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Karl May in Bad Segeberg und Elspe

Kalauer und Werktreue Karl May in Bad Segeberg und Elspe

Elspe und Bad Segeberg verbindet nicht viel. Aber das Wenige hat es in sich: Karl Mays Abenteuer. Im Sauerland und in Schleswig-Holstein hat die Festspielsaison begonnen - mit verschiedenen Vorzeichen.

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Mathieu Carrière als General Douglas (l) und Joshy Peters im Freilichttheater am Kalkberg in Bad Segeberg.

Quelle: Marcus Brandt

Bad Segeberg/Elspe. Karl Mays Abenteuer haben Generationen Jugendlicher in den Bann gezogen. Winnetou ist auch der unbestrittene Held der Freiluftsaison im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg und im sauerländischen Elspe.

Wer die Gelegenheit hat, beide Veranstaltungen zu besuchen, wird feststellen, dass Winnetou nicht gleich Winnetou ist. Während in Bad Segeberg sich auch schon mal Kalauer und Klamauk in die Handlung mischen, klammert sich Elspe eng an Karl Mays Diktion.

„Ein mieser Charakter im Weißen Haus - wer glaubt denn sowas?!“ Mathieu Carrière erntet für seine Anspielungen auf US-Präsident Donald Trump die ersten Lacher und viel Beifall bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. Carrière (66) gehört wie Sila Sahin (31) und Alexander Klaws (33) zu den Gaststars der 66. Saison, die am Samstag mit der Premiere von „Old Surehand“ begonnen hat. 

Für Schauspieler Jan Sosniok (49) ist es das vierte Jahr, in dem er als Winnetou den Rappen Iltschi sattelt. Kaum haben ihn die Zuschauer beim Ritt in die Arena zur berühmten Filmmelodie - deren Komponist Martin Böttcher (90) sitzt auch im Publikum - bejubelt, da macht eine Technikpanne ihn sprachlos. Kurzerhand sucht er die Nähe zu Old Surehand (Klaws) und Lea-tshina (Sahin), um deren Mikrofone mit zu nutzen. Dass ein Pferd (25 sind dabei) oder ein Vogel (zwei Wüstenbussarde, ein Afrikanischer Seeadler) mal nicht so mitspielen wie gewünscht, gehört dazu.

Zwischen Action, Abenteuer und Romantik bleibt auch noch viel Zeit für Klamauk und Kalauer in Gestalt eines Meisterkochs. Der Franzose reimt sich durch den Wilden Westen: „Ich habe kein Florett, ich trage eine Baguette“ oder „Wer Zwiebeln in die Suppe tut, schießt am nächsten Tag Salut“. Pulverdampf und Explosionen jedenfalls gibt es reichlich in der familientauglichen Geschichte um den besten Schützen des Wilden Westens, der am Fuße der Rocky Mountains nicht nur das Gute über das Böse siegen lässt, sondern auch seine Mutter wiederfindet und einen Bruder kennenlernt. 

Während in Bad Segeberg viel Interpretationsspielraum herrscht, gelten in Elspe strenge Vorgaben: „Ich weiß nicht, ob man Klassiker verändern sollte, um sie einem neuen Zeitgeschmack anzupassen“, philosophiert Geschäftsführer Jochen Bludau (75). „Für mich sind Karl-May-Bücher, gerade Winnetou I, II, III - Klassiker, die man in der Form übernehmen sollte, wie Karl May sie gemacht hat.“ In Elspe gilt deshalb der CDU-Wahlkampf-Slogan von 1957: „Keine Experimente!“ Michael Petzel, Leiter des Karl-May-Archivs in Göttingen, stimmt zu: Old Shatterhand als „Weichei“ zu zeigen, das passe nicht.

In Elspe ist diese Gefahr in keiner Weise gegeben. Seit vielen Monden schon strömen jeden Sommer um die 200 000 Besucher in den kleinen Ort im Sauerland, und eigentlich ist es völlig egal, welches Stück nun gerade gespielt wird, es läuft sowieso immer gleich ab. Je nach Witterung verändert sich der Charakter der Aufführung: Manchmal wird Winnetou von einem ergiebigen sauerländischen Landregen bis auf die letzte Faser seines Fransenanzugs durchgeweicht. Dann wieder schwitzt er unter seiner Langhaar-Perücke, dass die Schminke läuft.

Elspe gibt seinem Stammpublikum einen Winnetou ohne Brüche. Edel sei der Apache, hilfreich und gut. Amerika ist hier noch ein romantisches Traumbild und der US-Präsident der „weiße Vater in Washington“. Wer auch immer da konkret gemeint sein mag: auf jeden Fall nicht der, an den man jetzt denkt.

dpa

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