öffentliche Führung zu den Grabungsflächen ist am kommenden Freitag um 12 Uhr (Treffpunkt: Burgwall). Um 16 Uhr spricht der Archäologe Fred Ruchhöft in der Kulturscheune auf dem Rügenhof über seine Arbeit.
Fund- stücke vom Tempelort, müssen nun neu bewertet werden.“Fred Ruchhöft, Archäologe

 

Stefanie Büssing

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